Israels Nationaler Sicherheitsrat hat seine Bürger aufgefordert, das Basketballspiel von Maccabi Tel Aviv im italienischen Bologna nicht zu besuchen. Nach Einschätzung der Behörden könnte es nach den Angriffen auf israelische Fans in Amsterdam erneut zu Gewalt kommen.
The Times of Israel berichtet, dass nach Angaben des Sicherheitsrates Aufrufe im Internet anhalten, Israelis und Juden zu schaden. Es bestehe die Gefahr von Nachahmungsangriffen beim heutigen Spiel in Bologna, hieß es. Es werde dringlichst davon abgeraten, das Spiel zu besuchen. Israelis, die doch in der Stadt sind, sollen den Angaben zufolge möglichst keine jüdischen Symbole tragen.
Israelische Fans: „Wir fürchteten um unser Leben“
Israelische Fußballfans schilderten den einheimischen Medien die Schrecken der Angriffe. Bei den vermummten Angreifern habe es sich überwiegend um Araber und Muslime gehandelt, berichteten einige der Opfer. „Sie kamen in Massen und griffen uns alle an“, zitierte The Times of Israel einen Augenzeugen. Bewaffnet mit Knüppeln und Messern hätten sie jeden zusammengeschlagen, den sie für einen Israeli hielten. „Wir fürchteten um unser Leben“, sagte ein Mann.
Die Polizei habe nicht immer sofort reagiert und sogar Taxifahrer hätten sich an den Ausschreitungen beteiligt, sagte ein anderes Opfer. „Ich riet meinen Freunden, alles abzunehmen, was uns identifizieren könnte und so unerkannt zu entkommen“, erzählte ein junger Mann dem israelischen TV-Sender Kan. Ein anderer sagte, er habe sich als Grieche ausgegeben. Israelis seien schutzsuchend in Geschäfte und sogar in Privathäuser geflüchtet. „Wenn es '38 Internet gegeben hätte, dann hätte die Kristallnacht so ausgesehen“, sagte ein anderer der Zeitung Haaretz. Damit meinte er die Nazi-Pogrome in Deutschland gegen Jüdinnen und Juden vom 9. November 1938.
Polizei in Amsterdam: Auch israelische Fans randalierten
Dem Amsterdamer Polizeichef Peter Holla zufolge hatte es „Vorfälle auf beiden Seiten“ gegeben. Demnach rissen Maccabi-Fans eine Flagge nieder und zerstörten ein Taxi. Zudem sei eine palästinensische Flagge auf einer zentralen Straße verbrannt worden. Ebenfalls im Vorfeld des Fußballspiels war eine pro-palästinensische Kundgebung gegen den israelischen Fußballclub in eine Gegend weiter entfernt vom Stadion verlegt worden.
In weiteren, nicht verifizierten Videos, die in Onlinemedien zirkulierten, waren mutmaßliche Maccabi-Anhänger zu sehen, die auf Hebräisch „Nieder mit den Arabern! Wir werden gewinnen“ sangen.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wies den Geheimdienst Mossad an, einen Plan gegen Gewalt bei Sportveranstaltungen auszuarbeiten. In einem Telefonat mit seinem niederländischen Amtskollegen sprach Netanjahu von einem „vorsätzlichen antisemitischen Angriff“.
Fußball und Antisemismus: Wohl erneut Angriffe gegen Spieler und Fans von TuS Makkabi Berlin
„Feldzug gegen Juden“: Israel schickt Außenminister nach Amsterdam – Fußballfans ausgeflogen
Israels Außenminister reist nach Amsterdam
Der neue israelische Außenminister, Gideon Saar, kündigte nach den Vorfällen an, er werde zu einem spontanen Besuch in die Niederlande reisen. In einem Beitrag auf der Onlineplattform X schrieb er: „Ein blutrünstiger propalästinensischer Mob“ habe in der vergangenen Nacht „in der ganzen Stadt einen barbarischen Feldzug gegen Juden und Israelis geführt“. Er hob zudem die zeitliche Nähe zum Jahrestag der Pogromnacht hervor.
Die antisemitischen Ausschreitungen, bei denen es rund 30 Verletzte und 60 Festnahmen gab, wurden international scharf verurteilt. Der niederländische Ministerpräsident Dick Schoof sagte in Budapest, er sei „zutiefst beschämt“ über die „furchtbare antisemitische Attacke“. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nannte die Gewalt gegen israelische Fans in Amsterdam „unerträglich“. Israel schickte Flugzeuge in die Niederlande, um seine Fans sicher nach Hause zu holen. (mit dpa und AFP)
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