Von wegen, Zeiten ändern sich. Jahr für Jahr produzieren die Besucher vom Karneval der Kulturen in Berlin tonnenweise Müll auf den Straßen von Kreuzberg und Nordneukölln. Auch in diesem Jahr bot sich unmittelbar nach dem Fest ein Bild des Schreckens. Doch am nächsten Morgen berichten Anwohner, dass es überraschend sauber war.
Für die Reinigung nach dem Fest ist die Berliner Stadtreinigung übrigens nicht verantwortlich, da es sich um einen Straßenumzug handelt. Deshalb müssen die Veranstalter selbst dafür sorgen, dass die Hinterlassenschaften der Teilnehmer verschwinden.
Wieviele Müllsäcke kamen zusammen?
Ein Großteil der Flaschen entsorgte die offiziell beauftragte Firma direkt im Anschluss an das Fest. Aber es war auch ein ehrenamtliches Team von etwa 60 Leuten unterwegs – darunter auch Anwohner. Sie räumten den Müll vom Südstern bis zur Zossener Straße weg. 20 Müllsäcke kamen dabei zusammen, sagt Geraldine Hepp, der Co-Leiterin vom „Karnevalbüro“. Zwischendurch wurden die Entsorgungshelfer von einem Café unterstützt, das das Team mit Gratis-Getränken versorgte.
Geschätzt 650.000 Menschen verfolgten am Pfingstsonntag den traditionellen Umzug. Entlang der Strecke herrschte teils dichtes Gedränge und fröhliche Stimmung. Daran änderte auch das Wetter nichts: „Der Regen scheint der Stimmung keinen Abbruch zu tun“, sagte eine Sprecherin der Organisatoren.
Wieviele Flaschen Pfand haben sich angesammelt?
In diesem Jahr gab es auf der Strecke zudem sogenannte Pfandinseln, initiiert vom Verein Sozialhelden. Von 14 bis 22 Uhr kamen 20.320 Flaschen und Dosen zusammen, die über die Inseln gesammelt wurden. Das sind 1016 volle Getränkekisten an Halb-Liter-Flaschen oder Dosen.
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„Wir sind ganz happy, wie die Aktion gelaufen ist“, sagt Hepp. Im kommenden Jahr wolle man auch mit den Spätis ins Gespräch kommen, denn die machten an Karneval der Kulturen bekanntlich das „Geschäft ihres Lebens“. „Ich fahre selber die Strecke zum Büro, da ärgert man sich, wenn da noch so Scherben rumliegen.“ Nicht ohne Stolz in der Stimme ergänzt sie: „Das war auf eine Art auch ein symbolischer Akt, eine Community-Aktion.“
Wer seinen Müll auf der Straße zurücklässt, muss in Berlin übrigens nicht mit drakonischen Strafen rechnen – ganz im Gegensatz zu Staaten wie Singapur. Die Polizei hätte dann auch entsprechend mehr zu tun. So aber blieb es bei ein paar wenigen Festnahmen während des Umzugs. Eine Polizeisprecherin sagte, der Polizeieinsatz am Umzugstag sei bisher „planmäßig und ohne größere Zwischenfälle verlaufen“. Bei den meisten Festnahmen habe es sich um „veranstaltungstypische Straftaten“ gehandelt. Die Verursachung von Müll gehört nicht dazu.
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