Die israelische NGO „Breaking the Silence“ klärt über Menschenrechtsverletzungen im Westjordanland und im Gazastreifen auf. Dafür sammelt sie Berichte von israelischen Soldaten aus den besetzten Gebieten. Ihr Sprecher Joel Carmel hat selbst in der israelischen Armee gedient. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung berichtet er über Aussagen aktiver Soldaten, die sich seit Beginn des Gazakriegs an die Organisation wenden. Sie sprechen von dem völligen Fehlen klarer Einsatzregeln, von gezielten Tötungen und Misshandlungen palästinensischer Gefangener, etwa im Militärgefängnis Sde Teiman.
Carmel äußert sich auch zu den politischen Hintergründen des Krieges: Er kritisiert eine Strategie, die auf militärische Eskalation statt auf Verhandlungen setzt, spricht über die Rolle von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und weist auf die Tatsache hin, dass es in Israel kaum unabhängige Untersuchungen möglicher Kriegsverbrechen gibt. Trotz zunehmenden Drucks setzt sich Carmel weiterhin dafür ein, Kriegsverbrechen aufzuklären und die Gewalt in den Palästinensergebieten zu beenden.
Nahostkonflikt
Israelischer Ex-Soldat im Interview: „Palästinenser wurden geschlagen, verletzt, stundenlang gedemütigt“
Joel Carmel war Soldat in der israelischen Armee. Heute spricht er über Kriegsverbrechen in Gaza – und übt scharfe Kritik an der Politik von Ministerpräsident Netanjahu. Ein Interview.
Raphael Schmeller
Interview: Raphael Schmeller
10 Min
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Laut internationalen Experten droht in Gaza „das schlimmste Szenario einer Hungersnot“.
© Ali Jadallah/imago