Israel hat nach eigenen Angaben den neuen Chef des militärischen Hamas-Arms, Mohammed Odeh, bei einem Luftangriff in Gaza-Stadt getötet. Der Angriff traf ein Wohngebäude in einem dicht besuchten Marktviertel – nur elf Tage nachdem bereits sein Vorgänger bei einer ähnlichen Attacke getötet worden war.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, Israel werde „jeden erreichen“, der am Hamas-Angriff vom 7. Oktober beteiligt gewesen sei. Hamas äußerte sich zunächst nicht offiziell zu Odehs Tod.
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Israelische Armee bombardierte mehrere Verstecke
Der neue Chef des militärischen Hamas-Flügels soll nach israelischen Angaben am Dienstagabend bei einem gezielten Luftangriff in Gaza-Stadt getötet worden sein. Die israelische Armee und der Inlandsgeheimdienst Shin Bet erklärten am Mittwoch, Mohammed Odeh sei über Monate hinweg überwacht worden. Mehrere Gebäude, die ihm als Verstecke gedient hätten, seien gleichzeitig bombardiert worden.
Nach Angaben der israelischen Streitkräfte war Odeh zuletzt zum Nachfolger von Izz ad-Din al-Haddad ernannt worden, der erst am 15. Mai bei einem ähnlichen Angriff ums Leben gekommen war. Israels Verteidigungsminister Israel Katz sprach auf X von der „Eliminierung des vierten Kommandeurs“ des militärischen Hamas-Arms seit Beginn des Krieges.
Angriff traf belebtes Marktviertel
Laut BBC schlugen mehrere Raketen nahezu zeitgleich in das al-Kayali-Gebäude im Zentrum von Gaza-Stadt ein. Das Haus liegt im Viertel Rimal, einem der belebtesten Marktgebiete der Stadt. Augenzeugen berichteten von dichtem Gedränge auf den Straßen, weil viele Menschen vor dem muslimischen Opferfest Eid al-Adha einkaufen gewesen seien.
Die von der Hamas kontrollierte Zivilschutzbehörde sprach laut Times of Israel zunächst von mindestens drei Toten und mehr als 20 Verletzten. Rettungskräfte hätten wegen der schweren Schäden und der überfüllten Straßen nur schwer Zugang zu den oberen Stockwerken des Gebäudes bekommen.
Videoaufnahmen vom Ort zeigten zerstörte Fassaden, Rauchwolken und Rettungskräfte, die in den Trümmern nach Verschütteten suchten. Ein Bewohner berichtete laut BBC, kurz vor dem Angriff sei ein Hubschrauber über dem Gebiet zu hören gewesen.
Israel: Odeh war an Planung des 7. Oktober beteiligt
Netanjahu und Katz bezeichneten Odeh als „einen der Architekten des Massakers vom 7. Oktober“. Er sei verantwortlich für die „Tötung, Entführung und Verwundung vieler israelischer Bürger und Soldaten“.
Nach Angaben der israelischen Armee leitete Odeh während des Hamas-Angriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 die militärische Aufklärung der Kassam-Brigaden. Zudem habe er während des Gaza-Krieges Angriffe und Geheimdienstoperationen gegen israelische Truppen koordiniert.
Die Jerusalem Post berichtete unter Berufung auf israelische Sicherheitskreise, Odeh habe bereits seit der ersten Intifada Ende der 1980er Jahre für Hamas gearbeitet und mehrfach israelische Tötungsversuche überlebt. Zuletzt soll er als einer der letzten noch lebenden hochrangigen Hamas-Kommandeure gegolten haben, die direkt an der Planung des 7. Oktober beteiligt gewesen seien.
Die Times of Israel berichtete zudem unter Berufung auf Hamas-nahe Medien, Odeh sei gemeinsam mit seiner Frau und seinen Söhnen getötet worden. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.
Waffenruhe in Gaza zunehmend ausgehöhlt
Der Angriff erfolgte trotz der seit Oktober geltenden Waffenruhe zwischen Israel und Hamas. Israel setzt seine Luftangriffe in Gaza allerdings weiterhin fort und begründet dies mit gezielten Operationen gegen Hamas-Mitglieder und Beteiligte des 7. Oktober.
Hamas wirft Israel dagegen regelmäßig Verstöße gegen die Feuerpause und Angriffe auf Zivilisten vor. Nach Angaben des von Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden seit Beginn der Waffenruhe mehr als 900 Menschen bei israelischen Angriffen getötet. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
Die Gespräche über die nächste Phase des von den USA unterstützten Gaza-Abkommens stecken weiterhin fest. Streitpunkt bleibt vor allem die Entwaffnung der Hamas. Israel fordert eine weitgehende Demilitarisierung der Organisation, während Hamas einen schrittweisen Waffenverzicht bislang an Bedingungen knüpft.
Nach israelischen Angaben wurden beim Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 rund 1200 Menschen getötet und 251 Geiseln verschleppt. Seit Beginn des Gaza-Krieges wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 72.800 Menschen getötet. Die Vereinten Nationen halten die Grundtendenz der Opferzahlen grundsätzlich für plausibel, weisen aber darauf hin, dass sie nicht unabhängig überprüft werden können.
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