Erinnern Sie sich noch an das Kino Sojus? Zu DDR-Zeiten war der Filmpalast eine Institution, die auf Weisung von Staatschef Erich Honecker entstand und am 30. April 1981 am Marzahner Helene-Weigel-Platz eröffnet wurde. Das Lichtspielhaus gehörte zu den modernsten im Arbeiter- und Bauernstaat. Dort schauten die Ost-Berliner die neusten Streifen aus der heimischen DEFA-Produktion, aber auch Hollywood-Hits wie „Dirty Dancing“. Im Kinosaal wurde auch gefeiert. Viele erlebten dort ihre Jugendweihe.
Mit Wehmut erinnert man sich daran, wenn man heute das Kino Sojus sieht. Bröckelnde Fassade, kaputte Fenster, und wo einst die Filmfreunde im Saal begeistert vor der großen Leinwand saßen, haben sich längst Tauben eingenistet. Denn seit 2007 laufen dort keine Filme mehr. „Prinzenbad“ hieß der letzte, der im Kino Sojus zu sehen war. Danach wurde das Lichtspielhaus für immer geschlossen.
Müllhaufen der Geschichte
Vergeblich hatten sich mehrere Betreiber nach dem Ende der DDR noch daran versucht, den Kino-Betrieb am Helene-Weigel-Platz aufrecht zu erhalten. Doch die Besucherzahlen gingen drastisch zurück. Da half es auch nichts, am Ende die Filme für nur noch 99 Cent zu zeigen. Dazu kam, dass mehrfach die Eigentümer des Hauses wechselten. Sie gaben dem Kino Sojus den Rest und ließen das Gebäude verfallen.
Nun bleibt nur noch der Abriss. Noch in diesem Herbst sollen die Bagger anrollen und das legendäre Kino Sojus endgültig auf den Müllhaufen der Geschichte schieben. Auf dem 2500 Quadratmeter großen Grundstück soll es Platz für einen Neubau machen. Einem langgezogenen dreigeschossigen Plattenbau mit Supermarkt und einem Seniorenpflegeheim darauf.
Die Schriftzüge bleiben
Dazu kommt ein Parkhaus mit rund 240 Stellplätzen. So plant es jedenfalls der Investor Jens Grünert von der Köpenicker „Regie Bauträgergesellschaft“. Für den Grundstückskauf und dem Neubau will er zehn Millionen Euro investieren, sagt Grünert. Nach dem Kino-Abriss sollen die Bauarbeiten Anfang 2019 beginnen und ein Jahr später beendet sein.
Den Segen vom Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat der Investor. Der städtebauliche Vertrag für wird noch in diesem Monat unterzeichnet, dann folgt der Bauantrag. Einziger Trost: Die Schriftzüge vom Kino Sojus bleiben. Einer kommt in den Neubau, der zweite ins Bezirksamt Riesaer Straße.
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