Josef Fritzl, 2009 im Inzestfall von Amstetten zu lebenslanger Haft verurteilt, soll in Österreich aus dem Maßregelvollzug in ein Gefängnis verlegt werden. Das zuständige Landesgericht in Krems an der Donau bestätigte die Entscheidung am Dienstag. Wie das Gericht mitteilte, kamen die Richterinnen zu dem Schluss, dass von dem inzwischen 89-jährigen Fritzl „keine Gefährlichkeit mehr ausgeht, die eine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum erforderlich macht“.
Das Landesgericht in Krems hatte sich bereits im Januar für die Verlegung ausgesprochen. Im März hob das Oberlandesgericht in Wien die Entscheidung aber auf und forderte mehr Beweise.
Fritzl hat Demenz und baut körperlich ab
Die Richterinnen in Krems stützten ihre Entscheidung nun auf eine nicht-öffentliche Anhörung Fritzls Ende April, ein psychiatrisches Gutachten und aktuelle medizinische Befunde. Aufgrund einer „fortschreitenden demenziellen Erkrankung und einem körperlichen Abbau“ sei die bei Fritzl vorliegende „kombinierte Persönlichkeitsstörung“, welche die Einweisung in den Maßregelvollzug erforderlich gemacht habe, inzwischen stark überlagert, erklärten die Richterinnen. Daher sei nicht mehr mit einer „strafbaren Handlung mit schweren Folgen“ zu rechnen.
Fritzl muss allerdings noch so lange im Maßregelvollzug bleiben, bis die Entscheidung rechtskräftig ist. Seine Anwältin Astrid Wagner rechnet nach eigenen Angaben nicht damit, dass die Staatsanwaltschaft erneut Rechtsmittel einlegt. Sie hält daher eine Verlegung in zwei Wochen für möglich. Nach der Verlegung will sie für Fritzl eine Freilassung auf Bewährung beantragen.
Der heute 89-jährige Fritzl hatte seine Tochter Elisabeth 24 Jahre lang in einem Kellerverlies in der österreichischen Kleinstadt Amstetten gefangen gehalten, regelmäßig missbraucht und sieben Kinder mit ihr gezeugt, von denen eines kurz nach der Geburt starb. Drei der überlebenden Kinder wurden von Fritzl und seiner Frau Rosemarie in ihrem Haus aufgezogen. Die anderen mussten mit ihrer Mutter im Keller leben, ohne je das Tageslicht zu sehen. Erst die Einlieferung der schwer erkrankten ältesten Tochter im April 2008 brachte die Taten ans Licht.
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