Interview

„Der Ägypten-Auftrag reicht nicht aus“

Interview mit Willi Meixner (50), Chef der Siemens-Sparte Power & Gas, zu der auch das Gasturbinenwerk in Berlin gehört.

BLZ
3 Min

Herr Meixner, lässt sich an dem Plan von Siemens, im Gasturbinenwerk Berlin 800 Stellen abzubauen, noch was ändern?

Die Planungen sind Teil eines umfangreichen Umbauprogramms mit den Zielen, sich stärker an Kundenwünschen zu orientieren, vor allem in Forschung und Entwicklung zu investieren und, auch das, nachhaltig die Produktionskosten zu senken.

Das heißt, der Betriebsrat kann sich Verhandlungen mit Ihnen sparen?

Nein, das würde ich nicht sagen. Unser gemeinsames Ziel ist doch, unsere Produkte wettbewerbsfähig anzubieten. Jetzt werden beide Seiten in den wirtschaftlichen Beratungen ihre Argumente vortragen und ich erwarte, dass wir auch bei diesem schwierigen Thema zu einem Interessenausgleich kommen.

Welches Problem hat eigentlich der Berliner Standort?

Eine Folge der Energiewende ist, dass die Nachfrage nach Großturbinen, wie wir sie in Berlin herstellen, stark zurückgegangen ist. Und das restliche Europa wächst langsamer und zusammen mit einer höheren Energieeffizienz sinkt der Bedarf insgesamt. Damit einher geht ein Preisverfall von etwa 30 Prozent, dem wir uns stellen müssen. Es gibt aber immer noch weltweit einen Markt von vielleicht 150 bis 200 Gasturbinen pro Jahr, da wollen wir dabei sein.

Der Milliardenauftrag aus Ägypten, immerhin 24 Turbinen, müsste da doch helfen?

Ja, der Auftrag bringt kurzfristig Entlastung. Die Order macht aber nur etwa ein Drittel der Berliner Kapazitäten aus. Das heißt, wir brauchen noch andere Aufträge für das Werk.

Der ägyptische Auftrag verschafft also nur etwas Luft?

Ja, er ist sehr, sehr gut. Aber er reicht nicht.

Die Betriebsräte halten dem Management eine fatale Strategie vor: Strukturveränderung bedeute als erstes immer Stellenabbau.

Personalabbau ist die bitterste Auswirkung von Strukturveränderungen. Aber Siemens in Berlin ist mit 11 500 Mitarbeitern immer noch der größte Industriearbeitgeber in der Stadt. Wir haben gerade die Brennertest-Anlage eingeweiht, wir investieren 300 Millionen in den Standort – jedes Jahr. Das ist ein klares Bekenntnis zum Standort Berlin!

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller sagte neulich, er verstehe nicht, warum Siemens in Moabit statt der Großturbinen nicht kleinere baut, für die es einen Markt gibt?

Naja, zu kleineren Anlagen passt einfach der Maschinenpark nicht, den wir in Berlin haben. Kleinturbinen bauen wir in England, Kanada und Schweden. Von da Produktion nach Berlin zu holen, macht keinen Sinn. Aber wir liefern schon heute Teile dorthin zu. Etwa bei den Schaufeln.

Die Produktion soll doch nach Budapest?

Die Kernkompetenz bleibt in Berlin, vor allem auch die Forschung und Entwicklung. Aber es stimmt, es ist geplant, dass ein signifikanter Teil der Fertigung unter anderem auch nach Ungarn geht.

Nochmal der Regierende: Er forderte von Siemens ein Konzept für das Turbinenwerk und meinte Investitionen, Aufbau statt Personalabbau.

Unser Bekenntnis zum Standort ist klar. Berlin ist unser Leitwerk für die große Gasturbinenfertigung, und das bleibt auch so.

Das Gespräch führte Tobias Miller.

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