Kinostart

Mehr Witz denn je in "Stromberg - Der Film"

Was dem wahren Fan vielleicht schleierhaft erschien – es ist möglich: Aus dem fiesen Fernsehhelden Stromberg wurde eine ebenso fiese Leinwandfigur. Christoph Maria Herbst kann auch große Säle füllen.

Philipp Bühler
3 Min
Christoph Maria Herbst ist Stromberg, glücklicherweise auch im Film.

Christoph Maria Herbst ist Stromberg, glücklicherweise auch im Film.

© Brainpool/Willi Weber Lizenz

Stromberg“, die Serie, kommt mit besten Referenzen. Stellen wir ihr ein Zeugnis aus. Gewissenhaft gearbeitet, trat sie stets bescheiden auf, ganz anders als ihre Hauptfigur. Die heißt bekanntlich Bernd Stromberg, oft benannt als „schlimmster Chef der Welt“. Angestellt bei einem lauten Privatsender, der sich ansonsten so gewissenlos und zynisch gebärdet wie Stromberg selbst, überzeugte die Serie durch die leisen Töne, machte wenig Aufhebens von sich.

Vielleicht ist es diese verblüffende Kongruenz von Sinn und Form, die Ralf Husmanns genialer Schöpfung solch anhaltenden Erfolg bescherte. Doch Erfolg ist gefährlich. Selbst der kleinste Angestellte sucht irgendwann nach Anerkennung, will das serielle Bemühen hinter sich lassen, will Kino werden. „Stromberg – Der Film“ ist das Ergebnis dieser forschen Offensive, und rechtfertigt jedes Vertrauen: Die Beförderung ist wohlverdient!

Haben der Autor Husmann und der Regisseur Arne Feldhusen doch der Versuchung widerstanden, die Geschehnisse rund um die Capitol-Versicherung, Abteilung Schadensregulierung, kinomäßig aufzuplustern. Sie bleiben bescheiden. Der graue Büroalltag, also das Herzstück der Serie, erfährt die denkbar kümmerlichste Ausweitung ins restliche Leben, die dem Angestellten heute vergönnt ist: den Betriebsausflug.

„Tja, auf ’ner Firmenfeier hat keiner Spaß“, tönt Stromberg, und sorgt natürlich selbst dafür. Hintergrund seiner Machenschaften ist ein Gerücht: Seine Filiale soll geschlossen, das Personal entlassen werden. Durch buckeln nach oben und treten nach unten, also seinen üblichen Führungsstil, will sich Stromberg für Höheres empfehlen. In seinem bevorzugten Opfer Ernie, dem ewigen Sündenbock der Capitol, findet er unerwartete Konkurrenz. Es ist ein würdeloses Duell, in dem die Darsteller Christoph Maria Herbst und Bjarne Mädel erneut über sich hinauswachsen.

Bis auf die Verlagerung in ein trostloses Autobahnhotel als Ort der miefigen Jubiläumssause, bleibt zunächst alles gleich. Zwischen Tanztee und verdrucksten Amouren teilt Stromberg aus und intrigiert, in verstohlener Kumpanei mit der Kamera, die an sich schon unsittlich berührt. Dieses einmalige Format der Pseudodokumentation wurde längst mit einem Grimme-Preis geehrt, die Figur Stromberg ist Kult.

Eben diese Figur des hierarchisch denkenden Chefs wurde zuletzt auch „unzeitgemäß“ genannt. In „Stromberg: Der Film“ ist das mehr denn je der Witz. Stromberg ist ein Dinosaurier des ironischen Zeitalters, ein hässlicher Atavismus. Indes scheint ihm zu dämmern, dass er seinen Stil ändern muss, um zu überleben.

Wenn ein Stromberg von „nachhaltigem“ Management redet, ahnt man seine Verwirrung. Tatsächlich bringt uns der Film den ewigen Sprücheklopfer („Unter Druck bin ich ja praktisch unschlagbar“) menschlich näher. Im Bewusstsein der eigenen Ersetzbarkeit entwickelt er fast so etwas wie Anstand. Eine Sexparty im Ergo-Stil, nur für die männlichen Vorstände? Nicht mit Stromberg! Dass Husmann seinen kahlen Helden nun in Rente schicken will, nach fünf Staffeln plus Kinofilm, ist künstlerisch sicher konsequent, aber auch bedauerlich.

Stromberg: Der Film Dtl.2014. Regie: Arne Feldhusen; Drehbuch: Ralf Husmann. Mit: Christoph Maria Herbst, Bjarne Mädel, Milena Dreißig u. a.; 123 Min., Farbe; FSK 12.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema