Die tödlichen Angriffe des US-Militärs auf mutmaßliche Drogenboote in der Karibik und im Ostpazifik haben die Mengen an Kokain, die in die Vereinigten Staaten gelangen, nicht verringert. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Bewertung der US-Drogenbehörde DEA hervor, über die die Washington Post am Montag berichtete. Die Zeitung stützt sich auf die interne Analyse, eine nichtöffentliche Anhörung im Kongress sowie Gespräche mit derzeitigen und früheren US- und ausländischen Regierungsvertretern.
Nach dem Bericht der Washington Post hätten die Angriffe kriminelle Organisationen dazu gebracht, ihre Strategien anzupassen. Schmuggler wichen demnach auf größere Schiffe, küstennahe Routen und Flugzeuge aus. Zudem würden klassische Ermittlungsmethoden erschwert. Die Einschätzung widerspricht Aussagen von US-Präsident Donald Trump, wonach die Operation den Drogenschmuggel auf See nahezu beendet habe.
Zahlreiche Tote seit Beginn der Operation
Die US-Regierung führt die Angriffe seit dem 2. September 2025 durch. Seit dem 13. November 2025 bezeichnet sie die Kampagne als „Operation Southern Spear“. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Washington Office on Latin America (WOLA) veröffentlichten US-Stellen bis Ende Juli 2026 insgesamt 63 Videos von Angriffen, bei denen 221 Menschen an Bord kleiner Boote ums Leben gekommen seien. Die Boote seien durch Bomben und Raketen der US-Streitkräfte zerstört worden.
WOLA stuft die Angriffe nach internationalem Recht als außergerichtliche Hinrichtungen und als Tötungsdelikte nach US-Recht ein. Die Organisation kritisiert, das US-Verteidigungsministerium kenne die Identitäten vieler Getöteter nicht, betrachte sie aber pauschal als Angehörige von Gruppen, die als terroristisch eingestuft sind. Ein Rechtsgutachten des US-Justizministeriums vom 5. September 2025, das die Einsätze stützen soll, ist laut WOLA weiterhin geheim.
Kongress dokumentiert veränderte Schmuggelrouten
Der Congressional Research Service, der wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses, verweist in einer Auswertung vom Mai 2026 ebenfalls auf verlagerte Schmuggelrouten und wertet Daten zu Beschlagnahmungen aus. Die Trump-Regierung hatte mehrere transnationale kriminelle Organisationen als terroristisch eingestuft und darauf ihre militärischen Einsätze gestützt.
Laut WOLA lehnten mehrere Nato-Staaten, darunter Kanada, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande, es ab, Informationen zu teilen, die zu tödlichen US-Angriffen führen könnten. Einige lateinamerikanische Regierungen, unter anderem El Salvador, die Dominikanische Republik sowie Trinidad und Tobago, sollen die Einsätze logistisch unterstützt haben.
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