Jubiläum

Herthas Tausendtagetrainer Pal Dardai

Schon zwei Karrieren hat Pal Dardai dem Verein zu verdanken.

Paul Linke
3 Min
Zeitsprung: So könnte Pal Dardai im Sommer 2020 aussehen.

Zeitsprung: So könnte Pal Dardai im Sommer 2020 aussehen.

© imago

Sie kommen meistens Mitte, mit etwas Glück erst Ende dreißig, und man kann in der Regel nichts dagegen tun. Zunächst tauchen sie an der Schläfe auf und im Bart, weil die Haare dort die kürzeste Lebensdauer haben und die gedrosselte Produktion des Farbpigments Melanin eben dort den Eindruck am stärksten verstärkt, dass ein Mann älter wird – und also auch grau. So wie Pal Dardai, 41, Trainer von Hertha BSC, der heute ein besonderes Dienstjubiläum feiert und gewohnt selbstironisch sagt: „Tausend Tage und tausend graue Haare seitdem.“

Die Bildrecherche bestätigt das. Im Februar 2015, als Dardai auf Jos Luhukay folgte und es irgendwie doch noch schaffte, Hertha vor dem nächsten Abstieg zu retten, war da kaum ein Härchen ergraut. Doch jetzt, im Oktober 2017 und zwei unerwartet erfolgreiche Spielzeiten später, schimmert es hier und da, wölbt sich auch der Körper, runden sich die Gesichtszüge im Vergleich.

Kritik nach der Pokalniederlage gegen Köln

Was das Haupthaar angeht, empfehlen sich zwei Möglichkeiten: Entweder man trägt das Grau mit Stolz und sorgt dafür, dass es gepflegt aussieht. Oder man greift zu Mittelchen. Dardai hat sich für die erste entschieden. Wenn es eine Woche gab, die seinen Alterungsprozess über die Maßen beschleunigte, dann war es die vergangene. Spätestens nach der Pokalniederlage gegen Köln wurde Dardai nicht mehr ausgeschlossen von der Kritik – zum ersten Mal seit seinem Dienstantritt. Denn dass Hertha in dieser Saison und unter einer dreifachen Wettbewerbsbelastung die Leichtigkeit des Spiels abhanden gekommen war, musste nach allgemeiner Branchenlogik mit Dardai in Verbindung gebracht werden. 

Und erstmals schien er auch ein wenig ratlos zu sein. Außerdem hatte er ja selbst gerne wiederholt, dass er ein junger Trainer sei und noch viel lernen müsse. Am Ende dieser Woche hatte er dann gelernt, wie es sich anfühlt, wenn die Stimmung zu kippen droht.

Lustig wie kein Zweiter

Dardais teils schonungslose Ehrlichkeit sich und seinen Spielern gegenüber ist das eine, was diese tausend Tage geprägt hat. Tatsächliche oder nur vermeintliche Probleme musste er nie wegen irgendeiner Verlegenheit umschiffen. Und immer war er ansprechbar nach dem Training – das ist im Profifußball keine Selbstverständlichkeit mehr. Dass er dabei lustig wie kein Zweiter sein kann, ehrt ihn und macht die Zusammenarbeit sehr angenehm – auch das ist eher nicht die Regel.

Das Zweite, was diesen Tausendtagetrainer so besonders macht, ist seine Identifikation mit dem Verein, dem er nun schon zwei Karrieren zu verdanken hat. Neben dem Freiburger Kollegen Christian Streich ist Dardai derjenige, der glaubhaft im Namen des gesamten Vereins sprechen darf und dem man das bewusst Pathetische in seinen Worten nicht als peinliche Schmeichelei oder selbstverliebte Eigenwerbung auslegen würde.

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