Interview mit Emily Blunt

„Mary Poppins ist eine Superheldin“

Emily Blunt folgt in „Mary Poppins’ Rückkehr“ auf die famose Julie Andrews.

Patrick Heidmann
5 Min
War schon in „Der Teufel trägt Prada“ toll – Emily Blunt.

War schon in „Der Teufel trägt Prada“ toll – Emily Blunt.

© AFP

Dass 2018 für Emily Blunt ein gutes Jahr war, bestätigte kürzlich nicht zuletzt die amerikanische Schauspielergewerkschaft: bei deren renommierten Preisen, den SAG Awards, wurde die Britin nämlich nicht nur einmal, sondern gleich doppelt nominiert. Einmal für den Gruselthriller „A Quiet Place“, in dem sie vor einem halben Jahr unter der Regie und an der Seite ihres Ehemannes John Krasinski zu sehen war, und einmal für „Mary Poppins’ Rückkehr“ (ab 20.12. im Kino), in dem sie nun ganz superkalifragilistigexpialigetisch in die Fußstapfen von Julie Andrews tritt. Wir trafen die 35-Jährige, die mit Krasinski die beiden Töchter Hazel und Violet hat, in ihrer Wahlheimat New York zum Interview.

Ms. Blunt, Ihr neuer Film „Mary Poppins“ Rückkehr“ ist eine Fortsetzung des Klassikers „Mary Poppins“ von 1964. Was macht Ihrer Meinung nach den zeitlosen Erfolg des Originals aus?

Zunächst einmal glaube ich, dass der Film – damals wie heute – einer ist, auf den sich von groß bis klein alle einigen können. Er ist so hoffnungsvoll und unzynisch, dass es wirklich für niemanden einen Grund gibt, sich nicht auf diesen magischen Trip einzulassen. Abgesehen davon ist er natürlich für damalige Verhältnisse ein echtes Spektakel gewesen.

Stellen Sie sich mal vor, wie allein die Zeichentricksequenz in den 60er-Jahren auf das Publikum gewirkt haben muss. Aber natürlich ist auch einfach Mary Poppins selbst eine Figur, die für viele Menschen eine enorme Bedeutung hat. Sie ist gleichzeitig im wahrsten Sinne des Wortes zauberhaft und trotzdem enorm resolut und pragmatisch. Wer würde sich nicht so jemanden wünschen, um dass Leben wieder in Ordnung zu bringen?

Erinnern Sie sich noch daran, wann Sie den Film zum ersten Mal gesehen haben?

Selbstverständlich. Da muss ich sechs oder sieben Jahre alt gewesen sein. Es war einer der ersten Filme überhaupt, die ich als Kind gesehen habe, deswegen hat er sich mir ganz besonders eingebrannt. Ohne Frage eine der nostalgischsten Erinnerungen an meine Kindheit. Und meiner Tochter geht es schon genauso. Sie ist besessen von Julie Andrews!

Wie modern ist denn nun Ihre Mary Poppins im Jahr 2018?

Eigentlich kein bisschen, eher ganz im Gegenteil. Ich habe mich zum Beispiel bewusst mit den 30er-Jahren und der Großen Depression beschäftigt, um mich auf die Rolle vorzubereiten, denn damals schrieb P. L. Travers die „Mary Poppins“-Bücher. Überhaupt waren diese Bücher eine große Inspiration, denn sie ist darin so herrlich exzentrisch, ungehobelt und schrecklich eitel.

Aber warum kommt „Mary Poppins“ Rückkehr“ gerade jetzt zur richtigen Zeit?

Weil wir uns gerade in einer Zeit großer Ungewissheit und Beunruhigung befinden. Ich habe den Eindruck, dass die Leute im Moment geradezu zögern, überhaupt irgendwie hoffnungsvoll zu sein. Mein Mann nennt ihn eine „Bombe der Freude“ – und genau so etwas können wir doch gerade gut gebrauchen, oder nicht?

Würden Sie soweit gehen, den Film als feministisch zu bezeichnen?

Sie meinen, weil da eine Frau hereingeschneit kommt und alle Probleme löst, so wie wir Frauen das ja ganz gut können? Ich bin mir nicht sicher, ob feministisch das richtige Wort ist, um den Film zu beschreiben. Aber Mary Poppins bietet auf jeden Fall genug Interpretationsmöglichkeiten für jeden. Meine persönliche Bezeichnung für sie ist ganz klar: Superheldin!

Bitte nicht zu Hause nachmachen: ein Flug mit Kindermädchen.

Bitte nicht zu Hause nachmachen: ein Flug mit Kindermädchen.

© disney

Der Film war für Sie auch ein Wiedersehen mit Meryl Streep, die in Ihrem ersten Hollywood-Film „Der Teufel trägt Prada“ Ihre Chefin spielte. Was war dieses Mal anders im Vergleich zu damals?

Oh Gott, damals war ich noch fast ein Kind und hatte natürlich einen riesigen Schiss vor ihr. Für die Rolle damals war das natürlich super. Aber heute, 13 Jahre später, sind Meryl und ich zum Glück Freundinnen. „Mary Poppins“ Rückkehr“ ist ja sogar schon unser dritter Film, dazwischen lag noch „Into the Woods“. Und jedes Mal hatten wir vor der Kamera ein recht angespanntes bis konfliktreiches Verhältnis, was immer viel Spaß macht. Ich wüsste gar nicht, wie wir Freundinnen oder Geliebte spielen sollten. Aber privat ist Meryl natürlich eine ganz wunderbare Person. Ich liebe es, mich mit ihr zu unterhalten und vor allem ihr in ihrer ganzen Lebenserfahrung zuzuhören.

Sind Sie eigentlich Weihnachts-Fan?

Oh ja, ich liebe Weihnachten. In meinen Zwanzigern gab es mal eine Phase, da nervte mich das Fest und alles Drumherum total. Doch sobald man Kinder hat, entdeckt man die Magie von Weihnachten noch einmal ganz neu und sieht alles durch ihre Augen. Wir dekorieren immer das ganze Haus und feiern in großer Familienrunde. Nur mit den Geschenken für die Kids versuchen wir immer, uns ein bisschen zurückzuhalten und die Sache nicht zu übertreiben.

Zum Stichwort Kinder schnell noch eine letzte Frage: Würden Sie sich Mary Poppins ins Haus holen, wenn Sie könnten?

Eigentlich habe ich das Gefühl ich hätte das längst getan. Unser irisches Kindermädchen Tina ist jedenfalls kein bisschen weniger fantastisch als Mary Poppins.

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