Nach einem Selbstmordanschlag mit zwölf Toten im nordwestpakistanischen Bezirk Bajaur hat Pakistan nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) einen ranghohen afghanischen Diplomaten einbestellt und eine formelle Protestnote überreicht. Bei dem Angriff am Montag kamen elf pakistanische Soldaten sowie ein Mädchen ums Leben. Pakistan macht in Afghanistan ansässige Aufständische für die Tat verantwortlich.
Das pakistanische Außenministerium teilte am Mittwoch mit, der stellvertretende Leiter der afghanischen Mission in Islamabad habe die Protestnote entgegengenommen. In der Erklärung heißt es unmissverständlich: „Pakistan behält sich das Recht vor, auf den Angriff zu reagieren und die Verantwortlichen zu eliminieren, wo immer sie sich befinden mögen, um seine Soldaten, Zivilisten und Grenzen zu schützen.“ Aus Kabul gab es laut der AP zunächst keine Reaktion.
Der Vorfall verschärft die ohnehin angespannte Lage zwischen den beiden Nachbarländern. Bereits zwischen Oktober und Dezember 2024 war es zu tödlichen Grenzgefechten gekommen, bei denen Dutzende Soldaten, Zivilisten und mutmaßliche Kämpfer starben. Auslöser waren Explosionen in Kabul am 9. Oktober, für die Afghanistan Pakistan verantwortlich machte. Ein von Katar vermittelter Waffenstillstand hält zwar seither, doch spätere Gespräche in Istanbul brachten keine dauerhafte Einigung. Der Warenhandel zwischen beiden Ländern kam infolge des Konflikts zum Erliegen, zuletzt untersagte die Taliban-Regierung auch die Einfuhr von Medikamenten und medizinischer Ausrüstung aus Pakistan.
Anschläge durch pakistanische Taliban
Pakistan verzeichnet seit Jahren einen deutlichen Anstieg militanter Anschläge, die überwiegend der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) zugeschrieben werden – einer Organisation, die zwar eigenständig operiert, aber eng mit den afghanischen Taliban verbündet ist. Seit deren Machtübernahme in Kabul 2021 wirft Islamabad der TTP vor, sich frei auf afghanischem Territorium bewegen zu können. Die Taliban-Regierung in Kabul weist diesen Vorwurf zurück.
Für zusätzliche Spannungen sorgte Anfang Februar ein Anschlag auf ein schiitisches Gemeindehaus nahe Islamabad, bei dem 36 Menschen getötet wurden. Der sogenannte Islamische Staat reklamierte die Tat für sich, doch Pakistan machte einen afghanischen Staatsbürger als Drahtzieher verantwortlich – ein weiterer Streitpunkt zwischen den beiden Ländern.
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