Gesundheitspolitik

Lauterbach kündigt Reform der Hausärzte-Bezahlung an – Kritik vom Virchowbund

Noch im Januar sollen die Honorarobergrenzen für Hausärzte aufgehoben werden. Hinzu kommt eine besondere Vergütung. Der Virchowbund spricht vom „Versuch, die Ärzteschaft zu spalten“.

Team News AFP
3 Min
Gesundheitsminister Karl Lauterbach spricht am Dienstag auf einer Pressekonferenz. 

Gesundheitsminister Karl Lauterbach spricht am Dienstag auf einer Pressekonferenz. 

© Hannes P. Albert/dpa

Nach einem Spitzentreffen mit Ärztevertretern hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine weitreichende Reform der Vergütung von Hausärzten angekündigt. Er werde noch im Januar einen Gesetzentwurf öffentlich machen, um die bisherigen Honorarobergrenzen aufzuheben, sagte Lauterbach am Dienstag in Berlin. Zudem werde mit Vorhaltepauschalen für besonders wichtige Praxen eine neue Art der Vergütung eingeführt.

Darüber hinaus solle von den bisherigen Quartalspauschalen für die Ärzte auf Jahrespauschalen umgestellt werden, sagte Lauterbach weiter. Dies solle den Missstand beseitigen, dass etwa chronisch Kranke jedes Quartal nur zu Praxisbesuchen einbestellt würden, damit die Ärzte die vorgesehene Pauschale erhielten. Damit werde es möglich, mehr Anfragen wie Rezeptausstellungen auch telefonisch statt mit Besuchen in den ohnehin überfüllten Praxen zu erledigen, sagte der Minister.

Lauterbach: „Werden bei den Hausärzten eine Entbudgetierung vornehmen“

„Wir werden bei den Hausärzten eine Entbudgetierung vornehmen“, kündigte Lauterbach an. Die Ampel-Koalition hatte den Schritt bereits im Koalitionsvertrag angekündigt. Im vergangenen Jahr war der Honorar-Deckel bereits bei den Kinderärzten aufgehoben worden.

Bisher ist das Geld, das Ärztinnen und Ärzte für die Behandlung gesetzlich Versicherter erhalten, nach oben begrenzt. Diese Budgets sollen verhindern, dass die Kosten aus dem Ruder laufen. Der Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Markus Beier, hatte kritisiert, Hausarztpraxen würden nicht immer für alle Leistungen bezahlt. Ärzteverbände wie der Virchowbund hatten beklagt, dass es wegen der Budgets wirtschaftlich oft keinen Sinn mache, neue Patienten aufzunehmen.

Der Wegfall der Budget-Grenzen für Hausärzte dürfte Mehrausgaben im dreistelligen Millionenbereich für die Kassen bedeuten, machte Lauterbach deutlich. Dies werde aber langfristig zu einer Kostenstabilisierung und einer deutlich besseren Versorgung in einem effizienteren System führen.

Arzneimittelregresse: Lauterbach will Fachärzte entlasten 

Lauterbach will bei den Fachärzten durch einen fast vollständigen Verzicht auf sogenannte Arzneimittelregresse Entlastung schaffen. Demnach haften Ärzte bisher mit ihrem eigenen Einkommen dafür, wenn sie zu viele oder zu teure Medikamente verschrieben haben. Die Reform wird Lauterbach zufolge dazu führen, dass 80 Prozent der bisherigen Regressfälle entfallen.

Die Ärzte-Vertretung Virchowbund kritisierte die Zusagen des Gesundheitsministers als „unvollständig und viel zu vage“. Lauterbachs Vorgehen, „einseitig die hausärztliche Versorgung zu fördern und die Fachärzte weiterhin zu ignorieren“, sei ein „Versuch, die Ärzteschaft zu spalten“, erklärte der Virchowbund-Vorsitzende Dirk Heinrich. Daher sei für den Verband „klar, dass die Proteste weitergehen müssen“. Der Virchowbund vertritt sowohl Haus- als auch Fachärzte.

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