Show abgesetzt

Wer verliert, wer profitiert: Warum wurde Jimmy Kimmel wirklich gestoppt?

Die Absetzung von „Jimmy Kimmel Live!“ hat nicht nur politische Gründe. Auch milliardenschwere Mediengeschäfte spielen eine Rolle - sehr zur Freude von Präsident Donald Trump.

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Moderator Jimmy Kimmel bei der Eröffnung der Oscar-Verleihung

Moderator Jimmy Kimmel bei der Eröffnung der Oscar-Verleihung

© Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Die überraschende Absetzung von „Jimmy Kimmel Live!“ bei ABC sorgt nicht nur für politischen Streit in den USA, sondern lenkt auch den Blick auf wirtschaftliche Interessen. Während Präsident Donald Trump die Entscheidung des Senders feiert, rücken Verflechtungen zwischen Medienunternehmen und Aufsichtsbehörden in den Fokus.

Tapper: Absetzung könnte mit Milliarden-Deal zusammenhängen

CNN-Journalist Jake Tapper, Chefnachrichtensprecher des Senders und Moderator von „The Lead with Jake Tapper“, veröffentlichte am frühen Donnerstagmorgen ein knapp dreiminütiges Video auf X. Darin erklärte er, dass der Schlüssel zum Verständnis der Absetzung in finanziellen Interessen liege: „Folge dem Geld“, schrieb er. Hintergrund sei der geplante Kauf des TV-Konzerns Tegna durch Nexstar, den größten Betreiber lokaler Fernsehsender in den USA. Der Deal ist mit mehr als sechs Milliarden US-Dollar veranschlagt. Dieser würde in dieser Form aber gegen geltendes Recht verstoßen.

Tapper erinnerte daran, dass der von Trump ernannte FCC-Vorsitzende Brendan Carr im Mai signalisiert hatte, diese Grenze „neu bewerten“ zu wollen. Am Mittwoch bezeichnete Carr Kimmel öffentlich als „untalentiert“ und forderte lokale Sender auf, die Show nicht länger auszustrahlen. Wenige Stunden später kündigte Nexstar an, „Jimmy Kimmel Live!“ tatsächlich nicht mehr zu zeigen. Für Tapper ist das kein Zufall: Der Konzern wolle sich bei Carr und Präsident Trump nicht angreifbar machen, solange über die milliardenschwere Fusion entschieden wird.

Laut US-Medien ist auch Disney, Mutterkonzern von ABC, derzeit auf das Wohlwollen der FCC angewiesen: Das Unternehmen wartet auf grünes Licht für den Einstieg von ESPN beim NFL Network. Damit geraten gleich zwei Branchengiganten in zentralen FCC-Fragen unter Druck. Kritiker werten genau diese Konstellation als einen der Hauptgründe für das schnelle Aus von Kimmels Show.

Drohungen von der FCC

Für zusätzlichen Druck sorgte der Trump-nahe FCC-Chef selbst. In einem Gespräch mit dem konservativen Kommentator Benny Johnson sprach Carr von einem „ernsthaften Fall“ gegen Kimmel, den Sender ABC und den Mutterkonzern Disney.  Carr bezeichnete „Kimmels böswillige Lügen“ als „wirklich krank“, forderte seine sofortige Suspendierung und brachte einen Lizenzentzug für ABC ins Spiel. Johnson, ein früherer Redakteur bei BuzzFeed und Breitbart, ist in den USA für provokante Inhalte in sozialen Netzwerken bekannt und erreicht dort ein Millionenpublikum.

Wer verliert, wer gewinnt?

Verlierer:

  • Jimmy Kimmel: Verliert seine Plattform nach über 20 Jahren bei ABC, seine Zukunft als Late-Night-Moderator ist ungewiss.
  • ABC/Disney: Stehen in der Kritik, vor politischen Druck eingeknickt zu sein. Gleichzeitig droht ein Imageschaden bei jüngeren, liberalen Zuschauern.
  • Meinungsfreiheit: Kritiker warnen, dass das Vorgehen der FCC und der Sender Signalwirkung für andere Moderatoren haben könnte.

Gewinner:

  • Donald Trump: Feiert die Absetzung öffentlich als politischen Erfolg und Bestätigung seines langjährigen Feldzugs gegen Late-Night-Kritiker.
  • FCC-Chef Brendan Carr: Präsentiert sich als Hardliner und verschafft sich Einfluss in laufenden Mediengeschäften.
  • Nexstar: Könnte durch das Vorgehen gute Karten bei der geplanten Übernahme des Rivalen Tegna haben, da es Carrs Linie folgt.

Was Kimmel gesagt hat

Auslöser war Kimmels Monolog am Montag über den Mord an dem konversativem Aktivisten Charlie Kirk. Wörtlich sagte er: „Die MAGA-Gang versucht verzweifelt, den Mann, der Charlie Kirk ermordet hat, als etwas anderes darzustellen als einen von ihnen – und tut alles, um daraus politisches Kapital zu schlagen.“ Tags darauf griff Kimmel Präsident Trump direkt an: Dessen Reaktion sei „nicht die eines Erwachsenen, der um einen Freund trauert, sondern wie die eines Vierjährigen, der einen Goldfisch verloren hat“. Auch FBI-Chef Kash Patel und Vizepräsident J.D. Vance wurden Ziel seines Spotts.

Kimmels Kommentare führten zu einem Protest von ABC-Partnern: Der Präsident der Nexstar-Sendersparte, Andrew Alford, sprach von „beleidigenden und unsensiblen“ Äußerungen „in einer kritischen Phase der politischen Debatte“. Daraufhin setzte ABC die Show auf unbestimmte Zeit ab.

Heftige Reaktionen

Die Absetzung der Show rief prominente Kritiker auf den Plan. Schauspieler Ben Stiller schrieb auf X: „Das ist nicht richtig.“ Komikerin Wanda Sykes erklärte in einem Instagram-Video, Trump habe „in seiner ersten Woche weder den Krieg in der Ukraine beendet, noch das Problem in Gaza gelöst. Aber er hat in seinem ersten Jahr die Meinungsfreiheit abgeschafft.“ Schauspielerin Sophia Bush warnte: „Der erste Verfassungszusatz existiert in Amerika nicht mehr. Der Faschismus ist da, und er ist erschreckend.“ Auch Politiker meldeten sich: Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom sprach von „koordinierten“ Angriffen auf die Pressefreiheit.

Kritik kam zudem aus der Medienaufsicht selbst: FCC-Kommissarin Anna Gomez warf der Regierung vor, mit dem Gewicht staatlicher Macht freie Meinungsäußerung zu unterdrücken.

Fazit

Ob Kimmels Show dauerhaft eingestellt bleibt, ist offen. Sein Vertrag mit ABC läuft noch bis Mai 2026. Beobachter verweisen darauf, dass ein schnelles Comeback ebenso riskant wäre: Sowohl Disney als auch Nexstar müssten dabei mit dem Zorn des Präsidenten und der FCC rechnen.

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