Nahostkonflikt

Israel erwägt Ausweitung des Gaza-Kriegs

Israel droht nach schockierenden Geiselvideos mit einer Ausweitung des Gaza-Kriegs. Netanjahu setzt auf militärischen Sieg gegen die Hamas.

Alexander Schmalz Alexander Schmalz / dpa
3 Min
Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu spricht während einer Pressekonferenz.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu spricht während einer Pressekonferenz.

© Ronen Zvulun/Pool Reuters/dpa

Angesichts schockierender Bilder von abgemagerten Geiseln der Hamas zieht die israelische Regierung eine militärische Ausweitung des Gaza-Kriegs in Betracht. Regierungschef Benjamin Netanjahu will die Freilassung der noch in der Gewalt der Hamas befindlichen Entführten notfalls mit militärischem Sieg erzwingen. „Die Hamas will keinen Deal“, erklärte Netanjahu in einer Video-Botschaft und machte deutlich, dass Israel sich nicht durch „Horror-Propaganda“ der Terrororganisation brechen lasse.

Nach israelischen Angaben befinden sich noch rund 50 Geiseln in der Hand der Hamas und anderer Gruppen, von denen mindestens 20 noch am Leben sein sollen. Doch die Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung schwinden. Während die Hamas Videos von ausgemergelten Geiseln verbreitet, wächst innerhalb der israelischen Regierung der Druck, militärische Optionen zur Befreiung der Entführten zu prüfen.

Kampf um die Geiseln: Israels Führung uneins über Kriegsausweitung

Laut israelischen Medien prüft die Führung derzeit, ob die Kämpfe im Gazastreifen nochmals ausgeweitet werden sollen, auch auf die Gefahr hin, dass Geiseln dabei zu Schaden kommen. Innerhalb der Regierung gibt es dazu offenbar unterschiedliche Meinungen. Während einige Minister eine militärische Eskalation befürworten, setzen andere auf weitere Verhandlungen – trotz der geringen Erfolgsaussichten.

Das Forum der Geisel-Familien reagierte mit scharfer Kritik auf Netanjahus Aussagen. „Die Wahrheit ist: Die Ausweitung des Krieges gefährdet das Leben der Geiseln, die ohnehin in unmittelbarer Todesgefahr schweben“, hieß es in einer Erklärung der Gruppe, die die Angehörigen von rund 50 Geiseln vertritt.

Gleichzeitig zeigte sich die Hamas bereit, das Rote Kreuz unter Bedingungen zu den Geiseln zu lassen. Israel müsse jedoch eine umfassende Versorgung der palästinensischen Bevölkerung sicherstellen und sämtliche Luftaufklärung einstellen, so ein Sprecher der Al-Kassam-Brigaden. Netanjahu hatte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zuvor gebeten, sich für eine sofortige Versorgung der Geiseln mit Lebensmitteln und Medikamenten einzusetzen.

Trump fordert Komplettlösung: Alle Geiseln frei – Krieg beenden

US-Präsident Donald Trump verfolgt derweil einen anderen Ansatz. Laut israelischen und US-Medienberichten drängt Washington auf einen umfassenden Deal, der eine gleichzeitige Freilassung aller Geiseln und ein Ende des Gaza-Kriegs bringen soll. „Keine stückweisen Deals. Das funktioniert nicht“, zitierte die Nachrichtenseite Axios den US-Sondergesandten Steve Witkoff.

Ob Israel diesen Weg mitgeht, ist unklar. Eine endgültige Entscheidung über das weitere Vorgehen will die israelische Führung in den kommenden Tagen treffen.

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