Kampagne gegen Pestizide

BUND zieht umstrittenes Video zurück

Ein bizarres Video: Kleinkinder sitzen in der Erde eines Ackers, über ihnen fliegt ein Flugzeug und versprüht Pestizide. "Hergestellt um zu töten" lautet der Slogan der Naturschutzorganisation BUND zu dieser Kampagne gegen Glyphosat. Das heikle Video wurde nun entfernt.

Stephan Börnecke
3 Min
Ausschnitt aus dem umstrittenen Video.

Ausschnitt aus dem umstrittenen Video.

© screenshot youtube Lizenz

Genau 46 Sekunden dauert das Video, das eine Woche auf der Homepage des Bund für Umwelt und Naturschutz BUND unter einer provozierenden Überschrift zu sehen war: „Glyphosat. Hergestellt um zu töten.“ Der Film schlug ein wie eine Bombe. Nicht nur die konservative Agrarpresse, sondern auch Bauern, Wissenschaftsblogger und die Argro-Industrie stürzten sich auf den Beitrag. Mit Erfolg. Der BUND zog gestern das Video zurück. Der Grund: Alle Welt diskutiere über den Streifen, das Thema, das der Verband weiter für brisant hält, rücke in den Hintergrund.

Es geht um Glyphosat, ein Total-Herbizid, gegen das viele Gentec-Pflanzen immun sind. Im Film donnert ein Agrarflugzeug über ein Sojafeld und seine lädt seine Giftwolke über Babys ab, die auf dem Acker der Wolke schutzlos ausgeliefert sind. Das Video überhöht die Szene künstlerisch stark, zeigt aber lediglich, was seit Jahren aus Südamerika berichtet wird. Von dort kommen massive Klagen der Anwohner der Soja-Plantagen über ihre Gesundheit. In einem aufsehenerregenden Urteil aus Argentinien, wo die Gentec-Soja für die europäischen Schweine- und Hühnerställe angebaut wird, wurden diese Flüge über den Dörfern inzwischen verboten. Weil die dortigen Richter anerkannten, dass die vielfach berichteten Fehlgeburten, Missbildungen der Kinder und erhöhten Krebsraten in Zusammenhang stehen können mit dem übermäßigen oder auch fehlerhaften Gebrauch des Totalherbizids.

Diese Aspekte aber geht in der Medienschelte am BUND unter: „Der erfundene Massenmord“ titelt der Tagesspiegel in einem polemischen Meinungsbeitrag, der Wissenschaftsblog „Detritus“ (zu deutsch: Abfall) fragt in der Überschrift: „BUND – gegründet, um uns zu verblöden?“, und versucht dann, die Warnung vor den Folgen für den Menschen durch den Unkrautkiller Glyphosat zu entkräften. Wobei der Autor nicht davor zurückschreckt, die Arbeit des vom BUND zitierten Forschers Seralini als „übelste Propagandawissenschaft“ zu diskreditieren. Im Vergleich mutet die Frage des Fachblatts Top Agrar lasch an: „Landwirte als Kindermörder?“ und der Industrieverband Agrar meint, die Kampagne des BUND wirke „perfide, abscheulich und eines Umweltverbands unwürdig“. Die Lobby der Chemieindustrie will sogar erfahren haben, dass dem Verband nun Strafanzeigen drohten.

Die Aufregung erstaunt. Denn die vom BUND mitgelieferten Hintergrundpapiere scheinen getragen von einer Sorge um die Gesundheit der Menschen. Dabei geht auch der BUND nicht von einer glasklaren Beweislage aus, sondern verweist auf etliche ernstzunehmende Hinweise und Belege auf eine gemeinhin unterschätzte Gefahrenlage, die durch das Gift entstehen könne. Vor dessen unüberlegter und zunehmend wachsender Anwendung auch in Deutschland warnte unlängst sogar die honorige und in dieser Sache völlig unverdächtige Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft DLG.

Derzeit ist das Video noch bei YouTube verfügbar.

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