Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia hat im zweiten Quartal große Verluste verbucht. Unter dem Strich stand in den Büchern ein Minus von rund zwei Milliarden Euro. Die steigenden Zinsen haben dem Unternehmen die Bilanz verhagelt. Im Vorjahreszeitraum hatte Vonovia noch einen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro ausgewiesen.
Nach jahrelangem Expansionskurs will sich Vonovia nach früheren Angaben von rund 66.000 Wohnungen trennen und mit dem Erlös die Verschuldung reduzieren. Das Bestreben, die Finanzierungskosten zu senken, habe oberste Priorität, sagte der Chef des Dax-Konzerns Rolf Buch bei der Präsentation der Quartalszahlen am Freitag in Bochum.
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Berliner Mieterverein: Verlust von Vonovia könnte Druck auf die Mieten verstärken
Für Ulrike Hamann, Geschäftsführerin des Berliner Mietervereins, sind die Zahlen besorgniserregend. „Für Mieter von Vonovia sind die Verluste keine gute Nachricht“, sagte sie der Berliner Zeitung. Das könnte den Druck auf die Mieten eher verstärken, denn der Konzern werde die Gewinnerwartungen der Anleger erfüllen wollen. „Schon jetzt erleben wir, dass Vonovia flächendeckend die Mieterhöhungsmöglichkeiten ausschöpft und dabei soziale Verpflichtungen ignoriert“, erklärte Hamann. „Auch bezahlbarer Neubau, der den Markt entspannen könnte, wird von Vonovia wohl in dieser Lage nicht geleistet, denn damit sind keine kurzfristigen Gewinne zu erwarten.“
Und tatsächlich, während sich vor allem die Geschäfte mit der Projektentwicklung und zusätzlichen Dienstleistungen schwächer entwickelten, lief es für den Konzern in der Vermietung aufgrund der weiterhin hohen Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in den Ballungsgebieten deutlich besser. In Deutschland betrug die durchschnittliche Miete per Ende Juni bei Vonovia 7,51 Euro pro Quadratmeter. Der Umsatz legte in den drei Monaten bis Ende Juni um 1,5 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro zu. Die Jahresziele bestätigte das Unternehmen.
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Vonovia profitierte von steigenden Mieten im In- und Ausland
Vonovia war in den vergangenen Jahren der Niedrigzinsphase vor allem über Zukäufe im In- und Ausland kräftig gewachsen. Dazu profitierte der Konzern von steigenden Mieten in den Großstädten und Neubauten. Insgesamt besitzt Europas größtes privates Wohnungsunternehmen rund 548.000 Wohnungen in Deutschland, Schweden und Österreich.
Das Unternehmen erklärte, die Entwicklung der Immobilienwerte von Vonovia sei auch im zweiten Quartal rückläufig gewesen. Allerdings habe sich der Trend gegenüber dem Vorquartal abgeschwächt. Vonovia hatte bereits im ersten Quartal eine außerplanmäßige Neubewertung des Portfolios vorgenommen. „Wir sehen vorsichtige Zeichen der Marktstabilisierung in den meisten Preissegmenten, die uns betreffen“, teilte Vonovia mit.
Der Wert des Vermietungsportfolios habe Ende Juni bei rund 88,2 Milliarden Euro gelegen, teilte Vonovia mit. Ende März wurden die Immobilien noch mit 91,2 Milliarden Euro und Ende 2022 sogar noch mit 94,7 Milliarden Euro bewertet.
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