Interview mit Jürgen Allerkamp von der Investitionsbank

"Mehr Geld für die Off-Szene in Berlin"

Jürgen Allerkamp von der Investitionsbank Berlin ist erst seit wenigen Monaten in der Stadt. In der Reihe „Chefsessel“ spricht der Vorstandsvorsitzende der Förderbank des Landes über seine Begeisterung für die interessanten Ecken der Stadt.

Matthias Loke
3 Min
Jürgen Allerkamp, Chef der Investitionsbank Berlin.

Jürgen Allerkamp, Chef der Investitionsbank Berlin.

© Paulus Ponizak Lizenz

Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf dem Chefsessel?
Ich verstehe mich als Teamplayer, den Begriff Chef mag ich nicht so sehr. Denn es stehen Problemlösungen im Vordergrund, an denen immer mehrere Personen beteiligt sind. Für das Ergebnis trage ich dann natürlich die Verantwortung. Da ich viele Termine wahrnehmen muss, bin ich oft bis spät in den Abend hinein unterwegs und für die Bank tätig. Insofern zähle ich meine Stunden auf dem Chefsessel nicht.

Wo können Sie am besten entspannen?
Ich bin ein begeisterter Konzert- und Theatergänger. Vor allem Opern schaue ich mir gern an. Bob Dylan ist aber auch nicht schlecht.

Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?
Ja, ich wollte immer Jurist werden. Das liegt in unserer Familie. Die Ausbildung ist sehr breit angelegt, es gibt viele berufliche Möglichkeiten. Das Bankgeschäft fand ich auch sehr spannend. Insofern ist jetzt, da ich eine Bank führe, beides miteinander vereint.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Auf dem Bau. Ich brauchte Geld, um mir einen gebrauchten VW Käfer zu kaufen. Der alte hatte bei einem Unfall den Geist aufgegeben. Ich habe vier Wochen Moniereisen verlegt, dann war die benötigte Summe beisammen.

Wer verdient Ihrer Meinung nach zu wenig?
Alle diejenigen, die sich um andere Menschen kümmern – zum Beispiel Kindergärtner, Erzieher, Pfleger. Sie brauchen mehr Anerkennung der Gesellschaft, da sie weniger Geld bekommen als sie in Wahrheit verdienen.

Was würden Sie niemals für Geld tun?
Sich Überzeugungen abkaufen lassen.

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?
Erst einmal will ich Berlin besser kennenlernen, und zwar alle Facetten der Stadt. Es gibt so viele großartige Ecken. Dann würde ich mir gern einen Jugendtraum erfüllen und im Käfer Cabrio durch Norditalien cruisen. Da ich auch gern Ski fahre, müssten irgendwann die Rocky Mountains dran sein.

Welche ist Ihre Lieblings-App?
Die der BVG. Ich bin ein Freund der öffentlichen Verkehrsmittel und komme meistens mit der U-Bahn zur Bank. Die BVG-App ist super gemacht, und ich kenne keine vergleichbare andere, die besser ist. Ich benutze zudem gern die Siri-Sprachfunktion, da ich viele Schreiben gleich selbst beantworte.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?
Dass ich die Stadt erkunden kann, wenn ich abends noch Zeit habe.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?
Sprachen lernen und ab ins Ausland! Ohne Englisch und möglichst einer weiteren Fremdsprache gibt es keine sichere berufliche Zukunft.

Womit bringt sich ein Bewerber im Vorstellungsgespräch um alle Chancen?
Wenn er meint, alles schon zu wissen. Und wenn er versucht, eine Rolle zu spielen, die nicht zu ihm passt und aufgesetzt ist.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?
Ich würde eine Stiftung gründen und Kunst und Kultur fördern. Nicht die Hochkultur, sondern die kleinen Künstler, die Off-Szene. Denn es ist klar, dass der finanzielle Spielraum der öffentlichen Hand immer kleiner wird.

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