Überall riecht es noch nach Sprelacart und Linoleum. Stühle und Bänke stehen übereinandergetürmt in den Ecken, daneben Reihen von Garderobenschränken. Die Flügeltüren zwischen den langgestreckten Fluren sind bemalt, mit stets demselben Motiv: der Friedenstaube.Das Gebäude an der Grünen Kehle 1 in Rüdersdorf war einmal eine Schule. Vor vier Jahren wurde sie geschlossen. Seitdem haben junge Künstler in dem zweistöckigen Haus aus den fünfziger Jahren das Sagen. Das pachteten sie kostenlos von der Gemeinde mit der Auflage, das Gebäude instand zu halten. Vor einem Jahr gründeten sie den Verein "Grüne Kehle". Sein Ziel: ein offenes, gemeinnütziges Atelier- und Veranstaltungshaus aufzubauen.Schon ist das Lehrerzimmer zum Büro umgewandelt, ist moderne Kunst im ehemaligen Essensraum zu sehen. "Wir wollen hier eine große Vielfalt von Künsten zusammenführen", sagt der Vereinschef Christian Lehmann. Für den 24jährigen Musiker ist das ein besonderes Vergnügen, zumal er zu DDR-Zeiten diese Schule widerwillig betrat: Hier wurden "Einführung in die sozialistische Produktion" und "Produktive Arbeit" unterrichtet. "Jetzt komme ich gern hierher", sagt Lehmann, "das Gebäude ist für mich ein zweites Zuhause geworden." Über 2 000 Quadratmeter stehen dem Verein in der früheren Schule zur Verfügung. 15 Klassenzimmer sind bereits als Ateliers vermietet, an Maler, Bildhauer und Bühnenbildner. Auch fünf Bands proben hier regelmäßig, im Keller sollen sie einmal ein Tonstudio bekommen.Mit dem Zusammenspiel aller Künstler klappt es aber noch nicht so recht. Die meisten leben in Berlin und kommen zu unterschiedlichen Zeiten zum Arbeiten nach Rüdersdorf. "Wir können niemanden zu gemeinsamen Projekten zwingen", sagt Christian Lehmann, "es soll aber die Möglichkeit dafür geben." Mit vielem steht der Verein noch ganz am Anfang. Auch ein prall gefüllter Veranstaltungsplan mit Ausstellungen, Lesungen und Konzerten ist derzeit noch ein Traum der "Grünen Kehle".Die zehn Vereinsmitglieder müssen ihre Kreativität vorerst anders einsetzen: beispielsweise für eine neue Heizung. Die wollen sie über einen Kredit bezahlen. Große finanzielle Rücklagen haben die jungen Leute nicht. Von ihren Mietern verlangen sie nur die Betriebskosten, acht Mark pro Quadratmeter. "Im Ort nennen uns ja einige Spinner oder Träumer", sagt Christian Lehmann, "dabei erhalten wir doch das Gebäude und haben ein gutes Konzept."Davon sind die Rüdersdorfer noch nicht überzeugt, sie lassen sich in der "Grünen Kehle" kaum blicken. Allerdings waren die Veranstaltungen bislang auch wenig geeignet für ein breiteres Publikum, schätzt der Vereinschef ein. "Wir haben meistens Club-Partys gemacht", sagt Lehmann. "Das war schon mehr so alternativ, also für HipHop- und Drum n Base-Leute." Die "Älteren" sollen einmal mit Ausstellungen und Konzerten gewonnen werden. Für den Winter ist deshalb ein Abend für Kammermusik vorgesehen wann, ist noch offen.Nur ein Termin steht schon fest: Am 24. Dezember wird ab zehn Uhr früh eine Club-Weihnachtsparty steigen für Jugendliche, versteht sich. "Das ist zwar familienzersetzend", sagt Christian Lehmann, "aber im letzten Jahr lief das gut."Der Verein vermietet einzelne Räume, auch stundenweise, für Partys oder Feten. Die Preise liegen zwischen 50 und 200 Mark. Anfragen können an "Grüne Kehle e. V.", Grüne Kehle 1, 15562 Rüdersdorf, Telefon/Fax: 03 36 38-27 03, gerichtet werden.
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