Nahostkonflikt

Israels Armeechef warnt vor Militärherrschaft in Gaza

Generalstabschef Ejal Zamir warnt die Regierung, dass die Einnahme von Gaza-Stadt unausweichlich zu einer Militärverwaltung führen werde. Er sieht schwere Risiken für Geiseln und Soldaten.

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Israels Armeechef Eyal Zamir bei einem Treffen mit hochrangigen Sicherheitsbeamten.

Israels Armeechef Eyal Zamir bei einem Treffen mit hochrangigen Sicherheitsbeamten.

© Xinhua/imago

Israels Generalstabschef Ejal Zamir hat einem Medienbericht zufolge eindringlich vor den Folgen einer Einnahme von Gaza-Stadt gewarnt. Laut dem Nachrichtenportal ynet sagte er in einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in der Nacht auf Montag: „Ihr steuert auf eine Militärverwaltung zu, euer Plan führt uns dorthin. Versteht die Bedeutung.“ Hintergrund sei, dass die politische Führung bislang keine Alternative für die Zeit nach dem Krieg vorbereitet habe.

Zamir soll nach Angaben israelischer Medien außerdem betont haben, dass eine vollständige Einnahme des Gazastreifens gewaltige logistische Herausforderungen mit sich bringe. Laut dem TV-Sender KAN geht Zamir davon aus, dass dafür bis zu 200.000 Reservisten nötig wären, da keinerlei zivile Infrastruktur vorhanden sei. Israel müsste demnach selbst Krankenhäuser betreiben und humanitäre Hilfe verteilen.

Israels Armeechef Zamir spricht sich für Einkesselung von Gaza-Stadt aus

Schon zuvor hatte der Generalstabschef davor gewarnt, eine Eroberung von Gaza-Stadt könne das Leben der noch verbliebenen Geiseln gefährden. Nach israelischen Angaben befinden sich derzeit 48 Menschen in der Gewalt der Hamas, 20 von ihnen sollen noch am Leben sein. Zamir soll sich daher für eine alternative Strategie ausgesprochen haben: eine Einkesselung von Gaza-Stadt, um die militärische Kontrolle zu sichern, ohne eine vollständige Besetzung zu riskieren.

Nach dem Sechstagekrieg 1967 hatte Israel den Gazastreifen bereits unter Militärverwaltung gestellt. Erst im Zuge der Friedensverträge übergab es die zivile Verwaltung an die Palästinensische Autonomiebehörde, behielt aber die Kontrolle über die Grenzen. Mit dem Abzug der israelischen Armee 2005 endete die Militärpräsenz, bis die islamistische Hamas zwei Jahre später die Macht im Gazastreifen übernahm. Eine Rückkehr zu einer Militärverwaltung würde Beobachtern zufolge als politischer Rückschritt gelten und die Chancen auf eine Zweistaatenlösung zusätzlich belasten.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnte laut ynet eine Abstimmung im Kabinett über einen möglichen Geisel-Deal ab und erklärte, das Thema stehe „nicht auf der Tagesordnung“. Die Hamas hatte Mitte August erklärt, sie habe einem neuen Vorschlag für eine Waffenruhe zugestimmt. Eine offizielle Antwort aus Jerusalem liegt bislang nicht vor. (mit dpa)

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