Interview mit Josh Hutcherson von "Die Tribute von Panem"

„Wäre ich schwul, würde ich mich outen“

Josh Hutcherson und seine Kollegen haben den letzten Teil der Tribute von Panem-Reihe abgedreht. Ein bisschen traurig ist der 23-jährige Schauspieler schon über das Ende der Saga. Was die Erfolgsfilme mit ihm gemacht haben und wofür er sich engagiert, erzählt er im Interview.

Patrick Heidmann
6 Min
Josh Hutcherson setzt sich für Homosexuelle ein.

Josh Hutcherson setzt sich für Homosexuelle ein.

© Getty Images/Michael Loccisano Lizenz

Der letzte Teil der „Tribute von Panem“-Saga läuft jetzt in unseren Kinos. Hauptdarsteller Josh Hutcherson (23) ist darüber zwar ein bisschen traurig – aber er hat auch noch andere Themen in seinem Leben.

Mr. Hutcherson, mit „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“ schließt nun das bisher größte Kapitel Ihrer Karriere. Traurig?

Selbstverständlich! Immerhin habe ich fast ein Fünftel meines Lebens mit diesen Filmen verbracht und bei der Arbeit viele enge Freundschaften geschlossen. Aber ich werde es schon überleben, dass diese Zeit jetzt vorbei ist. Es gibt ja schließlich Telefon und E-Mail, um in Kontakt zu bleiben.

Sie und Jennifer Lawrence, Sie werden sich also weiterhin sehen?

Das hoffe ich zumindest. Normalerweise ist es in unserem Job nicht so selbstverständlich, dass man über die Dreharbeiten hinaus befreundet bleibt. Schon weil man viel zu wenig Zeit hat sich zu sehen. Aber die Erfahrungen die Jen und ich und auch Liam Hemsworth geteilt haben, waren eben auch alles andere als normal. Die kann uns keiner nehmen, und ich glaube, dass uns das für immer zusammenschweißen wird. Und das Tolle an Jen ist ja, dass ihr der Erfolg nie zu Kopf gestiegen, sondern sie immer noch die gleiche ist wie damals.


Josh Hutcherson wurde 1992 in Union im US-Bundesstaat Kentucky geboren. Für die Schauspielerei zog er nach Kalifornien. Seit seinem vierten Lebensjahr war er in Werbespots zu sehen, sein Filmdebüt feierte er 2002.

Sein großer Durchbruch kam im Jahr 2012, als er die Rolle des Peeta Mellark in der Bestseller-Verfilmung „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ spielte. Für sein Engagement für die Rechte Homosexueller erhielt er den GLAAD Media Award, eine Auszeichnung der US-amerikanischen Organisation Gay and Lesbian Alliance Against Defamation.


Gilt das auch für Sie?

Das mit dem auf dem Boden bleiben auf jeden Fall. Aber ich kann nicht behaupten, dass ich mich nicht verändert habe. Immerhin sprechen wir über vier lange Jahre. Als wir anfingen, war ich gerade mal 18 Jahre alt. In diesem Zeitraum absolvieren die meisten meiner Altersgenossen ihr komplettes College-Studium. Ich für meinen Teil habe jedenfalls enorm viel dazugelernt, sowohl durch die Arbeit an den Filmen als auch dank der Reisen um die ganze Welt.

Hat der Erfolg der Filme Ihr Leben auf den Kopf gestellt?

Eigentlich nicht. Mein Privatleben und mein Alltag sind mehr oder weniger genauso wie früher. Ich habe die gleichen Freunde und die gleichen Hobbys. Klar, heute werde ich ab und zu in der Öffentlichkeit erkannt, und das fühlt sich immer noch seltsam und nicht wirklich angenehm an. Auch nach vier Jahren ist es mir ein bisschen peinlich, wenn Mädchen ein Selfie mit mir machen wollen. In meiner eigentlichen Welt gehe ich nach wie vor ganz normal im Supermarkt einkaufen oder radele mit meinen Kumpels durch die Berge von Kalifornien.

Wenn man wie Sie schon als Kind so viel arbeitet, was hat man da eigentlich für ein Verhältnis zum Geld? Wissen Sie noch, was Sie sich von Ihrem ersten Honorar gekauft haben?

Die meiste Zeit hat sich natürlich meine Mutter um die Finanzen gekümmert. Als mit zehn oder elf Jahren der erste Scheck kam, musste ich sie wirklich überreden, dass ich mir davon endlich das BMX-Rad kaufen durfte, von dem ich schon Jahre geträumt hatte. Irgendwann hatte ich sie zum Glück so weit. Aber das blieb die Ausnahme, verwöhnt war ich nie.

Sie haben vor ein paar Jahren die Organisation Straight But Not Narrow gegründet. Was steckt dahinter?

Mein bester Freund und ich wollten unsere Solidarität mit der schwul-lesbischen Community bekunden und zeigen, dass man sich auch als Hetero für LGBTQ-Rechte und Themen einsetzen kann. Wir arbeiten dafür viel mit Twitter und anderen sozialen Medien, gehen aber auch direkt in Schulen oder veranstalten Basketballspiele und andere Events. Ich glaube, es gab ein echtes Bedürfnis nach einer Organisation wie der unseren.

Dass Jennifer Lawrence immer noch nicht das gleiche Geld bekommt wie ein männlicher Star vom gleichen Kaliber, ist doch eine Frechheit

Wie meinen Sie das?

Wenn man sich umschaut, wer sich auf diesem Gebiet engagiert, dann sind das fast immer Queer-Organisationen. Aber in unserer Generation gibt es auch sehr viele junge Heterosexuelle, für die es eine Selbstverständlichkeit ist, sich dafür einzusetzen. Deswegen wollten wir einen Ort schaffen, wo man dieses Engagement bündeln kann.

Gibt es eine persönliche Motivation für dieses Engagement?

Meine Mutter wuchs mit zwei schwulen Onkeln auf, die ihr sehr nahe standen. Leider habe ich sie nie kennengelernt, beide starben an Aids, kurz bevor ich geboren wurde. Aber gleiche Rechte für Homosexuelle, das war in meiner Familie deswegen von jeher ein großes Thema.

Wie erleben Sie Hollywood in Bezug auf dieses Thema? Gleiche Rechte sind selbst dort ja nicht die Regel, oder?

Ich glaube, Hollywood ist da nicht anders als der Rest unserer Gesellschaft. Es ist noch längst nicht alles perfekt. Übrigens auch nicht, was die Gleichberechtigung von Männern und Frauen angeht. Dass jemand wie Jennifer Lawrence immer noch nicht das gleiche Geld bekommt wie ein männlicher Star vom gleichen Kaliber, ist doch eine Frechheit.

Würden Sie denn einem schwulen Kollegen zum Coming Out raten?

Das muss jeder selbst entscheiden, dazu ist das Thema zu komplex und persönlich. Aber prinzipiell denke ich, dass es eine fantastische Sache ist, wenn jemand stolz und laut zu seinem eigenen Schwulsein stehen kann. Denn jeder, der diesen Schritt gegangen ist und dabei vielleicht auch Hindernisse überwunden hat, kann anderen dabei helfen, das Gleiche zu tun. Natürlich habe ich leicht reden. Aber ich bin fest davon überzeugt: Wäre ich schwul, würde ich mich outen!

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de