In einem SOS-Kinderdorf im kärntnerischen Moosburg soll es nach Recherchen der Wochenzeitung Falter über Jahre hinweg zu schweren Misshandlungen von Kindern gekommen sein. Betreuer hätten Minderjährige geschlagen, mit Essens- und Wasserentzug bestraft, nackt fotografiert und in Zimmern eingesperrt. Das berichtete die Zeitung am Mittwoch unter Berufung auf eine interne Untersuchung, die bereits 2020 abgeschlossen, aber nie veröffentlicht worden sei.
Die dokumentierten Fälle beziehen sich demnach auf den Zeitraum von 2008 bis 2020. Besonders gravierend sind die Vorwürfe gegen zwei Mitarbeiter: Ein Pädagoge soll Nacktfotos von Kindern auf seinem privaten Laptop gehabt haben, eine Betreuerin ein Mädchen drei Jahre lang jede Nacht eingeschlossen haben. Sie habe die Kinder zudem beim Duschen beobachtet, um „heimliches Saufen zu verhindern“.
Organisation verweist auf Aufarbeitung und Entschädigungen
SOS-Kinderdorf wies den Vorwurf zurück, die Missstände vertuscht zu haben. Nach Bekanntwerden der Vorgänge im Jahr 2020 habe man sich von Führungskräften getrennt und externe Experten mit der Aufarbeitung beauftragt, hieß es in einer Stellungnahme. Mehrere Betroffene hätten Opferschutzverfahren durchlaufen und Entschädigungszahlungen sowie Therapien zugesprochen bekommen.
Nach der Veröffentlichung des Falter-Berichts kündigte die Dachorganisation eine „externe Evaluierung der bisherigen Aufarbeitungsprozesse“ an. Alle Betroffenen könnten sich an unabhängige Ombudsstellen wenden.
Auch die Politik reagierte. Die Grünen in Kärnten forderten eine umfassende Aufklärung und warfen der Landesregierung vor, bei der Kontrolle der Einrichtung versagt zu haben.
SOS-Kinderdorf wurde 1949 in Österreich gegründet und ist heute in 137 Ländern aktiv. Weltweit werden nach eigenen Angaben rund 45.000 Kinder und Jugendliche betreut.
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