Eine Apotheke in Hennigsdorf nordwestlich von Berlin drückt ihren Frust über Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) derzeit auf ungewöhnliche Weise aus. Auf den Kassenzetteln der Apotheke hinter der Stadtgrenze steht der Satz „Im Übrigen halten wir Karl Lauterbach als Minister für untragbar“ – nur ein kleines Stück unter dem roten Wasserzeichen, das man von Kassenzetteln aus der Apotheke kennt. Zuerst berichtete am Freitag der RBB über den Protest.
Die Stimmung zwischen deutschen Apothekern und Karl Lauterbach ist denkbar angespannt. Lauterbach will der Schließungswelle, die die Apotheken erfasst hat, mit einem neuen Gesetz entgegentreten. Nach dem Gesetz sollen laxere Vorgaben für die Neueröffnung einer Apotheke gelten. Filialen sollen etwa nicht verpflichtet werden, Notdienste anzubieten, Labore zu haben oder Medikamente selbst anzumischen. Auch soll nicht mehr in jeder Apotheke ein Apotheker vor Ort sein müssen. Den Verkauf und die Ausgabe von Medikamenten sollen dann pharmazeutisch-technische Assistenten übernehmen.
Apothekervereinigung steht hinter Hennigsdorfer Apotheke
Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt seit Jahren stetig. Im April fiel ihre Anzahl zum ersten Mal seit 40 Jahren auf weniger als 18.000 bundesweit. Bereits im Juni machten Apothekerinnen und Apotheker bundesweit mit einem Protesttag auf ihre Lage aufmerksam. Dabei warnten sie vor Lieferengpässen bei Medikamenten, machten aber auch auf den eklatanten Fachkräftemangel in der Branche aufmerksam.
Dazu aufgerufen hatte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Deren Pressesprecher Benjamin Rohrer sagte dem RBB über den Kassenzettel der Apotheke in Hennigsdorf: „Wir als Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände stehen insofern hinter der Aussage, als dass Minister Lauterbach der Apothekerschaft in den vergangenen Monaten und Jahren sehr wenig Wertschätzung entgegengebracht hat.“ Auch wenn die Aktion nicht mit dem Verband abgesprochen sei, sagte Rohrer, könne der Verband den Argwohn und die Gefühlslage der betreffenden Apothekerin oder des betreffenden Apothekers sehr gut nachvollziehen.
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