Kinderuntersuchungen der Charité

140.000 Eltern erhielten Mahnungen

Die Berliner Charité lädt seit zwei Jahren Kinder zur Vorsorgeuntersuchung ein. 141.000 Mal musste sie Berliner Eltern wegen versäumter Untersuchungen ihrer Kinder ermahnen.

Kirsten Stamer
3 Min
Wichtig für Kinder: regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen.

Wichtig für Kinder: regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen.

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Entwicklungsstörungen, Krankheiten, Vernachlässigungen können mittels der Vorsorgeuntersuchungen U4 bis U9 frühzeitig erkannt werden. Bei vielen der drei Monate bis sechs Jahre alten Kinder können so bleibende Schäden abgewendet werden. Die Untersuchungen werden aber häufig nicht wahrgenommen. Deshalb beauftragte der Senat die Charité mit der Einrichtung einer Zentralen Stelle, die die Eltern dazu bringen sollte, ihre Kinder untersuchen zu lassen.

Jedes Kind hat einen Barcode

Seit zwei Jahren erinnern die vier Charité-Mitarbeiter die Eltern mit Briefen an die ausstehenden Untersuchungen. Wird der Arztbesuch trotzdem nicht wahrgenommen, werden der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst des Bezirkes informiert. Dieser ruft dann die Familie an und macht im Zweifelsfall auch Hausbesuche. Die Kinderärzte melden der Zentralen Stelle dann, wenn die Untersuchungen schließlich durchgeführt worden sind. Und zwar per Fax, auf dem ein Barcode aufgeklebt ist. Denn um die Anonymität der Kinder zu wahren, bekommt jedes Kind ab der Geburt einen solchen Barcode zugewiesen. Die Charité-Mitarbeiter gewinnen so einen Überblick über alle Berliner Kinder. In den zwei Jahren gingen fast 70.000 Meldungen an den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD).

Insgesamt suchten die KJGD-Mitarbeiter im Zeitraum vom 1. April 2011 bis 31. März 2012 in rund 6200 Fällen Familien Zuhause auf. Spitzenreiter bei den Hausbesuchen waren Bezirke wie Neukölln (983), Mitte (958) und Lichtenberg (858). In Steglitz-Zehlendorf gab es mit 184 Fällen die wenigsten Hausbesuche. Gerade in den sozialen Brennpunkten würden die Jugend- und Gesundheitsämter in Zukunft besser ausgestattet, sagte der Senator für Gesundheit und Soziales, Mario Czaja (CDU). Die anfängliche Befürchtung, dass sich Eltern durch die Briefe bevormundet fühlen könnten, sieht er nicht bestätigt. „Insgesamt sind in den zwei Jahren nur 30 Beschwerden eingegangen“, so Czaja. „Aber selbst diese konnten in Telefonaten geklärt werden.“

Hausbesuche bei Familien

In 12,5 Prozent der Fälle nähmen die Familien zusätzliche Beratungsleistungen in Anspruch, stellte Oliver Blankenstein fest. Bei den Hausbesuchen gehe es aber nicht immer nur um die Gesundheit der Kinder. Auch wirtschaftliche, rechtliche und psychosoziale Probleme würden angesprochen.

Eine Gefährdung des Kindswohls wurde in neun Fällen festgestellt, das entspricht weniger als 0,1 Prozent. Dabei erfolgt eine Meldung an das zuständige Jugendamt. Die Zentrale Stelle zur Durchführung des verbindlichen Einladungs- und Rückmeldewesens, wie sie korrekt heißt, kostet das Land im Jahr 300.000 Euro.

Die Stelle war seinerzeit auch geschaffen worden, nachdem es mehrere Fälle von Kindeswohlgefährdung gegeben hatte, das heißt, Kinder wurden in verwahrlosten Wohnungen gefunden.

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