Baden-Württemberg, Bayern und Bremen sind die drei Bundesländer mit den wichtigsten deutschen Raumfahrt-Standorten in Deutschland. Vor allem in Bremen hat sich die Raum- und Luftfahrt in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten rasant zu einem Markenzeichen der Hansestadt entwickelt. Im Oktober 2018 findet in Bremen der „Internationale Weltraumkongresses IAC“ statt. Kein Wunder also, dass das neue Positionspapier der drei Bundesländer zur Luft- und Raumfahrttechnik am Freitag auch in der Bremer Landesvertretung in Berlin diskutiert wurde.
Raumfahrtkompetenzen müssen gestärkt werden
Zur anstehenden Ministerratstagung der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) im Dezember 2016 in Luzern hatten die Länder gemeinsam Positionen erarbeitet und diese mit einem Brief auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zugesandt.
Carsten Sieling, Bürgermeister der Hansestadt Bremen, sagte, dass Bremen sich dadurch auszeichne, Kompetenzen zu bündeln. „Es ist wichtig, dass die Raumfahrtkompetenzen gestärkt werden und dass die drei Länder gemeinsam an einem Strang ziehen.“ Schon beim Positionspapier von 2014 sei es zu guten Ansätzen gekommen. Nun komme es darauf an, die Kommerzialisierung in der Raumfahrt weiter voranzutreiben und auch der wachsenden Industrieverantwortung gerecht zu werden. Auch eine Öffnung zu China und Indien müsse offensiv angegangen werden. Deutschland müsse sich nicht nur im europäischen, sondern auch im weltweiten Vergleich angemessen präsentieren, betonte Sieling.
In dem Positionspapier fordern die drei Länder weitere Kooperationen zwischen der Europäischen Union und der ESA, um eine gemeinsame europäische Raumfahrtstrategie entwickeln zu können. Außerdem sollen neue kommerzielle Potenziale intensiv gefördert werden, da die weltweit fortschreitende Kommerzialisierung der Raumfahrt für die Zukunft der nationalen Raumfahrt im globalen Wettbewerb eine entscheidende Rolle spiele. Auch der Bereich Technologietransfer soll in Kooperation mit den Mitgliedstaaten und der EU weiter ausgebaut werden.
Deutschland muss Führungsrolle im Satelitenbau behaupten
Die Länder konnten sich in dem Papier weiter darauf einigen, dass das Satellitennavigationssystem Galileo weiter ausgebaut werden müsse. „Deutschland müsse die Initiative ergreifen und die Führungsrolle beim erfolgreichen Bau der Satelliten behaupten“, heißt es in dem Papier. Das Gleiche gelte für die Satellitenkommunikation.
Zusammenfassend sprachen sich Baden-Württemberg, Bayern und Bremen gegenüber der Bundesregierung dafür aus, die Aufrechterhaltung der Eigenständigkeit der ESA bei gleichzeitiger Stärkung der Kooperation mit der EU zu unterstützen. „Durch eine Fortschreibung der deutschen ESA-Mittel auf dem aktuellen Niveau von 2016 sollen die Kontinuität der getroffenen Entscheidungen der letzten ESA-Ministerratskonferenzen mit Blick auf Wissenschaft, Infrastrukturen und Anwendungen gewährleistet bleiben und die erforderlichen Spielräume geschaffen werden“, heißt es weiter. Damit würden die deutschen Interessen im Weltraum gesichert.
„Raumfahrt ist nicht nur ein Prestigethema“, betonte Johann-Dietrich Wörner, Generaldirektor der ESA, in Berlin bei seinem Vortrag. Man müsse auch in den Markt gehen. „Es braucht weiterhin Visionen“, denn von „Visionen haben wir immer gelebt“. Sonst wäre man auch nie zum Mond geflogen. „Wir müssen unseren Entdeckergeist weiter aufrecht behalten“, sagt Wörner.
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