Häufig geht's nach Berlin

Brandenburg ist deutscher Pendler-Meister

Nirgendwo sonst fahren so viele Berufstätige zu arbeiten in ein anderes Bundesland.

Jens Blankennagel
4 Min
Gerade zum Feierabendverkehr wird es in Berlin immer enger.

Gerade zum Feierabendverkehr wird es in Berlin immer enger.

© dpa/Michael Kappe

Daten der Arbeitsagentur zeigen, dass die Zahl all jener, die für ihre tägliche Arbeit in ein anderes Bundesland wechseln, kontinuierlich zunimmt. „Es war 2017 so, dass fast jeder dritte sozialversicherungspflichtig beschäftigte Brandenburger zur Arbeit in Regionen außerhalb des Landes pendelte“, sagte Matthias Loke, Sprecher der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg. Genau sind es 29,4 Prozent der Berufstätigen. Drei Jahre davor lag der Wert noch bei 28,6 Prozent.

Insgesamt 286.092 Brandenburger arbeiten in einem anderen Bundesland, das sind beachtliche 7,4 Prozent mehr als noch drei Jahre davor.

In Berlin verdient man mehr

Bundesweit gibt es kein Bundesland, in dem mehr Berufstätige in einem anderen Bundesland arbeiten. Relativ erwartbar ist, dass die größte Gruppe der Pendler zur Arbeit nach Berlin fährt.

Drei Viertel der Brandenburger Pendler haben als Arbeitsziel Berlin. Diese Zahl ist seit dem Ende der DDR dramatisch gestiegen. Das zeigen Daten des Brandenburger Infrastrukturministeriums. Im Jahr 1993 fuhren noch 90.289 Arbeitskräfte nach Berlin, im Jahr 2016 waren es dann 203.274.

Matthias Loke nennt aus Sicht der Arbeitsagentur drei Gründe für zunehmende Pendelei und die hohe Mobilität der Beschäftigten. „Berlin zieht in großem Maß gut ausgebildete Fachkräfte an“, sagte er. „In Berlin ist zudem das Verdienstniveau im Schnitt um etwa 20 Prozent höher als in Brandenburg.“ Der dritte Grund ist die Stadtflucht: Viele Berliner Familien sind in den vergangenen Jahren aus der Bundeshauptstadt ins Umland gezogen, arbeiten aber weiterhin in Berlin.

Berlin ist Hauptstadt aller Pendler

Bundesweit pendelten laut einer Erhebung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung 2016 bereits 60 Prozent aller Arbeitnehmer in eine andere Gemeinde, im Jahr 2000 waren es 53 Prozent.

Die Spitzenreiter bei den Städten, in die gependelt wird, sind München, Frankfurt/Main, Düsseldorf und Stuttgart. Aber die liegen mitten im eigenen Bundesland.

Und so ist Berlin die Hauptstadt der Pendler aus anderen Ländern – meist aus Brandenburg. Berlin liegt vor Hamburg, wo es vor allem Schleswig-Holsteiner hinzieht. In Berlin liegt die Zahl der sogenannten Einpendler bei fast 280.000 und ist seit der Jahrtausendwende um 53 Prozent gestiegen.

Neben Berlin haben Brandenburger Arbeitskräfte zwei weitere Hauptziele: Sachsen und Nordrhein-Westfalen.

Die Konjunktur in  Brandenburg läuft gut

Gleichzeitig gibt es aber auch viele Leute, die zur Arbeit nach Brandenburg fahren. Laut Arbeitsagentur kommt jeder sechste in Brandenburg Beschäftigte von außerhalb. Immerhin 147.506 Einpendler kommen jeden Arbeitstag nach Brandenburg. Fast die Hälfte kommt aus Berlin – das sind 87.073. Dann folgen Arbeitskräfte aus Sachsen und aus dem Ausland, die meisten sind sicherlich aus Polen.

Die Arbeitsagentur sieht als einen Hauptgrund für die Zunahme der Mobilität, dass die Konjunktur in Berlin und in Brandenburg erfreulich gut läuft. „Das lässt die Nachfrage nach Arbeitskräften steigen“, sagte Loke. Berlin und das Umland seien die Schwerpunkte des Wirtschaftswachstums und der Beschäftigung.

„Es mehren sich die Stimmen aus Unternehmen und den Handelskammern in beiden Ländern, die vor einem Mangel an Fachkräften warnen“, sagte Loke. Eine Lösung liegt aus Sicht der Arbeitsagenturen darin, durch Qualifizierung und Weiterbildung Arbeitsuchende und Beschäftigte auf neue Erfordernisse am Arbeitsmarkt einzustellen.

Für Brandenburg ist auch interessant, dass in jedem Landkreis mehr Leute in einen anderen Kreis oder ein anderes Land zur Arbeit fahren, als zum Arbeiten in diesen Kreis kommen. Den höchsten Anteil an Beschäftigten, die in anderen Kreisen oder Ländern arbeiten, hat der Kreis Potsdam-Mittelmark im Südwesten des Landes. Dort pendeln fast zwei Drittel aller Beschäftigten.

Das liegt vor allem an der sehr guten Verkehrsanbindung über die Autobahnen und die Bahnstrecken nach Potsdam und Berlin. Und so ist denn auch die Bahnlinie von Brandenburg/Havel nach Berlin die meistgenutzte im Land.

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