Sechs Monate nach Beginn des Iran-Kriegs steckt US-Präsident Donald Trump in einer Zwickmühle – und selbst sein ranghöchster Militärberater sucht offenbar nach einem Ausweg.
Nach Recherchen des US-Senders CNN hat der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, General Dan Caine, im Kreis führender Regierungsberater deutlich gemacht, dass die USA einen Weg aus dem Konflikt mit Teheran benötigen. Der Grund: Reine Luftangriffe reichten nach seiner Einschätzung nicht aus, um Trumps erklärte Kriegsziele zu erreichen.
Trump war ursprünglich mit dem Versprechen angetreten, der Krieg werde nur wenige Wochen dauern.
Was General Caine intern warnt
Laut CNN hat Caine gegenüber anderen Kabinettsmitgliedern die Grenzen der militärischen Optionen betont. Zu seinen Gesprächspartnern zählten demnach CIA-Direktor John Ratcliffe, Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance.
„Caine sucht nach einem Ausweg“, zitiert CNN eine mit dem Vorgang vertraute Person. Öffentlich hatte der General vergangenen Monat vor Abgeordneten gesagt: „Luftmacht hat ihre Grenzen“.
Sein Sprecher Joseph Holstead wollte gegenüber CNN vertrauliche Gespräche des Generals nicht kommentieren. Ein Vertreter des Weißen Hauses lobte Caine als „unglaublichen Gewinn“ für Trumps Sicherheitsteam.
Munition wird knapp – doch Trump widerspricht
Ein zentrales Problem sind schwindende Waffenbestände. Wie Reuters kürzlich berichtete, hat die US-Armee im Iran-Krieg „so gut wie alle“ ihrer ATACMS- und PrSM-Lenkwaffen verbraucht – knapp die Hälfte des weltweiten Tomahawk-Bestands sei ebenfalls aufgebraucht.
Diese Darstellung steht im offenen Widerspruch zur Regierungslinie. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump als Reaktion auf die Berichte, die USA verfügten über „massive Mengen an Munition“. Kritikern drohte er sogar mit Gefängnis.
Auch das Pentagon dementierte. Sprecher Sean Parnell nannte Berichte über erschöpfte Bestände und interne Meinungsverschiedenheiten „gleichermaßen fiktiv“.
Bodentruppen? Das Tabu im Hintergrund
Eine militärische Option bleibt im Hintergrund präsent – und gilt zugleich als kaum realisierbar: der Einsatz von Bodentruppen. Nach Darstellung von CNN sind sich viele Regierungsvertreter und externe Analysten einig, dass der Iran nur durch eine große Bodenoperation entscheidend zu besiegen wäre.
Der Preis dafür wäre jedoch hoch: Ein solcher Einsatz könnte laut CNN Tausende amerikanische Soldaten das Leben kosten. Entsprechende Pläne existieren im Pentagon zwar, weil dort grundsätzlich alle Szenarien durchgespielt werden. Doch derzeit plädiert CNN zufolge niemand in der Regierung für diesen drastischen Schritt.
Auch Trump selbst gilt als ausgesprochener Gegner von Bodentruppen.
Warum die Straße von Hormus über den Ausweg entscheiden könnte
Der mögliche Ausweg hängt an einer strategischen Meerenge. Wie Reuters berichtete, verhandeln der Iran und Oman derzeit über ein Übergangsabkommen, das Teheran eine Kontrolle über die Straße von Hormus einräumen würde, die es vor dem Krieg nie besaß.
Für Trump ist das heikel: Die Wiedereröffnung der Wasserstraße gilt laut Reuters als Voraussetzung für neue Verhandlungen. Zugleich wäre sie das größte Zugeständnis an den Iran seit Kriegsbeginn – ein Zugeständnis, das die USA eigentlich verhindern wollten.
Außenminister Rubio betonte laut Guardian und India Today, die Straße von Hormus müsse „auf die eine oder andere Art“ geöffnet werden. Ein iranisches Gebührensystem für die Durchfahrt sei „inakzeptabel“.
Die Alternative wäre riskant
Die weitere Option – eine neue Welle von Luftangriffen – ist politisch ebenfalls heikel. Vor den US-Zwischenwahlen im November drohten laut Reuters hohe Benzinpreise und niedrige Zustimmungswerte. Zudem warnte der Iran die Golfstaaten laut Reuters, neue US-Schläge würden Vergeltung gegen deren Energieinfrastruktur auslösen.
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