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Kilian Kerner verlässt Berlin und blickt zurück: „Ich fand die ersten Monate hier grausam“

Kilian Kerner prägt seit vielen Jahren den Modestandort Berlin, internationale Stars wie Céline Dion, Lady Gaga und Heidi Klum tragen seine Entwürfe. Doch nun ist es Zeit für eine Veränderung.

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Der erste Sommer in Berlin hat alles verändert: Kilian Kerner

Der erste Sommer in Berlin hat alles verändert: Kilian Kerner

© Tobias Ortmann

Als Autodidakt hat sich Kilian Kerner seinen eigenen Weg in die Welt der Mode gebahnt. Inzwischen ist er nicht nur fester Bestandteil der Fashion Week und prägt seit vielen Jahren den Modestandort Berlin. Der Designer setzt längst auch international Akzente, zeigte seine Entwürfe in New York, Paris, London, Barcelona, Las Vegas und Los Angeles.

Gerade erst hat Kilian Kerner im Rahmen der Berlin Fashion Week seine neue, emotionale und bildgewaltige Kollektion „Burning Symphony“ präsentiert, da stehen auch schon große Veränderungen an. Der 47-Jährige wird Berlin ab Oktober für mindestens sechs Monate verlassen.

Kerner musste zu Jahresbeginn nach einem schweren Bandscheibenvorfall operiert werden, während des Eingriffs gab es Komplikationen. In der Folge traf er seine Entscheidung: „Manchmal verändern Erlebnisse die Richtung unseres Lebens. Für mich war es so nach meiner Operation, als mir bewusst wurde, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Seitdem sehe ich vieles anders – das Leben, meine Prioritäten und auch mich selbst. Und die Erkenntnis, nichts mehr verpassen zu wollen. Nie wieder etwas unausgesprochen zu lassen. Keine Zeit mehr zu verschwenden. Auf dem Rückflug aus Thailand habe ich deshalb eine Entscheidung getroffen: Ich werde nach Los Angeles ziehen. Nicht, weil ich etwas hinter mir lassen möchte, sondern weil ich spüre, dass ich weitergehen muss.“

Bevor er die Koffer packt, verrät uns der Modemacher aber noch, wie er den Berliner Stil so findet und wo er am liebsten einkauft.

1. Herr Kerner, Sie sind 1979 in Köln zur Welt gekommen. Wann hat es Sie nach Berlin verschlagen?

2003 bin ich nach Berlin gezogen, um mein Schauspielstudium hier fortzusetzen. Dass dann alles anders kommen würde und ich plötzlich Modedesigner war, wer hätte das gedacht. Ich jedenfalls nicht. Danke Berlin, kann ich da nur sagen.

2. Wie war Ihr erster Eindruck von der Hauptstadt?

Kalt, hässlich und dreckig. Ich fand die ersten Monate einfach grausam. Weil damals jeder in den Prenzlauer Berg gezogen ist, wollte ich das nicht und bin nach Moabit gezogen. Moabit war 2003 bei weitem nicht das, was es heute ist. Irgendwann habe ich aber die richtigen Leute kennengelernt – und dann habe ich angefangen, Berlin zu lieben. Der erste Sommer in der Stadt war einfach nur magisch.

3. In welchen Berliner Stadtteilen haben Sie schon gewohnt? 

Ach Gott, gefühlt überall: Moabit, Neukölln, Tempelhof, Mitte, P-Berg, Friedrichshain, Kreuzberg, Pankow, Grünau und Lichtenrade. Mein Lieblingsort war Pankow. Dort habe ich auch am längsten gewohnt, ganze sechs Jahre, die ich sehr genossen habe. Ich hatte eine ganz tolle, loftartige Wohnung in einer umgebauten alten Brauerei. Die Gegend war superschön, die Leute relativ entspannt. Ich habe wunderschöne Erinnerungen an Pankow. Vor allem private.

Grünau war auch großartig, das erste Mal in einem Haus mit Garten zu leben und nicht mehr in einer Wohnung, war sehr schön. Ich hatte dort eine tolle Zeit. In Friedrichshain hab ich zweimal gewohnt, aber irgendwann war es mir zu hip. Lichtenrade ist ruhig, und schön, und man ist trotzdem schnell im Trubel, wenn man möchte.

4. Seit 2008 sind Sie ein fester Bestandteil der Berliner Fashion Week. Was war seitdem Ihr ganz persönliches Modewochen-Highlight – und was eher ein Negativ-Erlebnis?

Oh, da gibt es über die Jahre sehr viele. 2008 meine erste Show war sehr besonders. Die Show im Sommer 2010 hat sehr viel bewirkt: Eine Zusammenarbeit mit Vogue hatte angefangen; Suzy Menkes ist auf mich aufmerksam geworden, und das hatte damals extrem viele Türen geöffnet. 2019 mein Comeback nach drei Jahren war auch speziell.

Die emotionalste Show war ganz klar „20 Jahre Kilian Kerner“. In jeder Hinsicht. Daran erinnere ich mich – mit der ersten Show – am liebsten. Es war ein perfekter Moment im Juli 2024, wo wirklich alles gestimmt hat. Wunderschön, voller Liebe und sehr bedeutsam. Negativ werden mir immer die Show und ihre Folgen im Januar 2026 in Erinnerung bleiben. Ich war sehr krank und habe mir durch das Nichtabsagen der Show großen körperlichen und seelischen Schaden zugefügt. Aber ich habe daraus gelernt. Zu kämpfen habe ich allerdings immer noch damit. Mein Kopf und mein Herz müssen das noch verarbeiten.

Zur Person
Tobias Ortmann

Zur Person

Kilian Kerner begann seine Karriere mit einem Schauspielstudium, bevor er sich 2004 entschied, seine eigene Modemarke Kilian Kerner zu gründen. Inzwischen werden seine Designs von internationalen Stars getragen. Zu seinen Fans zählen Heidi Klum, Jennifer Lopez, Bill Kaulitz, Gwen Stefani, Rita Ora und Kylie Minogue. Seit fünf Jahren gehört er zur festen Stammbesetzung von „Germany’s Next Topmodel“ und ist ein gern gesehener Gast in zahlreichen TV-Shows. Auf der Berlin Fashion Week zeigt er seit 2008 regelmäßig seine Kreationen und gehört zu den festen Größen der deutschen Modeszene.

5. Wolfgang Joop hat mal gesagt, in Berlin sähen inzwischen alle so aus, als seien sie zwangsgekleidet von Humana. Hat er recht? 

Also ich muss dem lieben Wolfgang recht geben. Zumindest in einigen Stadtteilen ist das der prägende Stil. Aber das hatten wir Anfang der 2000er-Jahre auch schon. Abgelöst wurde der Trend dann von den Skinny Jeans, die konnten nicht eng genug sein. Ich war auch ein richtiges Opfer dieses Trends.

6. Was nervt Sie persönlich in Berlin besonders – und was heitert Sie wieder auf?

Aktuell mache ich den Führerschein und lerne dadurch natürlich gerade alle Regeln. Da finde ich es schon erstaunlich, wie doch sehr viele Verkehrsteilnehmer so gar nicht darauf achten. Vor allem die Geschwindigkeitsgrenzen. Neukölln ist da besonders heikel. Regeln? Für uns Neuköllner nicht.

7. Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Früher war es die Stralauer Allee. Dort hat man so stark die Geschichte dieser Stadt gefühlt, zumindest ich. Einen wirklichen Lieblingsort habe ich nicht. Aber ich verbinde mit so vielen Orten tolle Geschichten. Romantische, ehrliche Momente an der Spree, die ich nie vergessen werde. In der Gegend rund um die Stralauer Allee habe ich wirklich Großartiges erlebt. Immer wieder. Da bleibt so einiges unvergesslich.

8. Ihre persönliche No-go-Area? 

Um ehrlich zu sein, eine No-go-Area habe ich nicht. Berlin ist einfach Berlin und die Facetten machen es doch zu diesem besonderen Ort.

9. Ein Abend mit Freunden: In welchem Restaurant wird reserviert?

Kein bestimmtes. Ich liebe griechisches Essen, deshalb würde ich mich immer für ein Restaurant mit Gyros und Zaziki entscheiden.

10. Einkaufen in der Stadt: In welchem Laden kennt Ihre Kreditkarte kein Limit?

Im KaDeWe. Da finde ich immer was, was die Kreditkarte zum Glühen bringt. Mein Lieblingslabel ist Diesel, im Store am Kudamm habe ich in den letzten Monaten mindestens genauso viel Geld gelassen. Mein Kleiderschrank ist voll von Dieselhosen und -jacken. Die Kollektionen sind gerade einfach zu gut, um nicht immer mehr davon zu kaufen.

11. Der beste Stadtteil Berlins? 

Charlottenburg. Ich liebe die Gegend um den Kudamm. Der Kudamm ist auch eine Erinnerung an meine Anfangszeit in Berlin. Als ich 2003 nach Berlin gezogen bin, war ich sehr oft dort.

12. Kommen vs. Gehen: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Ich würde immer sagen: herziehen. Berlin hat eine Magie, die einem ins Herz geht. Mich hat sie gefangen, aber jetzt ist erstmal Schluss und ich ziehe für eine Zeit nach Los Angeles.

13. Ein paar Monate sind Sie aber noch hier. Wie sieht so lange Ihr perfektes Berlin-Wochenende aus – vom Frühstück am Morgen bis zum letzten Drink in der Nacht?

Sehr lange schlafen. Mit Freunden treffen, draußen sein. Den Kudamm entlang schlendern. Raus ans Wasser, ein Boot über den See lenken. Ich habe da ein neues Hobby für mich entdeckt: Freunde von mir haben ein Boot und ich darf es immer fahren, wenn wir alle zusammen dort sind. Das macht mir so viel Spaß. Dann am Abend schön essen gehen oder im Sommer grillen. Den Abend genießen, irgendwo in Berlin. In einer Bar noch einen Drink nehmen und bis tief in die Nacht wach bleiben, gute Gespräche führen. Und hin und wieder auch mal tanzen gehen.

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