Kino Colosseum

Rocky Horror ganz ohne Horror

Am Mittwoch kommt „Aschenbrödel und der gestiefelte Kater“ in die Kinos. Es ist ein Mitmach-Märchenfilm.

Elmar Schütze
3 Min
Die Crew: Samuel und sein Sohn Ezra Finzi, Marie-Lou Sellem, Roger Jahnke und Carsta Zimmermann (v. l.) bei der Premiere am Sonntagabend

Die Crew: Samuel und sein Sohn Ezra Finzi, Marie-Lou Sellem, Roger Jahnke und Carsta Zimmermann (v. l.) bei der Premiere am Sonntagabend

© Berliner Zeitung/Christian Schulz Lizenz

Dieses 3D ist doch ein alter Hut, Kino für alte Leute sozusagen. Tatsächlich innovativ und vor allem auch intensiv ist eine Form von Erlebnis, die eigentlich viel eher im Theater zu Hause ist („Vorsicht Kaspar, das Krokodil!“), in jedem Fall viel älter ist als der 3D-Klimbim, jetzt aber dennoch auch auf der Leinwand funktionieren soll. Am Sonntag war Weltpremiere von „Aschenbrödel und der gestiefelte Kater“, am Mittwoch kommt der nach Angaben des Verleihs „erste Kinofilm zum Mitmachen“ in die Lichtspielhäuser. Vergleichbar vielleicht ein wenig mit der „Rocky Horror Picture Show“. Nur, dass niemand an bestimmten Stellen mit Reis, Konfetti oder Klopapier wirft, sondern ein Teddybär (im Film heißt er „Märchenbär“) von der Leinwand herunter das Publikum zum Tanzen, Singen und Klatschen animiert.

Mehr als 700 Kinder und insgesamt 1300 Filmfans hatten sich am Sonntagabend im Kino Colosseum an der Schönhauser Allee zur Premiere von „Aschenbrödel und der der gestiefelte Kater“ eingefunden. Zu den Gästen auf dem roten Teppich gehörte natürlich auch die Filmcrew: Samuel Finzi und sein Sohn Ezra ließen sich feiern, ebenso Marie-Lou Sellem und Maxim Mehmet – sowie die Schauspieler der Märchenhütte im Monbijoupark.

Ensemble um Carsta Zimmermann

Das Ensemble um Carsta Zimmermann (gestiefelter Kater), Claudia Graue (Aschenbrödel), Torsten Schnier (Müllerssohn) und Roger Jahnke (Prinz) kennt die Situation mit einem Publikum, das mitgeht und durchaus auch lautstark eingreift, aus Hunderten von Vorstellungen in seiner urigen Holzhütte (seit vorigem Winter sind es sogar zwei) auf dem Bunkerdach an der Spree. In diesem Jahr geht das Theaterteam bereits in die siebte Saison (Auftakt: 6. Dezember), da tut ein Ausflug in die Filmbranche sicher gut. „Wir hatten die Idee zu dem Film“, sagt Betreiber Christian Schulz, der auch Ko-Produzent des Films ist. „Wir haben unser Standardrepertoire so fortentwickelt, dass es für den Film passt.“

Von den Dreharbeiten weiß Schulz zu berichten, dass die Film- nicht selten über die Theaterleute staunten: „Unsere Leute sind so gut drin im Stoff, dass sie oft schon nach einem Take fertig waren.“ Allerdings, so Schulz, sei es auf der Bühne natürlich sehr viel leichter, die Kinder im Publikum zum Mitmachen bei Grimms Märchen zu animieren. Im Film muss dies der Märchenbär auf der Leinwand übernehmen. „Da kommt der Impuls zum Hinweisgeben oder Reinquatschen natürlich aus der Konserve. Wir hoffen aber dennoch, dass es funktioniert“, sagt Schulz. Am Sonntagabend bei der Weltpremiere und bei manchen Vorab-Screenings in den Tagen und Wochen zuvor jedenfalls hat’s offenbar geklappt. Die Kinder im Kinosaal feixten, lachten, ließen sich mitreißen, hatten ihren Spaß.

Nun kommt „Aschenbrödel und der gestiefelte Kater“ also in die Kinos. Die Vorschusslorbeeren für das von der Filmbewertungsstelle als „besonders wertvoll“ ausgezeichnete, 60-minütige Werk für Kinder ab vier Jahren sind beträchtlich: So wurden bis jetzt bereits 15.000 Tickets verkauft. Allein in Berlin läuft der Film am Mittwoch in zwölf Kinos an.

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