Steve Carell hat es als Komiker in Hollywood ganz nach oben geschafft, aber auch in Charakterrollen überzeugt. Jetzt tritt der 53-Jährige zusammen mit der Superstar-Riege Brad Pitt, Ryan Gosling und Christian Bale an. Im Oscar-nominierten Film „The Big Short“ (jetzt im Kino) gibt er einen kurzweiligen Einblick in die Machenschaften der Finanzwelt.
Mr. Carell, wie kann man die Zuschauer mit einem Film über eine weltweite Finanzkrise amüsieren?
Es grenzt wirklich an einen Zaubertrick, das Thema festverzinsliche Wertpapiere unterhaltsam zu verkaufen.
Mussten Sie viel über Kommunalobligationen und Co. lernen?
Und wie. Vieles an den Enthüllungen zum Börsencrash 2008 war mir komplett neu. Ich musste mir viele Fakten aneignen. Denn unser Regisseur Adam McKay liebt es zu improvisieren – und das klappt nur, wenn du wenigstens ein bisschen von der Materie kapierst. Wenn du erst mal hinter den Jargon gestiegen bist, wird es einfach.
Komisch: Steve Carell war mehrere Jahre Korrespondent der satirischen Nachrichtensendung „The Daily Show“ beim US-Kabelkanal Comedy Central. Für die Hauptrolle im NBC-Remake der britischen Comedyserie „The Office“ wurde er 2006 mit einem Golden Globe belohnt. Zusammen mit Will Ferrell gehört er zum als „Frat Pack“ bekannten Freundeskreis aus Vince Vaughn, Owen Wilson und Ben Stiller.
Anspruchsvoll: Dass er auch in Charakterrollen Furore machen kann, bewies er 2014 als paranoider Millionär in „Foxcatcher“, der ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte.
Börsensprache à la Wall Street klingt fremder als jeder finno-ugrische Dialekt…
Das liegt aber nur daran, wie diese Jungs sprechen: Wirtschaftsleute können dich innerhalb von Mikrosekunden mit ihrem Fachchinesisch abhängen. Es ist okay, wenn einen diese Termini einschüchtern. Das geht allen so. Genau das ist Teil des Zaubertricks, der hier angewendet wird.
Wem vertrauen Sie Ihr Geld an?
Ich habe schon seit einigen Jahren ein und denselben Finanzberater, dem ich traue. Ich bin aber auch nicht so ein Geldmensch. Den Löwenanteil von meiner verdienten Kohle habe ich für die Ausbildung meiner Kinder beiseite gelegt. Ich bin nicht für verrückte Spekulationen, aber auch nicht für das Horten des Geldes unter der Matratze.
Wie lange hat es gedauert, bis Sie von dem Geld, das Sie verdienten, auch leben konnten?
Für mich war das der Punkt, an dem mit der Schauspielerei genug Geld hereinkam, damit ich die Miete und die monatlichen Rechnungen zahlen konnte, ohne nebenher als Kellner zu jobben. Als ich mich entschied, Schauspieler zu werden, war das mein Ziel: So viel Erfolg zu haben, dass ich es mir leisten konnte zu heiraten, Kinder zu ernähren, ein Haus zu besitzen und den Kids eine Ausbildung bieten zu können. Ich war schon immer eher jemand, der nicht so viel Geld für Luxus und Marotten ausgegeben hat.
Warum haben Sie dann einen Krämerladen gekauft? Das klingt schon ein bisschen nach Marotte.
Der Laden ist 150 Jahre alt, auf dem Dachboden liegen noch Uniformen aus dem Bürgerkrieg. Er liegt in der Nähe meines Geburtsorts, und ich kannte so ein ähnliches Geschäft aus meiner Kindheit. Ich erinnere mich gern daran, doch heutzutage gibt es solche Läden nur noch selten, mit einer Tankstelle draußen und innen mit allem, was man zum Leben braucht. Als der Laden zum Verkauf stand, kam der ehemalige Geschichtsstudent in mir hoch, der so etwas bewahren möchte.
Wo genau steht Ihr Krämerladen?
In einer Kleinstadt in Massachusetts. Das Ganze ist sicherlich die schlechteste Geldanlage aller Zeiten und wird mir nie Profit einbringen. Aber darum ging’s nicht. Ich möchte, dass der Laden auch weiter das Zentrum des Dorfes bleibt.
Seit „Foxcatcher“ und Ihrer OscarNominierung hat Hollywood realisiert, dass Ihre Bandbreite weit über Komödien hinausgeht. Hat man Sie lange unterschätzt?
Ich habe nie groß drüber nachgedacht. Sonst ginge es mir bei der Arbeit doch nur noch darum, wie die Zuschauer mich sehen. Ich diene lieber der Geschichte und meiner Figur.
Schauspieler hassen doch nichts mehr, als in eine Schublade gesteckt zu werden…
Du hast eh keinen Einfluss darauf, ob Leute dich in eine Schublade stecken. Ich habe mir darüber nie einen Kopf gemacht, selbst wenn man in mir ewig den Beziehungstrottel gesehen hätte. Ich bin in jedem Fall froh, dass mir auch die Charakterrollen angeboten wurden, die mir die Möglichkeit gegeben haben, meine dramatischen Fähigkeiten zu zeigen.
In „Foxcatcher“ spielten Sie einen millionenschweren Psychopathen. Wie haben sich die Rollenangebote seither verändert?
Ich bekam einige Angebote, unglaublich sadistische Serienmörder zu spielen. Furchtbare Typen. Bisher habe ich alles ausgeschlagen. Ich habe einfach noch nicht den richtigen furchtbaren Serienkiller für mich gefunden.
Wenn man mit Ryan Gosling, Brad Pitt und Christian Bale arbeitet, mit wem kommt da besonders viel Spaß beim Dreh auf?
Mit Ryan Gosling. Wir hatten richtig viel Spaß zusammen. Wir sind oft zusammen essen und ein Bierchen trinken gegangen. Wir haben in New Orleans gedreht, dieser Ort ist allein schon eine Garantie dafür, dass man Spaß bei der Arbeit hat. Ryan kann richtig gut improvisieren und ist unheimlich witzig. Manchmal hat er mich ohne Vorwarnung beim Drehen mit einer völlig neuen Idee überrascht. Es ist mir oft schwer gefallen, dann nicht in Lachen auszubrechen, sondern drehbuchgerecht eine genervte Miene zu machen. Ryan ist nicht nur ein großer Schauspieler, sondern auch ein wirklich netter Kerl.
Interview: Mariam Schaghaghi
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