Neulich war ich zum Essen verabredet. Zum Abendessen, um genau zu sein. Es war warm und ich hatte es eilig, ich war spät von der Arbeit gekommen und hatte mich die ganze Woche auf den Freitagabend gefreut. Ich machte mich frisch, zog mich um und raffelte mein Zeug zusammen, wie man so schön sagt. Da ich nicht wusste, wie der Abend verlaufen würde, nahm ich eine Jacke mit. Trotz T-Shirt-Wetter, denn irgendwo musste ich all das verstauen, was man eben so mitnimmt: Schlüssel, Portemonnaie, Kleingeld, Kreditkarten und natürlich das Handy.
Sie kennen das: Man will ja abends nicht mit dem Rucksack in ein Restaurant stiefeln wie ein abgeranzter Backpacker oder sich eine Bauchtasche umhängen, das sieht einfach zu sehr nach Ferien aus, Pizzeria am Strand und so. Ich stopfte also alles in meine Jacke und ging aus dem Haus. Draußen dann die Erkenntnis, dass es natürlich viel zu warm war, um die Jacke auch noch anzuziehen. Also faltete ich sie geschickt so, dass nichts herausfallen konnte und spannte sie unter meinen Gepäckträger. Eine dämliche Idee, ich weiß. Die ich auch sehr bald bereuen würde.
Kennen Sie den Begriff Schlüsselhitze? Jacken-Lava trifft es besser
Ich radelte durch Kreuzberg und stieg vor dem Restaurant ab. Wissen Sie, was man unter dem Begriff Schlüsselhitze versteht? Das ist dieses heiß aufsteigende Gefühl, wenn man plötzlich bemerkt, dass man seine Schlüssel verloren hat. Ich drehte mich um und der Gepäckträger war leer. Meine Jacke weg. Sicher, jeder hat schon mal einen Schlüssel verloren, oder seine Kreditkarte. Doch ich hatte in dieser Sekunde alles verloren: alle Kontakte, jedweden Zugang zu meinem Geld und auch die Möglichkeit, mich überhaupt bei einer Bank als Kontobesitzer auszuweisen.
Zudem meinen Haus- und Wohnungsschlüssel und dazu einen Schlüsselanhänger, an dem ich sehr hänge. Sprich: Schlüsselhitze war ein Klacks dagegen. Ich hatte eher Jacken-Lava und raste wie angestochen den Weg zurück, auf dem ich gekommen war.
Plötzlich Bettler: Was geschah, als meine Bank meine Geldkarte gesperrt hat
An einer Kreuzung standen ein paar Jungs, Baseballcap, Bauchtasche, Roller. Meine Jacke hatten sie nicht gesehen: „Ne, Mann, Alter“, antworteten sie gelangweilt und cool, aber nett auf meine aufgeregte Frage nach dem Kleidungsstück. Ich fuhr weiter und bog auf den Marheinekeplatz, Angstschweiß tropfte mir vom Gesicht. Ich bremste. Da hing meine Jacke über einem Poller. Ich lief hin, mein Herz klopfte – und in allen Taschen steckte mein Hab und Gut: mein Telefon, mein Portemonnaie, Karten und Geld inklusive, meine Schlüssel. Ich war selten so erleichtert. An diesem Abend jedenfalls war mein Glaube an meine Mitmenschen für ein paar Minuten wieder im grünen Bereich.
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