Karneval: Keine Indianerkostüme und Scheich-Kostüme für Kita-Kinder in Hamburg

Jens Blankennagel wundert sich, dass bestimmte Kostüme verboten werden

BLZ
3 Min

In einer Hamburger Kita gab es zum Fasching ein Indianerverbot. Dort stand in einem Brief an die Eltern tatsächlich: Die Kinder sollen doch bitte keine Indianerkostüme tragen und auch nicht als Scheich zum Fasching erscheinen.

Das sei wichtig, denn auch beim Kostümieren und fröhlichen Feiern gehe es um eine „kultursensible, diskriminierungsfreie und vorurteilsbewusste“ Erziehung. Es sollen keine Vorurteile bedient werden und niemand wegen des Geschlechts, wegen der Hautfarbe oder der Kultur diskriminiert werden.

Jungs als Meerjungmänner

Wichtig sei auch, dass die Geschlechtsstereotype nicht bedient werden. Deshalb sollten Mädchen nicht als Prinzessinnen gehen, sondern auch mal als Piratinnen. Jungs könnten sich doch auch mal als Mehrjungmänner verkleiden.

Der Begriff Indianer ist diskriminierend, sagen die Vorkämpfer des korrekten Kostümierens. Denn „Indianer“ sei ein Überbegriff der Kolonialisten gewesen. Es gab die Indianer als großes Ganzes, als Volk gar nicht, sondern es existierten nur eine Vielzahl unterschiedlicher Stämme.

Dirndl und Baskenmütze

Sich als Indianer zu bezeichnen, sei so, als würden sich Leute eine Lederhose oder ein Dirndl anziehen und dazu eine Baskenmütze aufsetzen, um dann als Europäer zum Fasching zu gehen.

Nun könnte wieder jemand einwenden, dass es im Jahr der wichtigen Europa-Wahlen doch ganz toll wäre, wenn die Leute nicht drauf bestehen würden, Bayern oder Basken zu sein, sondern Europäer. Aber egal.

In unserer Kita gingen in dieser Saison alle Jungs als Superhelden, Ninjas oder Star-Wars-Figuren, alle Mädchen erschienen als Prinzessinnen. Kein Kind hatte eine „diskriminierungssensible Alternative“ gewählt und trug das Kostüm eines geschlechtslosen Fabelwesens oder eines Tieres – obwohl das auch ganz schnell in die Hose gehen kann, wenn in der Kita ein Junge mit der wilden Mähne eines männlichen Löwens aufkreuzt und sich als König der Tiere aufspielt.

Immerhin gab es in unserer Kita einen Jungen, der halbwegs gut erzogen war und als Roboter kam.

Sitting Bull und Geronimo

Vor mehr als 40 Jahren bin ich immer als Indianer gegangen, wirklich immer. Unser Held war Gojko Mitic, und wir waren stolze Krieger. Gegen uns hatten die paar Jungs, die es wagten, als Cowboy zu kommen, gar keine Chance. Aber dieser Gegensatz Cowboy versus Indianer wäre heute ganz bestimmt auch nicht erwünscht.

Ich war wirklich ein großer Indianer-Fan. Jahrelang. Die meisten meiner Kinderbücher habe ich irgendwann entsorgt, nicht aber die beiden Fachbücher für Kinder über die Ureinwohner Nordamerikas.

Ich weiß noch heute, dass bestimmte Stämme gar nicht in Zelten, sondern in riesigen Langhäusern wohnen oder dass Sitting Bull die Indianer zum Sieg gegen die Weißen in der Schlacht Little Big Horn geführt hat. Ich weiß auch noch immer, dass der stolze Apachen-Häuptling Geronimo mit ein paar Dutzend Kriegern einige Tausend Soldaten in Schach hielt.

"Ich bin ein Freiheitskämpfer"

Sollte unser Kind im nächsten Jahr als Indianer zum Fasching gehen wollen, dann kaufe ich ein Feder-Kostüm und sage ihm, dass er sagen soll: „Ich bin doch gar kein Indianer. Ich bin Tecumseh, der Häuptling der Shawnee. Ich bin der Häuptling, der alle Stämme Nordamerikas vereinigen wollte im Kampf gegen den Weißen Mann. Ich bin ein Freiheitskämpfer, ein Kämpfer für Gleichberechtigung.“

Ich hoffe nur, das Kind kann sich das dann alles merken.

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