Rüstung

„Keine Drohnen, keine MiGs“: Polen hält Kampfjet-Lieferung an die Ukraine zurück

Die Ukraine habe eine Vereinbarung über Drohnentechnologie nicht umgesetzt, erklärt der polnische Verteidigungsminister. Polen werde daher vorerst keine weiteren MiG-Kampfjets liefern.

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Der polnische Verteidigunsminister Władysław Kosiniak-Kamysz

Der polnische Verteidigunsminister Władysław Kosiniak-Kamysz

© Damian Burzykowski/imago

Polen liefert vorerst keine weiteren MiG-29-Kampfjets an die Ukraine. Das erklärte der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz im Fernsehsender Polsat News. Grund sei, dass Kiew eine vereinbarte Weitergabe von Drohnentechnologie bislang nicht umgesetzt habe, sagte der Minister.

„Ich habe einen, wie ich finde, sehr partnerschaftlichen Vorschlag gemacht: MiGs gegen Drohnen“, sagte Kosiniak-Kamysz nach Angaben des Senders. „Die Ukrainer haben ihn zunächst angenommen, ihn aber nicht umgesetzt. Deshalb gibt es keine MiGs für die Ukraine, weil es keine Drohnen oder Drohnenfähigkeiten für Polen gibt.“

Die polnische Regierung hatte nach Angaben des ukrainischen Nachrichtenportals Kyiv Independent im Januar einer Lieferung von bis zu neun MiG-29 an die Ukraine zugestimmt. Warschau ersetzt die Maschinen aus sowjetischer Produktion derzeit durch Kampfjets vom Typ F-16 und F-35. Bereits im Frühjahr 2023 hatte Polen 14 MiG-29 an die Ukraine übergeben und war damit dem Bericht zufolge das erste Land nach Kriegsbeginn, das Kiew Kampfflugzeuge lieferte.

Minister: „Wir wollten, dass sie ihr Know-how teilen“

Der stellvertretende Verteidigungsminister Polens, Cezary Tomczyk, hatte bereits Mitte Juni in einem Radiointerview erklärt, die Übergabe sei an die Weitergabe ukrainischer Drohnentechnologie geknüpft, wie der Sender TVP World berichtete. Polen wolle vom Erfahrungswissen profitieren, das die Ukraine gesammelt habe, sagte Tomczyk demnach. Wenn diese Frage geklärt sei, werde auch die Übergabe der Maschinen erfolgreich abgeschlossen.

Kosiniak-Kamysz sagte Polsat News, die Ukraine verfüge über sehr weit entwickelte Fähigkeiten bei unbemannten Systemen und habe zuletzt auch mit Partnern aus dem Nahen Osten zusammengearbeitet. „Wir wollten, dass sie ihr Know-how teilen und teilweise ihre Technologie zugänglich machen“, so der Minister. Die Ukraine habe dem zugestimmt, sich „dann aber von diesen Vereinbarungen zurückgezogen“. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hatte im April angekündigt, Kiew werde Polen beim Aufbau einer eigenen Drohnenflotte unterstützen.

Spannungen zwischen Polen und Ukraine

Zuletzt hatten Spannungen zwischen Polen und der Ukraine zugenommen. Polens Präsident Karol Nawrocki entzog dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj einen polnischen Orden, nachdem eine ukrainische Militäreinheit nach den „Helden der UPA“ benannt worden war. Mehrere ukrainische Politiker gaben daraufhin ihre polnischen Auszeichnungen zurück.

Solange die Ukraine Organisationen wie die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) und die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) ehre, einschließlich des Nationalistenführers Stepan Bandera, werde sie Schwierigkeiten beim EU-Beitritt haben, sagte Kosiniak-Kamysz: „Mit Bandera wird die Ukraine nicht der Europäischen Union beitreten.“

Die OUN und ihre militärische Organisation UPA kämpften während des Zweiten Weltkriegs zunächst gegen die Sowjetunion und zeitweise an der Seite Deutschlands. Polnische Historiker machen die UPA zudem für Massaker an Zehntausenden Polen in Wolhynien und Ostgalizien verantwortlich. In der Ukraine gelten Bandera und Teile der UPA dagegen für viele als Symbol des Kampfes für die nationale Unabhängigkeit.

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