Ein weiterer der sechs aus der Justizvollzugsanstalt Plötzensee entkommenen Insassen hat sich gestellt. Der 27-jährige Josef A. meldete sich am Dienstagvormittag in Begleitung seines Anwaltes bei der Polizei, wie ein Justizsprecher bestätigte. Die anderen Häftlinge sind weiter auf der Flucht.
Josef A., der am Donnerstagmorgen zusammen mit drei Mitinsassen durch ein Loch in der Wand geklettert war, wurde wegen schwerer Körperverletzung verurteilt und ist seit April vergangenen Jahres Insasse von Plötzensee. Sein Haftende ist für Oktober 2020 angesetzt.
Auf dem Videostandbild einer Überwachungskamera an der Justizvollzugsanstalt (JVA) Plötzensee in Berlin ist am 28.12.2017 ein Ausbruch zu sehen. Am linken Bildrand sieht man die beiden Häftlinge fliehen.
© Senatsverwaltung für Justiz Berlin/dpa
Zunächst hatten am Donnerstag vier Häftlinge im Alter von 27 bis 38 Jahren mit einem Trennschleifer und einem schweren Hammer die Gefängnismauer aufgebrochen und waren entkommen. Am Freitag war dann bekannt geworden, dass ein weiterer Häftling nicht aus dem offenen Vollzug zurückgekehrt war. Am Montagmorgen waren schließlich zwei weitere Häftlinge aus dem offenen Vollzug Plötzensee getürmt, einer der beiden meldete sich jedoch bereits am Abend zurück.
Häftlinge hätten auch einfach durch die Tür gehen können
Am Montag, als die beiden Männer entwichen, konnten die dort einsitzenden Gefangenen den offenen Vollzug tagsüber nicht für die Arbeit oder eine Ausbildung verlassen, wegen des Feiertags. Wie genau die beiden Männer aus dem Haus kamen, ob sie die Gitterstäbe vor einem Fenster herausbrachen oder auseinanderbogen, ist angeblich noch unklar. Darüber wolle man sich heute bei einem Vororttermin überzeugen, hieß es aus der Justizverwaltung.
Beide Männer waren wegen Schwarzfahrens zu einer Geldstrafe verurteilt worden, die sie nicht bezahlen wollten oder konnten. Deswegen saßen sie in Plötzensee eine Ersatzfreiheitsstrafe ab. Der eine wurde am 3. Dezember vergangenen Jahres inhaftiert und sollte am 31. März wieder entlassen werden. Von ihm fehlt noch immer jede Spur. Der zweite Entflohene war am 15. Dezember nach Plötzensee gekommen, dort sollte er seine Ersatzfreiheitsstrafe bis zum 18. Februar absitzen. Der Mann stellte sich noch am Montagabend wieder. Er wurde in den geschlossenen Vollzug der JVA Plötzensee verlegt.
Es war der dritte Fall binnen einer Woche, in dem Gefangene aus dem Gefängnis entkamen.
Verurteilt wegen Körperverletzung, Diebstahls und Einbruchs
Während die zuletzt entwichenen Häftlinge nur wegen relativ leichter Delikte einsaßen, haben die vier Männer, die am Donnerstagmorgen aus der JVA Plötzensee entflohen sind, schwere Straftaten begangen:
- Lai Y., 30 Jahre alt, saß nach Informationen der Berliner Zeitung seit Februar 2017 ein wegen Wohnungseinbruchs.
- Der 38-jährige Sascha S. saß seit Juli 2017 wegen Diebstahls in der JVA Plötzensee ein. Im September dieses Jahres sollte er entlassen werden.
- Dennis L., 25 Jahre alt, ist seit August Insasse der JVA. Er muss bis September eine Gesamtfreiheitsstrafe abbüßen wegen Diebstahls und Erschleichen von Leistungen.
Ihre Haftzeiten verlängern sich entsprechend der Zeit, die sich nach dem Ausbruch außerhalb des Gefängnisses verbrachten.
Selbst der Koalitionspartner empfiehlt Rücktritt des Senators
Die Opposition machte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) für die Pannen verantwortlich und forderte ihn zum Rücktritt auf. „Berlin kann sich keinen justizpolitischen Dilettanten im Senat leisten“, erklärte der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger, am Dienstag. Behrendt müsse gehen.
Auch aus den Reihen der rot-rot-grünen Landesregierung kam Kritik am Senator auf. „7 Ausbrüche in 5 Tagen aus 1 Berliner Knast. Rekord. Wer will nochmal, wer hat noch nicht?“, twitterte der SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck am Sonntagabend. „Das wäre eigentlich ein Rücktrittsgrund für einen Justizsenator“. (kop./dpa)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de