Israel

Ariel Scharon liegt im Sterben

Israels früherer Premier Ariel Scharon liegt sein acht Jahren in einer Klinik im Koma. Nun hat sich sein Zustand weiter verschlechtert. Die Ärzte sehen keine Hoffnung mehr für ihn.

Inge Günther
2 Min
Ariel Scharon

Ariel Scharon

© REUTERS/Nir Elias Lizenz

Scharons Allgemeinbefinden habe sich bereits in den vergangenen Wochen verschlechtert, sagte Zeev Rotstein, Direktor des Sheba Medical Center in Tel Aviv, das den Komapatienten die meiste Zeit in den letzten acht Jahren behandelt hat. „Arik“, wie Scharon in Israel oft bei seinem Kurznamen genannt wird, sei, „wie wir wissen, ein kräftiger Mann und hat schwierige Situationen in unserem Hospital überstanden“. Aber unter den Ärzten wie unter den Angehörigen herrsche der Eindruck vor, dass es mit ihm abwärts gehe. Scharon erhalte „jede Behandlung, die für einen Patienten in seinem Zustand angebracht ist“. Man verzichte aber auf eine Dialyse, für die Scharon zu schwach sei. Er bekomme zusätzlich nur Antibiotika, um verschiedene Infektionen zu bekämpfen.

Scharon hatte im Januar 2006, auf der Höhe seiner Macht, eine massive Hirnblutung erlitten, als er sich auf seiner Maulbeerfarm im Negev von einem kleineren Schlaganfall erholen sollte. Nach mehrstündiger Notoperation erlangte er nie mehr das Bewusstsein und befand sich seitdem im Wachkoma. Messbare Hirnströme waren allerdings noch vor einem Jahr festgestellt worden. So soll er Reaktionen auf Fotos seiner Familie und auf Berührungen gezeigt haben.

Unter den Israelis genoss Scharon in seinen beiden Amtszeiten als Premier von 2001 bis 2006 enorme Popularität. Dem ehemaligen General haftete zwar der Makel an, mitverantwortlich zu sein für die Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern von Sabra und Schatila in Beirut 1982. In der Politik aber wandelte er sich später zu einer führungsstarken Vaterfigur. Als während der zweiten Intifada palästinensische Bombenattentate das Land erschütterten, ließ Scharon, auch genannt der „Bulldozer“, den Aufstand mit massivem Militäreinsatz niederschlagen. Seine Machtfülle nutzte er später, um die jüdischen Siedlungen im Gazastreifen räumen zu lassen.

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