Menschlichkeit

Israelischer Musiker übersteht Geiselhaft der Hamas mit der Kraft der Musik

Alon Ohel erzählt in der israelischen Botschaft, wie er den Hamas-Terror überlebte. Er und seine Mutter sprechen trotz allem von Versöhnung und Frieden.

4 Min
Alon Ohel und Amy Gutmann in der israelischen Botschaft

Alon Ohel und Amy Gutmann in der israelischen Botschaft

© NICOLAI FROUNDJIAN

Der Botschafter Israels, Ron Prosor, und der World Jewish Congress (WJC) luden in dieser Woche zu einer Begegnung mit der Familie von Alon Ohel ein. Der Musiker Alon Ohel war am 7. Oktober 2023 von der Hamas als Geisel verschleppt worden.

Nach 738 Tagen unter unmenschlichen Bedingungen kam er schließlich frei. Nun verbrachte die Familie Ohel auf Einladung des WJC einige Tage in Berlin. Die Mutter des Musikers, Idit Ohel, und Botschafter Prosor dankten Bella Zchwiraschwili, Direktorin beim WJC, für ihren menschlichen Beistand über die lange Zeit und ihre unablässigen Bemühungen zur Freilassung der Geiseln.

Prosor sagte, der Zusammenhalt der Israelis und die weltweite Unterstützung hätten die Gesellschaft in Israel in die Lage versetzt, sich gemeinsam beharrlich für die Freilassung der Geiseln einzusetzen.

Zu der Begegnung waren unter anderem die Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Cornelia Seibeld, der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Chabad, Yehuda Teichtal, der Geschäftsträger der US-Botschaft, Alan Meltzer, sowie die langjährige amerikanische Botschafterin in Berlin, Amy Gutmann, erschienen.

Alon Ohel musizierte gemeinsam mit seinem Bruder und sprach über die lebensrettende Bedeutung von Musik in einer existenziellen Krisensituation. Die Begegnung wurde von der Berliner Sparkasse unterstützt. Kai-Uwe Peter, Geschäftsführer des Berliner Sparkassenverbandes, ist seit vielen Jahren in der Erinnerung an das Hamas-Massaker aktiv.

Bella Zchwiraschwili sagte der Berliner Zeitung: „Jedes Mal, wenn Idit, Alons Mama, und ich uns in den zwei Jahren von Alons Geiselhaft in Berlin verabschiedeten, sagten wir: Das nächste Mal mit Alon in Berlin!“ Nun sei dieser emotionale Moment gekommen: „Alon und seine Familie empfanden den Empfang in Berlin als außergewöhnlich warmherzig.“

Alon Ohel sagte der Berliner Zeitung: „Der Halt, den mir meine Familie gegeben hat, war für mich entscheidend. Ich wusste, dass meine Familie draußen für mich kämpft. Und daher habe ich mir gesagt, ich werde nicht aufgeben.“ Obwohl er keinen Kontakt zur Außenwelt hatte, habe er den Kontakt mit seiner Familie gespürt, insbesondere mit seiner Mutter: „Es war eine spirituelle, überirdische Beziehung“, sagt Ohel.

Seine Entführer zeigten ihm einmal ein Video von einer Demonstration in Tel Aviv für die Befreiung der Geiseln. „Da wusste ich, dass das ganze israelische Volk für uns kämpft. Da war mir klar, ich darf nicht aufgeben.“ Acht Monate war er völlig isoliert, musste in einer Nische eines Tunnels ausharren, Ketten an den Füßen. Er erlebte psychische und physische Gewalt. Die Musik habe ihn am Leben erhalten: „Ich habe mir meine eigene Welt gebaut, eine imaginäre Welt. Natürlich ist es schwer, sich Musik nur vorstellen zu können, nicht selbst Klavier zu spielen.“ Doch die Musik hat ihm auch die Rückkehr in die reale Welt erleichtert. „Wir haben Alon ein Klavier ins Krankenhaus gestellt, als er befreit war“, sagt seine Mutter. „Er hat sofort zu spielen begonnen.“

Alon Ohels Botschaft an die Welt: „Tue Gutes, versucht, gute Menschen zu sein. Wendet keine Gewalt an.“ Idit Ohel ergänzt: „Frieden ist das Wichtigste. Es gibt für jeden Menschen einen Platz auf dieser Welt. Wir müssen einen Weg finden, wie wir miteinander reden können.“

Auch der Besuch von Amy Gutmann in Deutschland stand im Zeichen von Dialog und Verständigung. Die Diplomatin und Politikwissenschaftlerin Amy Gutmann hatte zuvor den diesjährigen Dr.-Leopold-Lucas-Preis überreicht bekommen. Der Preis der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen würdigte Gutmanns Einsatz für die pluralistische Demokratie und den internationalen Dialog.

Gutmanns Rede in Tübingen trug den Titel „Die Demokratie in Gefahr: Ein Plädoyer für die Zivilcourage“. Im Zentrum von Gutmanns wissenschaftlicher Arbeit stehe laut der Tübinger Universität die Frage, wie Demokratien stark und lebendig bleiben können. Sie betone „die Bedeutung eines offenen und respektvollen Dialogs über soziale, religiöse und kulturelle Grenzen hinweg“. Dabei werbe „sie für Verständnis, Kompromissbereitschaft und die Berücksichtigung von Minderheiten im politischen Prozess“.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema