Arbeitsmarkt

Jobcenter überlastet? Mitarbeiter beklagen Personalmangel vor Bürgergeld-Reform

85 Prozent der Jobcenter-Mitarbeiter sehen sich am Limit, knapp die Hälfte macht regelmäßig Überstunden. Die neue Grundsicherung könnte noch mehr Belastung bringen.

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Ein Jobcenter-Standort in Berlin-Mitte

Ein Jobcenter-Standort in Berlin-Mitte

© Picture Alliance/dpa

Kurz vor dem Wechsel vom Bürgergeld zur Grundsicherung haben Beschäftigte in Jobcentern Alarm geschlagen. Eine Verdi-Umfrage zeigt: Die Mehrheit arbeitet nach eigener Ansicht an der Belastungsgrenze.

Mitarbeiter in deutschen Jobcentern beklagen einer Befragung der Gewerkschaft Verdi zufolge eine hohe Arbeitsbelastung und Personalmangel. Knapp 85 Prozent der Beschäftigten bezeichneten ihre Arbeitsbelastung als hoch oder sehr hoch, wie aus dem noch unveröffentlichten Jobcenter-Report hervorgeht, der bereits dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt.

Hohe Fallzahlen und zu wenig Personal sorgen für Überstunden

Befragt wurden zwischen Oktober 2025 und März 2026 bundesweit mehr als 6800 Beschäftigte mit und ohne Gewerkschaftsbindung. Die Ergebnisse seien zwar nicht streng repräsentativ, aber aussagekräftig, hieß es. 49 Prozent der Teilnehmer gaben an, mehrmals pro Woche Überstunden zu leisten. 91 Prozent berichteten von gesundheitlichen Folgen, rund 41 Prozent sprachen von häufiger Erschöpfung. Knapp 13 Prozent erwägen laut Umfrage einen Jobwechsel, etwa neun Prozent waren bereits wegen der Belastung krankgeschrieben.

Als wichtigsten Grund für die Überlastung nannten fast 75 Prozent die Kombination aus zu hohen Fallzahlen und zu wenig Personal. Für mehr als 70 Prozent ist der Reformdruck der Politik ein drängendes Problem, knapp 67 Prozent verwiesen auf den hohen Krankenstand und die Belastung durch Ausfälle.

Bürgergeld wird Grundsicherung: Noch mehr Belastung?

Mit der neuen Grundsicherung, die ab Juli das Bürgergeld ersetzen wird, gelten unter anderem schärfere Sanktionen bei Pflichtverletzungen, neue Vorgaben bei den Wohnkosten sowie nach Alter gestaffelte Freibeträge beim Schonvermögen. Die Umstellung sorgt damit für weitere Bürokratiepflichten, die für Jobcenter-Mitarbeiter die Arbeitslast weiter erhöhen könnten.

Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle kritisierte im Gespräch mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe die Bundesregierung und ihre Reform. Es sei fahrlässig,  neue Bürokratiepflichten einzuführen, ohne für ausreichend Personal zu sorgen. Das Ziel einer schnelleren Vermittlung von Arbeitsuchenden in den Arbeitsmarkt rücke so in weite Ferne.

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