Joachim Gauck: Entfremdung von den Ostdeutschen

Es ist rund zwei Jahre her, dass der in Rostock geborene Joachim Gauck Bundespräsident wurde. Seit seiner Wahl im März 2012 heißt es immer mal wieder, um die deutsche Einheit könne es so schlecht ja nicht bestellt sein. Schließlich werde die Bundesrepublik jetzt gleich von zwei Ostdeutschen repräsentiert: von Kanzlerin Angela Merkel und von Gauck eben. Kritiker wenden dagegen gelegentlich ein, die Regierungschefin sei als Ostdeutsche gar nicht mehr ...

BLZ
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Es ist rund zwei Jahre her, dass der in Rostock geborene Joachim Gauck Bundespräsident wurde. Seit seiner Wahl im März 2012 heißt es immer mal wieder, um die deutsche Einheit könne es so schlecht ja nicht bestellt sein. Schließlich werde die Bundesrepublik jetzt gleich von zwei Ostdeutschen repräsentiert: von Kanzlerin Angela Merkel und von Gauck eben. Kritiker wenden dagegen gelegentlich ein, die Regierungschefin sei als Ostdeutsche gar nicht mehr erkennbar.

Tatsache ist, dass das Staatsoberhaupt angesichts seiner mehrmaligen Äußerungen über die Notwendigkeit von Militäreinsätzen zuletzt vor allem aus den sogenannten neuen Bundesländern attackiert wurde. Das wiederum kommt nicht von ungefähr.

Enger Freund von Merkels Vater

Anfang der Woche machten jene ostdeutschen Pfarrer von sich reden, die derzeit Unterschriften gegen Gauck sammeln, weil sie die friedenspolitischen Anliegen der evangelischen Kirche aus DDR-Zeiten diskreditiert sehen. Einer der Unterzeichner ist der ehemalige Leiter des Predigerseminars Wittenberg, Peter Freybe. Der Pensionär stieß sich an Gaucks Formulierung aus einem Interview mit dem Deutschlandfunk, wonach es manchmal erforderlich sei, „auch zu den Waffen zu greifen“. Freybe sagte der Berliner Zeitung: „Dieses manchmal halte ich für fahrlässig beliebig und unangemessen!“ Übrigens war der Pfarrer ein enger Freund von Horst Kasner, Merkels Vater.

Friedrich Schorlemmer, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, erklärte: „Der Bundespräsident sollte sich zu sicherheitspolitischen Fragen dieser Tragweite nicht äußern.“ Und wenn schon, dann wolle er auch „mal eine Äußerung von Herrn Gauck zum Desaster im Irak hören“. Schorlemmer betont allerdings, man könne dem 74-Jährigen nicht den Vorwurf machen, von der protestantischen Friedensethik von vor 1989 abgerückt zu sein, denn: „Er hat schon immer gewusst, dass die Waffen der Freiheit die besseren Waffen sind.“

Die Angriffe kommen außerdem aus der ostdeutsch dominierten Linkspartei. Der brandenburgische Landtagsabgeordnete Norbert Müller, der Gauck einen „widerlichen Kriegshetzer“ nannte und damit Empörung auslöste, hat sie nur besonders zugespitzt. Schon auf dem linken Wahlparteitag im Mai war das Staatsoberhaupt Zielscheibe.

Die Linke tat sich immer schwer mit Gauck. Das hat mit seiner Vergangenheit als Chef der Stasi-Unterlagenbehörde und mit seinem Freiheitsbegriff zu tun, der aus Sicht der Linken ein die ökonomischen Ungleichgewichte aussparender und deshalb allzu liberaler Freiheitsbegriff ist. Nun sieht sich die Partei noch auf einem ganz anderen politischen Feld in ihren Vorbehalten bestätigt. Und sie kann in ihrem Unmut ebenso wie die Theologen auf eine weit verbreitete Stimmung bauen. Denn Militäreinsätze sind in den neuen Ländern noch unbeliebter als in den alten. „Der Krieg hat in Ostdeutschland nicht die besseren Karten“, stellt Schorlemmer fest. Umfragen belegen das seit längerem.

Das Verhältnis zwischen Gauck und „seinen“ Ostdeutschen war so gesehen immer kompliziert. Gern hat er ihnen, etwa bei der DDR-Aufarbeitung, auch mal die Leviten gelesen. Nun allerdings ist die Entfremdung mit Händen zu greifen. Sie dürfte recht nachhaltig sein.

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