Damals war Axel Prahl gerade nach Berlin gekommen, spielte im Grips-Theater. Heute ist er 54 und berühmt, als „Tatort“-Kommissar, Schauspieler, Musiker, in dieser Reihenfolge wohl. Heute muss er Interviews geben in einem der feinen Apartments, die von Berlin-Gästen gemietet werden. Lust hat er nicht so recht. Andererseits: „Der Bau“, eine freie Verfilmung von Frank Kafkas unvollendeter Erzählung aus den Zwanzigerjahren, liegt ihm am Herzen. Und er ist der Hauptdarsteller. Also: runter vom Balkon.
„Der Bau“ ist die Verfilmung einer Geschichte von Franz Kafka – eines der bekanntesten Autoren überhaupt, aber bei vielen nur als ungeliebte Schullektüre in Erinnerung. War das bei Ihnen auch so?
Ich habe, notgedrungen, da ich mein Abitur am Ende doch gemacht habe, in der Schule den „Prozess“ gelesen. Und ja, ich war jung und unverständig und hab mir damals, glaube ich, „Königs Erläuterungen“ geholt.
Es gab keinen Lehrer, der Ihnen Kafka nahebringen konnte?
Nicht wirklich. Dabei gäbe es ja auch wunderbare Hilfsmittel, eine Verfilmung von „Die Verwandlung“ zum Beispiel, um Schülern diese Texte näherzubringen. Ich wäre damals sehr froh gewesen, wenn es einen Film wie „Der Bau“ gegeben hätte. Wenn man die Geschichte erst in der Klasse liest und dann ins Kino geht, ist das doch ein toller Weg, zu zeigen, wie Kafka uns die Gesellschaft vorführt.
Das Grandiose ist ja, dass diese Texte immer noch mit uns zu tun haben. Er war wirklich ein Visionär, wahrscheinlich, ohne es zu wissen. Man muss sich mal vorstellen, dass das ganze Werk nach seinem Tod hätte verbrannt werden sollen, das hat er seinem Freund Max Brod aufgetragen. Und der hat gesagt, das kann ich doch nicht verbrennen. Er hat Kafkas letztem Willen nicht entsprochen und seinen Bruder im Geiste eigentlich verraten. Das ist schon dramatisch.
Sie meinen, er hätte es verbrennen müssen? Müssen Freunde immer machen, was man will?
Gute Frage. Man weiß an der Stelle allerdings auch nicht genau, wie ernst es ihm damit war. Er hätte es ja auch selbst verschwinden lassen können. Vielleicht wollte Kafka doch, dass es erhalten bleibt.
Kafkas Texte sind oft große Metaphern, „Der Bau“ ist die Geschichte eines unterirdisch lebenden Tieres, das pausenlos um seine ihm Sicherheit gewährende Behausung fürchtet. Haben Sie gezweifelt, ob es funktionieren kann, den Text in die konkrete Menschenwelt zu übertragen?
Interessanterweise überhaupt nicht. Als Jochen Alexander Freydank, der Regisseur, mich anrief und fragte, ob ich mir das vorstellen könnte, bin ich gleich ans Bücherregal und hab den Text gelesen.
Der stand da drin?
Ja, die Kafka-Gesamtausgabe stand da. Und ich konnte mir das als Film gleich sehr gut vorstellen.
Der Baubewohner sind nun Sie – und Sie sprechen viele der Sätze aus Kafkas Text.
Das war für mich eine komplett andere Arbeit als sonst. Sonst neigt man gerne mal dazu, sich einen Satz mundgerecht zu machen. Bei „Tatort“-Dreharbeiten passiert das, aber auch bei anderen Filmen. Bestimmte geschriebene Sachen klingen manchmal vorher wie ein literarischer Text und nicht wie gesprochene Sprache, und die Kunstfertigkeit , die man haben sollte, ist ja, es eben nicht wie Papier klingen zu lassen, sondern wie gesprochene Alltagssprache.
War das bei Kafka schwieriger?
Auf jeden Fall. Da ist jedes Adjektiv Gold wert, und wenn man eines weg lässt, funktioniert der ganze Satz nicht mehr. Die Sätze sind gestreckt durch diese messerscharfen Beschreibungen von Befindlichkeit. In den Film schleicht sich die Sprache sukzessive. Mit dem Videotagebuch, das Franz, den ich spiele, führt, bestand die Möglichkeit, die Texte zu verquicken mit der Psychose, die er zunehmend entwickelt. Und deswegen werden auch die Kafka-Texte mehr, bis er am Ende dasteht und nur noch Kafka spricht.
Am Ende ist alles kaputt – Frau und Kinder weg, die Wohnung zerstört, die ganze Gegend ein Trümmerfeld.
Es war für mich vom Spielen her ein versöhnlicher Schluss. Auch wenn es natürlich drastisch ausgeht und schlimm aussieht, aber er ist frei. Er hat sich von dem Ballast der persönlichen Habe befreit, kann überall hinlaufen, hat keine Angst mehr. Als er die Schneeflocke in seiner Hand schmelzen sieht, kommt ein leichtes Lächeln auf seine Lippen. Er nimmt sich selbst wieder wahr. Vorher war ja alles nur außen, weg, schützen.
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Weil wir gerade vom Schulunterricht sprachen: Was wäre die Botschaft des Films, wenn Sie die in einem Satz zusammenfassen müssten?
„Häng dein Herz nicht an Dinge“ vielleicht.
Ein guter Spruch?
Nur bedingt. An manchen Dingen hängt man ja eben doch. Ich an meiner Gitarre zum Beispiel.
Woran hängen Sie noch? An Ihrem Wohnmobil?
Ja, das Wohnmobil – aber nicht soo sehr.
An manchen Dingen hängen ja auch Geschichten.
Es gibt ein paar Bilder, auf die ich Wert lege. Weil sie mit den Menschen, die sie gemalt haben, viel zu tun haben. Gingen die verloren oder würden zerstört, würden sie mir schmerzlich fehlen.
Aber insgesamt scheint Ihr Leben ganz anders zu sein als das des Mannes, der sich in seiner Wohnung verbarrikadiert.
Ich bin eher das Gegenteil. Es ist Unsinn, seine Tür mit fünf Schlössern zu sichern. Drei tun’s auch. Denn wer reinkommen will, kommt sowieso rein. Das schafft nur eigene Beklemmungen.
Sind Sie inzwischen ein Leser?
Es liegt immer etwas auf dem Nachttisch. Gerade lese ich zwei Bücher gleichzeitig. Eins von Thomas Brasch, aber da bin ich dann steckengeblieben, weil mir Rocko Schamonis „Fünf Löcher im Himmel“ dazwischenkam. Mit Rocko Schamoni bin ich seit den Dreharbeiten zu „Dorfpunks“ befreundet, der Verfilmung seines zweiten Romans.
Bücher sind mir wichtig. Aus solchen Geschichten entstehen manchmal auch Lieder. „Reise, Reise, alle Mann an Deck“ zum Beispiel, nachdem ich „Sturmkap“ gelesen hatte, die Geschichte eines Kapitäns. Er erzählt, dass die Liebe zur See in ihm geweckt wurde, weil sein Vater ihn schon als Säugling in der Schublade des Sekretärs mitgenommen hat. Seefahrerei ist bestimmt ein Virus, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Lesen ist, denke ich, ein ähnlicher Virus.
Wie die Liebe zum Meer, wenn man wie Sie dort aufgewachsen ist?
Das ist prägend.
Wären Sie heute am Wasser, wenn Sie frei hätten?
Ich hab ein Häuschen direkt am See, da wäre ich jetzt. Und noch lieber wär ich natürlich am Meer.
Ist das ein Traum, ein Haus am Meer?
Das wabert natürlich im Hinterkopf. Wer weiß, wo einen das Leben noch hinspült.
Hat man denn immer eine besondere Nähe zu der Landschaft, in der man groß geworden ist?
Ich glaube, es gibt auch Menschen, die am falschen Platz geboren sind. Die eines Tages ihre Liebe zum Meer entdecken. Oder Menschen, die am Meer geboren wurden und irgendwann merken, dass sie sich eigentlich in den Bergen wohlfühlen.
Und die Dinge, die man als Kind gelernt und gemacht hat? Sie haben eine CD mit eigenen Liedern veröffentlicht, geben Konzerte. Musik scheint wieder wichtiger zu werden für Sie.
Ja, ich komme ja eigentlich aus der Musik. Meine ersten Bühnenerfahrungen hatte ich, als ich Musik machte. Mit 16 hatte ich eine lustige Irish-Folk-Combo, da hab ich Mandoline gespielt. Und Gitarre hab ich mit acht angefangen.
Mit einer Dreiviertelgitarre für Kinder?
Die kam später, zuerst hatte ich eine zwölfsaitige Western-Gitarre aus dem Otto-Katalog, die hab ich mir von meiner Oma gewünscht. Das war natürlich ein Schrotthaufen, siebter und achter Bund der gleiche Ton, weil der Steg zu hoch war. Den hab ich dann beherzt mit dem Hammer reingekloppt, was wieder zur Folge hatte, dass oben ein Wirbel abbrach und man die Gitarre nur noch mit der Zange stimmen konnte.
Ich hab dann erstmal sechs Saiten runtergespult, dann hatte sie noch sechs, so viele wie normale Gitarren. Da meine Eltern merkten, dass ich da wirklich hinterher bin, haben sie meine Kantorin aus dem Kirchenchor nach einem Gitarrenlehrer gefragt. Bei dem hatte ich dann bald Einzelunterricht. Da gab es wohl schon ein gewisses Talent. Und dann bekam ich auch die Dreiviertelgitarre.
In einem Fernsehfilm über Sie erzählt Ihre Mutter, dass Sie früher gemeinsam Hausmusik gemacht haben
Na ja, das das gab’s ab und an zu Weihnachten, das hat sie sich gewünscht.
Später haben Sie dann Musik studiert.
Na ja, was wird man, wenn man bis dahin nichts anderes kennengelernt hat als Schule? Man wird Lehrer. Der einzige Beruf in meiner damaligen Vorstellung, der noch mehr Freizeit bot, war der des Pfarrers. Der musste ja nur einen Tag in der Woche arbeiten. Es erschien mir also erstrebenswert, Mathematik und Musik zu studieren.
Das hat sich aber sehr bald schon als großer Irrtum herausgestellt. Ich weiß nicht, wie die Lehrerausbildung heute ist, aber damals war sie eine mittelschwere Katastrophe. Das pädagogische Rüstzeug wurde überhaupt nicht vermittelt, es gab eine Wochenstunde Didaktik und sechs oder sieben Wochenstunden Mathematik. Das hatte dann auch sehr schnell mathematische Dimensionen, die sich mir nicht mehr erschlossen. Deshalb habe ich mich relativ schnell von diesem Studium verabschiedet.
Wären Sie denn ein guter Lehrer geworden?
Der Lehrerjob ist eigentlich ein Schauspielerjob. Man muss den Stoff möglichst spannend präsentieren, man muss die Zuschauer bei Laune halten. Die Kinder müssen dich mögen, und die müssen dir auch folgen mögen. Der Film reißt immer an der schwächsten Stelle, und im Unterricht muss man auch immer den Schwächsten mitnehmen, es zumindest versuchen.
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Danach sind Sie Schauspieler geworden und mit dem Schleswig-Holsteinischen Landestheater durch den Norden gereist.
32 Abstecherorte! Das war eine unglaublich gute Schule. Du spielst heute in einem etwas größeren Wohnzimmer. Und zwei Tage darauf dasselbe Stück in einer Stadthalle. Ich erinnere mich an eine Vorstellung in Apenrade, also in Dänemark. Ich hatte meinen Personalausweis vergessen, musste deshalb noch mal mit dem Auto zurück nach Rendsburg, um ihn zu holen, und kam dann auf den letzten Drücker zur Aufführung von „Das Gespenst von Canterville“. Da spielte ich den Bob, den aufsässigen amerikanischen Schnöselsohn, der einen Auftritt hatte durch einen Kamin.
Da ich ja so spät dran war, musste ich mich flink in die Klamotten schmeißen. Auftritt also durch den Kamin, und dann bin ich mit dem Hintern gegen ein Grammofon gestoßen, das dann fast in der ersten Reihe ein Kind erschlagen hätte. Ich habe dann alles wieder hochgeräumt, habe weitergespielt und wollte abgehen – es war aber keine Tür dort, wo sie hätte sein sollen. Das Bühnenbild war nämlich halbiert worden, und ich hatte es mir vorher ja nicht angucken können. Ich bin dann einfach wieder in den Kamin gekrochen.
Man lernt das Improvisieren.
Genau, man lernt, dass man alles auch anders spielen kann.
Waren das ganz klassische Inszenierungen?
Man muss das so sehen: Das Publikum da oben ist natürlich der Tradition verbunden. So ein Publikum dann für modernes Theater – alle nackt, alle spucken sich an – zu begeistern, das ist ein weiter Weg. Aber das ist ja vielfach auch nicht unbedingt vonnöten.
Wie war das Schauspielerleben damals?
Wir Schauspieler hatten eine Residenzpflicht, mussten entweder in Schleswig oder in Rendsburg wohnen. Das war alles sehr aufwendig. Wir hatten 25 Vorstellungen im Monat und morgens immer noch die Proben – das war irrsinnig viel Fahrerei. An den Wochenenden wurde gespielt, an den Feiertagen ebenfalls. Eine richtige Knochenmühle. Aber eben auch eine großartige Chance, sich auszuprobieren.
Wie unterscheidet sich die Arbeit am Theater von der beim Film?
Die Arbeit am Theater bietet einem die Möglichkeit, eine Rolle in die Tiefe zu entwickeln. Beim Film hat man dafür keine Zeit. Beim Film musst du im Vorfeld alles genau geklärt haben, alles geplant haben.
Was, wenn man dann am entscheidenden Drehtag nicht in Form ist?
Film ist ganz viel innen, funktioniert nur von innen heraus. Nur wenn du das Gefühl für die Situation wirklich fühlen kannst, bist du glaubhaft. Das gelingt nicht immer. Manchmal weiß man, ich hab’s nicht ganz, ich habe nicht 100, sondern nur 97 Prozent. Das kriegt man dann auch nicht mehr weg.
Und was dann?
Dann muss man es trotzdem machen.
Und zufrieden sein mit den 97 Prozent?
So ist es. Und es gibt natürlich ein paar Tricks, die helfen können. Dann spielt man es über den Rücken beispielsweise, man filmt also von hinten. Denn verraten tut alles natürlich der Blick in die Augen. Der ist gnadenlos.
Gilt das für Fernsehen und Film?
Das gilt für alles. Das gilt fürs ganze Leben. Da fallen mir die Poesiealben der Schulzeit ein.
Die Poesiealben?
Na ja, damals reichten die Mädchen doch Poesiealben rum, und man sollte etwas reinschreiben. Dann hat mir Mutti immer was in die Feder diktiert. Ein Spruch ging so: „Ehe du in deinem Leben fest auf einen Menschen baust, geh mit Vorsicht ihm entgegen, eh du dich ihm anvertraust. Sieh ihm oft und fest ins Auge, ob auch offen ist sein Blick, denn des Menschen Worte trügen, doch das Auge kann es nicht.“ Ich weiß bis heute nicht, von wem das ist. Ist aber viel Wahres drin.
Mutti hat immer recht.
Na ja … Der Spruch war mir dann aber irgendwann zu schwülstig, zumindest für Mädchen, die ich nicht begehrlich fand.
Was haben Sie den anderen hineingeschrieben?
Rosen, Tulpen, Nelken, alles muss verwelken, Astern und Narzissen schmecken auch beschissen.
Das Mädchen, das das dann gelesen hat, war bestimmt traurig.
Wieso? Ist doch ein lustiger Spruch. Aber ich war ja schon immer der Klassenclown.
Nie schüchtern gewesen?
Lieber einen Freund verlieren als eine Pointe. Ich war früher nicht bei allen beliebt. Oder besser: bei einigen nicht. Es gab viele, die die Juxerei mochten. Aber auch sicher einige, auf deren Kosten ich meine Scherze gemacht habe. Das sehe ich heute natürlich aus einem anderen Blickwinkel. Aber Kinder sind ja gnadenlos.
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Haben Sie noch viele Freunde aus der Kindheit, der Jugend?
Zwei Freunde habe ich noch aus der Neustädter Zeit, zu denen ich sporadisch Kontakt habe. Aus der Rendsburger Zeit habe ich noch einige Freunde, damals hatte ich einige Maler kennengelernt.
Wenn man so bekannt ist, wie Sie es sind, vor allem auch durch den Münster-„Tatort“, wird es vermutlich immer schwerer zu sortieren, zu erkennen, wer ist wirklich ein Freund, und wer nicht.
Da ist man in der Tat manchmal in der Bredouille. Vor allem, seit es Facebook gibt. Da muss man dann genau hinschauen.
Sie scheinen aber auch jemand zu sein, der Freundschaften pflegt. Mit dem Regisseur Andreas Dresen zum Beispiel, der Sie sozusagen fürs Kino entdeckt hat, Ende der Neunzigerjahre. Warum haben Sie mit ihm schon länger nicht mehr gedreht?
Es gibt ein neues Filmprojekt.
Interessant. Dürfen Sie schon mehr verraten?
Weiß ich jetzt gar nicht. Vielleicht besser nicht. Andreas hält ja Dinge lieber zurück. Er benennt die Dinge erst, wenn sie fertig sind. Das finde ich klug.
Aber über die gemeinsame Band dürfen Sie sprechen.
Klar, Musik machen wir sowieso immer. Andreas ist ja Autodidakt, er sagt von sich selber, er könne eine Gitarre halten. Anfänglich waren wir ja eine reine Spaß-Combo, wir nannten uns die Tinnitussis, das fanden wir dann aber zu albern. Dann waren wir die Musikliebhaber in Anlehnung an „Halbe Treppe“, wo Uwe Kukowski sagt: „Ich bin zwar Musikliebhaber, aber den ganzen Tag das Getröte …“ Dann gab es noch ein paar witzige Vorschläge, Sechs Bier später war mein Favorit. Ab und an spielen wir ja auch Konzerte.
Namenlos?
Bisher immer noch namenlos beziehungsweise als Dresen-Prahl-Band.
Mit dem Inselorchester führen Sie auch Ihre eigenen Lieder auf. Sind die Texte alle selbst geschrieben?
Ja, sonst kann ich das nicht singen. Am Theater ist man ja ganz häufig Erfüllungsgehilfe, wenn man im Musical spielt, was ich auch viel gemacht habe, „Rocky Horror Show“, „Linie 1“, da kriegt man das Libretto und muss es dann erfüllen. Aber bei der eigenen Musik ist es anders, da brauch ich meine ganz eigenen Worte.
Außer bei „Du bist nicht allein“, das Roy Black mal gesungen hat. Das ist auch auf Ihrer Live-CD.
Außer da. Das war ja durch den Film „Du bist nicht allein“ initiiert, in dem ich das singe. Aber, auch interessant: Das wollten wir eigentlich so schräg und schief einsingen wie ich im Film und haben dann festgestellt, dass das nicht hinhaut, weil der Vorlauf, den es im Film gibt – dass da ein paar Russen mit wunderbarer Bariton-Stimme singen – fehlt. Und die Komik funktioniert nur durch den Bruch.
Wie war es denn, im Film mit dieser dünnen Stimme zu singen, die Sie eigentlich gar nicht haben?
Das war lustig, zumal ich mit all diesen russischen Komparsen am Tisch saß, die alle dachten, was haben die da für einen Bleppo engagiert, der noch nicht mal singen kann. Sie guckten sich ganz betreten an. Das sieht man auch im Film und passte natürlich wunderbar. Es kostet zwar Überwindung, so falsch zu singen. Aber macht auch irrsinnig Spaß.
Zwei Bands, zwei Mal im Jahr Tatort-Dreharbeiten, zwischendurch noch Filme wie „Der Bau“ – wie passt das in ein Leben?
Letztes Jahr waren das 57 Konzerte, zwei „Tatorte“, „Die Himmelsleiter“ für die ARD, „Die Mutter des Mörders“ für das ZDF, was war denn noch …? Ich stecke schon sehr im Hamsterrad manchmal. Deswegen habe ich in diesem Jahr ja auch die Bremse gezogen. Und mache nur noch maximal 25 Konzerte. Ich laufe gerade mit angezogener Handbremse.
Ah! Ein Schonjahr.
Ja, ein Schonjahr. Ich mache Urlaub, und Sie sind live dabei.
Das Gespräch führten Petra Ahne und Bettina Cosack.
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