„Seychellen-Feeling“ im Mittelmeer biete die Insel Budelli, versprach im Internet-Inserat die Hamburger Vladi Private Islands GmbH, spezialisiert auf den Verkauf von Privatinseln weltweit. Es wurde nicht verschwiegen wurde, dass die 1,6 Quadratkilometer große Insel in einem Nationalpark mit strengen Naturschutz-Auflagen liegt. Außer Wildkaninchen lebt nur ein einziger Mensch auf Budelli: der Wächter. Touristen dürfen nur in Begleitung von Nationalpark-Mitarbeitern landen.
Allzu viele Interessenten fanden sich nicht. Budelli wurde Anfang Oktober gerichtlich versteigert, ein neuseeländischer Banker erhielt den Zuschlag, für 2,9 Millionen Euro. Michael Harte von der Australischen Commonwealth Bank hat einen Ruf als Naturschützer und will das Ökosystem bewahren. Es hätte schlimmer kommen können.
Doch der Verkauf ist zum Politikum geworden, über das auch in Australien und Neuseeland berichtet wird. Denn italienische Umweltschützer drängen den Staat, ein Vorkaufsrecht zu nutzen, das noch bis 8. Januar 2014 gilt. Ex-Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio stellte sich an die Spitze der Bewegung und sammelte in online 85 000 Unterschriften. Es gehe um die Frage, ob Naturschutz Privatsache sein könne, argumentieren die Retter Budellis. Die Insel sei ein Symbol Italiens und müsse den Bürgern zurückgegeben werden.
Nun war Budelli aber immer privat. Erst gehörte es einer sardischen Familie, dann einem Mailänder Unternehmen. Zudem verbietet es das Haushaltsrecht dem Staat, Immobilien zu erwerben, weil er hoch verschuldet ist. Italien sucht verzweifelt nach Einnahmequellen. Staatliche Unternehmensanteile, Schlösser und Kasernen sollen verkauft werden. Zwar wird nicht wie in Griechenland über die Privatisierung von Inseln diskutiert, wohl aber über die Privatisierung der Strände.
Die kleine linke Partei SEL hat dennoch eine Ausnahme beantragt, um Budelli zu verstaatlichen. Nun hat das Parlament zugestimmt. 2,9 Millionen Euro sollen abgezweigt werden, um dem Banker das Eiland zu entreißen. Der Preis sei lächerlich, hatten die Retter Budellis erklärt. So viel müsse man für eine Eigentumswohnung im Zentrum Roms hinblättern.
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