Verteidigung

KI im Cockpit: Europa offenbar nur Jahre von unbemannten Kampfjets entfernt

Die Entwicklung von KI-Kampfjets sei „revolutionär“, so das Verteidigungsunternehmen Helsing. „Wenn wir es nicht in Europa tun, mit unseren eigenen Werten, wird es woanders gemacht.“

2 Min
Kampfjets fliegen am Himmel. Wann wird es die ersten KI-gesteuerten Maschinen geben?

Kampfjets fliegen am Himmel. Wann wird es die ersten KI-gesteuerten Maschinen geben?

© Helsing

Europa ist nur noch wenige Jahre davon entfernt, Kampfjets ohne menschliche Piloten einsetzen zu können. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf eine Einschätzung des Verteidigungsunternehmens Helsing. Der Hersteller von Drohnen und Systemen mit Künstlicher Intelligenz ließ seine Software bei zwei Übungen über der Ostsee im Mai und Juni demnach erfolgreich die Kontrolle über einen Gripen-E-Kampfjet des schwedischen Waffenherstellers Saab übernehmen.

Stephanie Lingemann, Senior-Direktorin der Luftfahrtsparte des Unternehmens, sagte gegenüber dem Blatt, die Testflüge, bei denen ein Sicherheitspilot als Back-up im Flugzeug blieb, hätten gezeigt, wie schnell die Technologie voranschreite. Die Einführung der Software durch die Luftstreitkräfte in der Praxis sei eher eine Frage von Jahren als von Jahrzehnten, sagte sie in den Büros des Unternehmens in München. „Wir erwarten sie noch in diesem Jahrzehnt.“

Auch Russland, USA und China arbeiten an KI-Kampfjets

Für KI-Systeme in Kampfflugzeugen spreche, dass sie nur 72 Stunden brauchen, um eine Million Stunden an menschlicher Erfahrung zu sammeln. „Man kann sehr schnell zu übermenschlichen Leistungen gelangen, auf neue Umstände reagieren, und man muss seine Piloten nicht in gefährliche Situationen schicken“, sagte sie. „Deshalb ist das so revolutionär.“

Doch die fortschreitenden Entwicklungen in der Industrie für autonome Waffen, zu denen auch Drohnen gehören, werfen viele Fragen hinsichtlich Ethik, Verantwortlichkeiten und zukünftiger Kriegsführung auf. Antoine Bordes, Helsing-Vizepräsident für Künstliche Intelligenz, sagte, dass beim Einsatz von Helsing-Waffen und -Softwaresystemen immer der Mensch im Mittelpunkt der Entscheidungsfindung stehe. Es sei jedoch wichtig, dass Europa bei der Entwicklung autonomer Angriffstechnologien nicht zimperlich sei. „Wenn wir es nicht in Europa tun, mit unseren eigenen Werten, wird es woanders gemacht werden“, betonte er.

Militärs auf der ganzen Welt – einschließlich USA, Russland und China – arbeiten dem Bericht zufolge ebenfalls an der Anpassung bestehender Kampfjets sowie an der Entwicklung neuer unbemannter Flugzeuge.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de