Japan

„Warte hier acht Stunden“: Vater lässt siebenjährigen Sohn am Berg Fuji zurück

Berghütten-Mitarbeiter fanden den Jungen am Wegesrand auf einer Bank sitzend. Ausgestattet war das Kind mit Snacks und Limonade – und der Anweisung „acht Stunden zu warten“.

4 Min
Der Fuji ist mit 3776 Metern der höchste Berg Japans.

Der Fuji ist mit 3776 Metern der höchste Berg Japans.

© imago

Ein Vater hat seinen siebenjährigen Sohn bei einer Wanderung am japanischen Berg Fuji stundenlang allein zurückgelassen. Wie aus japanischen Medienberichten hervorgeht, wurde der Junge auf einer Bank an der sechsten Station des Berges gefunden, während der Vater mit dem älteren Bruder weiter nach oben stieg.

Nach Angaben der Zeitung Asahi und des Fernsehsenders SBS sollte das Kind dort nach eigener Aussage acht Stunden warten – mit ein paar Snacks und einem Getränk, aber ohne Geld. Mitarbeiter einer Berghütte bemerkten den Jungen und riefen die Polizei. Die Beamten nahmen den Siebenjährigen schließlich in ihre Obhut.

Der Vorfall ereignete sich den Berichten zufolge bereits am Donnerstag, auf der Shizuoka-Seite des höchsten Bergs Japans.

„Warte hier acht Stunden“ – so kam es zu der Trennung

Die Familie stammt den japanischen Medienberichten zufolge aus Nagoya. Nach Polizeiangaben war der Vater am Morgen gegen 7 Uhr gemeinsam mit dem Siebenjährigen und dem älteren Bruder, einem Mittelschüler, zum Aufstieg auf.

Auf dem anstrengenden Weg wurde der Junge müde und quengelig. Weil der ältere Bruder bereits vorausgegangen war, wies der Vater den Siebenjährigen an, zu warten, und stieg mit dem älteren Sohn weiter.

Der Junge schilderte es später nach Angaben von Asahi so: „Mein Vater hat mir gesagt: ‚Warte hier acht Stunden.‘“

Berghütten-Mitarbeiter schlugen Alarm

Kurz nach 7 Uhr hörten Mitarbeiter einer Berghütte den Angaben zufolge Stimmen, die wie ein Streit klangen. Als sie nach draußen gingen, entdeckten sie den Jungen allein auf einer Bank. Laut Asahi meldeten sie den Vorfall kurz darauf der Polizei mit den Worten: „Hier ist ein Kind allein.“

Um 7.40 Uhr ging die Meldung bei der Polizeiwache Fujinomiya ein, wie Kyodo berichtete. Etwa zwei Stunden später fanden die Beamten den Grundschüler und nahmen ihn in Obhut. Ausgestattet war das Kind nach AFP-Angaben nur mit Snacks und einem Erfrischungsgetränk, Geld hatte es nicht dabei. Verletzt war der Junge nicht.

Wanderer auf dem Berg Fuji

Wanderer auf dem Berg Fuji

© Dreamstime Nonchanon/imago

Rückkehr nach fünft Stunden: Polizei verwarnt Vater

Die Beamten nahmen Kontakt zum Vater auf, der inzwischen bis zur achten Station aufgestiegen war. Nach Darstellung von Asahi kehrte er etwa fünf Stunden, nachdem er den Jungen zurückgelassen hatte, zur sechsten Station zurück. Dort übergab ihm die Polizei den Sohn und sprach zugleich eine deutliche Verwarnung aus.

Ein Beamter sagte dem Vater laut Asahi: „Da es sich um ein Verhalten handelt, das möglicherweise gegen Strafgesetze verstößt, sollten Sie Ihre Einstellung dazu überdenken. Eine Berghütte ist keine Kinderbetreuung.“

Der Vater soll sein Verhalten bereut haben. Nach AFP-Angaben entschuldigte er sich bei der Polizei und räumte ein, leichtsinnig gehandelt zu haben.

Der Fuji ist mit 3776 Metern der höchste Berg Japans. Die sechste Station des Fujinomiya-Wanderwegs liegt laut Asahi bei rund 2500 Metern. Der Weg von der fünften Station, die mit dem Auto erreichbar ist, bis zur sechsten Station führt über einen dauerhaften Anstieg und teils über freiliegendes Felsgelände.

Was die Polizei anderen Bergsteigern rät

Ein Beamter der Präfektur Shizuoka richtete sich nach dem Vorfall an alle, die den Berg in Gruppen besteigen.

Laut Kyodo sagte er: „Wenn Sie in einer Gruppe einen Berg besteigen, passen Sie bitte das Tempo der Person mit der geringsten Ausdauer an und achten Sie darauf, dass Sie nicht getrennt werden.“


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