Karneval der Kulturen in Berlin

Nadja Mau ist die Retterin des Kreuzberger Karnevals

Monatelang stritten Senat und die bisherigen Veranstalter des Karnevals der Kulturen über das Sicherheitskonzept. Die Zeit wurde knapp. Fast stand das Event vor dem Aus. Doch dann kam Nadja Mau und rettete den beliebten Umzug in Kreuzberg.

Stefan Strauß
3 Min
Nadja Mau, Leiterin des Karnevals der Kulturen.

Nadja Mau, Leiterin des Karnevals der Kulturen.

© Gerd Engelsmann Lizenz

Wenn am Pfingstsonntag ein Frosch in den Samba fällt, werde das ein großartiger Moment für sie sein, sagt Nadja Mau. Etwa 300 Tänzer und Trommler der brasilianischen Tanzschule Sapucaiu no Samba werden dann als erste Formation den Straßenumzug des 20. Karnevals der Kulturen in Kreuzberg eröffnen. Nadja Mau wird erleichtert an der Strecke stehen und die Tänzer begrüßen. Sapucaiu no Samba – ein Frosch fällt in den Samba, heißt der Name der Gruppe auf Deutsch.

Der Psychologin und Germanistin Nadja Mau aus Pankow ist es zu verdanken, dass es dieses Jahr überhaupt wieder einen Karnevalsumzug und ein Straßenfest in Kreuzberg geben wird, das bereits am Freitagabend beginnt. Monatelang stritten Senat und die bisherigen Veranstalter über ein Sicherheitskonzept. Die Zeit drängte, Gruppen sagten ab. Und dann kam Nadja Mau.

Erst im Februar übernahm sie die Leitung des Karnevals. Doch sie wusste genau, was zu tun war, kannte die Strukturen, all die Leute und Gruppen. Bereits von 2004 bis 2012 hatte sie den Karneval mitorganisiert, zuvor war sie bei Radio Multikulti.

Üblicherweise haben die Organisatoren des Karnevals 48 Wochen Vorbereitungszeit, dieses Mal waren es nur 14. Nadja Mau legte mit ihren drei Kollegen einen straffen Zeitplan fest und entschied, was in diesem Jahr wegen des enormen Zeitdrucks wegfallen müsse, etwa eine Jury, die wie in den Vorjahren die besten Gruppen und Stände auswählt. Nadja Mau erzählt, sie habe von Beginn an einen „enormen Schwung“ gespürt und viel Unterstützung bekommen. Es gab nur ein Ziel: Dass der Karneval der Kulturen 2015 stattfindet, wenn auch kleiner als bisher. Sie unterschrieb Verträge, plante Stellplätze für Bühnen, Stände und Toilettenwagen, betreute Gruppen, besorgte Schlafplätze für Gäste, gestaltete das Programmheft, traf sich mit Polizei und Feuerwehr. Das meiste sei Kommunikation, sagt die redegewandte und freundliche Frau. Sie schrieb sich tägliche Erledigungslisten und freute sich auf das Abstreichen.

Sie hat alles geschafft. Der Karneval der Kulturen ist gerettet. Nadja Mau sagt, er sei ein wichtiges politisches Statement für Toleranz und kulturelle Vielfalt in dieser Stadt. Sie sieht sich nicht als Retterin, sondern als Stimme für die vielen Gruppen, die sich mit dem mehrstündigen Umzug auf der Straße den öffentlichen Raum zurückerobert haben. Wie es 2016 weitergeht, werden die Gruppen entscheiden, sagt Nadja Mau. Im Juni beginnen die Gespräche.

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