Jüdisches Museum

Wie lebt man zusammen im Einwanderungsland?

Das Jüdische Museum in Berlin startet ein Akademieprogramm zur Integration. Chef Michael Blumenthal richtet sich schon einmal auf Beschwerdepost ein.

Julia Haak
2 Min
Yasemin Shooman leitet das neue Akademieprogramm Migration und Diversität des Jüdischen Museums.

Yasemin Shooman leitet das neue Akademieprogramm Migration und Diversität des Jüdischen Museums.

© Berliner Zeitung/Christian Schulz Lizenz

Auf einer Skala von eins bis zehn sieht Michael Blumenthal, der Leiter des Jüdischen Museums, Deutschland bei der Integration von Minderheiten höchstens in der Mitte. Menschen aus anderen Kulturen, mit anderen Hautfarben und Sprachen wanderten ein. Aber das sei für viele Menschen hier noch immer schwer zu akzeptieren. Das Jüdische Museum will nun einen Beitrag für ein friedliches und konstruktives Zusammenleben leisten. In der Akademie im Eric F. Ross Bau, der ehemaligen Blumengroßmarkthalle gegenüber vom Museum an der Lindenstraße, soll es Tagungen, Workshops, Sommeruniversitäten zum Thema geben. Das Museum will so der Debatte um Integration und Partizipation Impulse geben.

Michael Blumenthal richtet sich schon mal auf Beschwerdepost ein. Die beruhe allerdings auf dem Missverständnis, das Jüdische Museum befasse sich ausschließlich mit jüdischen Themen. Das ist bei dem Akademieprogramm nicht der Fall. Los geht es am 22. November mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Integrationspolitik. In den kommenden Monaten wird es dann um Strategien zur Stärkung von Minderheiten gehen, Erfahrungen von Einwanderern und um Minderheiten in Berlin. „Uns geht es darum, wie in einem Land im 21. Jahrhundert Menschen unterschiedlicher Herkunft friedlich zusammen leben können. Es ist eine Frage von überragender Wichtigkeit für Deutschland, damit dieses Land standhalten kann im internationalen Wettbewerb“, sagt Michael Blumenthal.

Der neue Arbeitsbereich wird von Yasemin Shooman geleitet. Zehn Jahre lang hat sie am Zentrum für Antisemitismusforschung gearbeitet. Jetzt soll ihre Programmreihe Wissenschaft und Publikum zueinander führen. „Ideen aus der Forschung sollen debattiert werden, auch Konzepte aus Ländern, die sich schon länger als Einwanderungsgesellschaften begreifen“, sagt sie.

Zweiter Schwerpunkt wird es sein herauszustellen, dass die Geschichte von Minderheiten ein Teil der deutschen Geschichte ist. „Heute debattieren wir über Wirtschaftsflüchtlinge. Vergessen wird dabei, dass im 19. Jahrhundert auch viele Deutsche ihr Land verlassen haben, um woanders ihr Glück zu suchen“, sagt Shooman. Der dritte Bereich soll eine Art islamisch-jüdisches Forum werden. Es wird zum Beispiel um das religiös begründete Bilderverbot gehen und auch um die Beschneidungsdebatte.

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