Krieg in Nahost

Israels Botschafter kündigt Reaktion gegen militärische Einrichtungen im Iran an

Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, machte deutlich, dass sein Land auf jeden Fall auf den Angriff des Iran reagieren wird. Zivile Ziele sollen nicht angegriffen werden.

Team News Alexander Schmalz AFP/BLZ
4 Min
Ron Prosor, Botschafter Israels in Deutschland

Ron Prosor, Botschafter Israels in Deutschland

© Fabian Sommer/dpa

Nach dem ersten direkten iranischen Angriff auf Israel hat der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, eine Reaktion gegen militärische Einrichtungen im Iran angekündigt. „Von unserer Seite ist es klar, dass wir reagieren werden“, sagte Prosor dem TV-Sender Welt am Dienstag.

Zivile Ziele werde Israel nicht angreifen, obwohl die Angriffe Teherans sehr wohl auch zivilen Zielen gegolten hätten, sagte er. Die israelische Antwort werde sich nur „gegen diese militärischen Einrichtungen von den Mullahs und den Ajatollahs“ richten, betonte der Botschafter. Wann, wo und wie die Reaktion stattfinde, werde das Kriegskabinett entscheiden.

Die israelische Reaktion als „Vergeltungsschlag“ zu bezeichnen, lehnte Prosor ab. „Israel hat die Pflicht und das Recht, sich selbst zu verteidigen“, erklärte er. Es müsse klar sein, dass diejenigen, die Israel angreifen, „auch den Preis dafür bezahlen“.

Botschafter: Iran ist auch eine Gefahr für Jordanien und Saudi-Arabien

Der Iran sei nicht nur eine Gefahr für Israel, sondern auch für Jordanien, Saudi-Arabien und andere arabische Staaten, sagte Prosor weiter. Eine Reaktion Israels sei deshalb für die gesamte Region wichtig. Es gebe „ein Verständnis bei den pragmatischen sunnitischen Staaten, dass Iran eigentlich ein Terrorregime ist“. Im Hintergrund stünden zwei Lager: Europa und die USA an der Seite Israels - und der Iran mit Russland und China auf der anderen.

Mit Blick auf die jüngste Kritik der USA am Vorgehen Israels im Gazastreifen sagte Prosor, dass „es Meinungsverschiedenheiten unter Freunden“ geben könne. Aber es sei ganz klar, dass die USA und Präsident Joe Biden „klare Kante gegenüber Iran gezeigt haben.“

Den für Mittwoch geplanten Israel-Besuch von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) begrüßte Prosor grundsätzlich, forderte jedoch gleichzeitig ein härteres Vorgehen. „Frau Baerbock und Europa“ sollten Sanktionen gegen die iranischen Revolutionsgarden verhängen. Baerbock kündigte im Vorfeld ihrer Reise an: „Wir werden darüber sprechen, wie eine weitere Eskalation mit Zug um Zug mehr Gewalt verhindert werden kann“.

Internationale Gemeinschaft ruft Israel zu Deeskalation auf

Israels Armeechefs Herzi Halevi hatte am Montagabend gesagt, man werde auf den beispiellosen Großangriff des Iran definitiv reagieren. „Der Abschuss so vieler (iranischer) Raketen, Marschflugkörper und Drohnen auf das Territorium des Staates Israel wird eine Antwort zur Folge haben“, sagte Halevi bei einem Besuch auf der Militärbasis Nevatim im Süden Israels. Die internationale Gemeinschaft hatte Israel kurz zuvor zur „Deeskalation“ aufgerufen, darunter die USA, Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte am Montag an Israel appelliert, „selbst zur Deeskalation“ der Lage im Nahen Osten beizutragen. Großbritannien und Frankreich riefen Israel auf, eine „Eskalation“ zu vermeiden. US-Präsident Joe Biden sagte bei einem Treffen mit dem irakischen Regierungschef Mohamed Schia al-Sudani im Weißen Haus, er wolle sich „für eine Waffenruhe einsetzen, die die Geiseln nach Hause bringt und verhindert, dass sich der Nahost-Konflikt noch stärker ausbreitet als es schon der Fall ist“. Zuvor hatten die USA bereits deutlich gemacht, dass sie Israel bei einem möglichen Gegenschlag gegen den Iran nicht unterstützen würden.

Auch der britische Außenminister David Cameron rief Israel auf, eine „Eskalation zu vermeiden“. Israel solle sich vielmehr auf eine Feuerpause mit der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen und die Befreiung der verschleppten israelischen Geiseln konzentrieren, sagte Cameron.

Israels erste offizielle Äußerung zum Angriff in Damaskus

Der Iran hatte in der Nacht zum Sonntag erstmals von seinem Staatsgebiet aus Israel direkt angegriffen. Nach israelischen Angaben wurden fast alle der mehr als 300 vom Iran abgefeuerten Drohnen und Raketen abgewehrt.

Teheran hatte die Drohnen- und Raketenangriffe als Vergeltung für den Angriff auf ein iranisches Konsulatsgebäude in Damaskus bezeichnet, bei dem am 1. April unter anderem zwei Generäle der iranischen Revolutionsgarden getötet worden waren. Der Angriff wird Israel zugeschrieben, eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

Die Toten des Angriffs in Syriens Hauptstadt sind nach Angaben der israelischen Armee am „Terrorismus gegen Israel“ beteiligt gewesen. „Nach meinem Wissen waren diejenigen, die in Damaskus getötet wurden, Mitglieder der Kuds-Brigaden“, sagte Israels Armeechef. „Das waren Leute, die sich am Terrorismus gegen den Staat Israel beteiligt haben“, fügte er hinzu. Es war die erste offizielle Äußerung zum Angriff in Damaskus. Nach Angaben von Hagari befanden sich unter „diesen Terroristen Hisbollah-Mitglieder und iranische Helfer“. 

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