Kiten in Berlin

Drachensteigen mit Extras

Bei Tim Retzlaff kann jeder kiten lernen. Unsere Autorin gibt sich einen Ruck und übt im Freizeitpark Lübars mit einem dreieinhalb Quadratmeter großen Trainerkite. Ob sie es schafft?

Kirsten Stamer
3 Min
Da war’s noch frisch, aber auch windig: die Autorin und Tim Retzlaff.

Da war’s noch frisch, aber auch windig: die Autorin und Tim Retzlaff.

© Berliner Zeitung/Lars Reimann Lizenz

"Wegfliegen kann ich mit dem Ding nicht, oder?“, ist meine erste Frage an Tim Retzlaff. Der 43-jährige Kitelehrer soll mir die Grundlagen des Kitelandboardings beibringen. Also der rasanten Fortbewegung auf einem großen Skateboard mittels Lenkdrachen. Seine Antwort beruhigt nicht: „Doch, schon.“ Aber man könne sich vom Kite, dem Drachen, auch trennen, und außerdem gäbe es ja die Kiteregeln. Eine davon: Wähle die Größe deines Kites passend zu deinem Können und den Windverhältnissen. Da ich das unmöglich einschätzen kann, wählt Tim für mich. Im Freizeitpark Lübars übe ich nun mit einem dreieinhalb Quadratmeter großen Trainerkite. Der Park mit viel Rasen und einigen Hügeln dient heute auch drei Gleitschirmfliegern als Übungsgelände.

Zunächst übe ich ohne das Mountainboard, ein überdimensioniertes Skateboard mit luftgefüllten Gummireifen. Mit beiden Beinen fest auf dem Boden, probiere ich mit der Lenkstange des Drachens Rechts- und Linkswendungen und lote das Windfenster aus. Das ist der Bereich, in dem der Kite fliegt. Drei Leinen verbinden mich mit dem Drachen. Die mittlere ist mit dem Kitekiller, einem Sicherheitssystem, an meinem Handgelenk befestigt. Sollte mir der starke Wind die Lenkstange aus den Fingern reißen, würde der Drache einknicken und zu Boden sinken.

Ein ungefähres Gefühl

Auf dem Board stecken meine Füße nun in großen Schlaufen. Durch leichtes nach vorn und hinten Neigen wird gelenkt. Um im Notfall stoppen zu können, muss ich das gleichzeitige Abspringen mit beiden Füßen üben. Das klappt so lange gut, wie das rollende Brett noch durch Gras gebremst halbwegs stabil steht. Als Tim jedoch anfängt, mich an einem Gurt durch die Gegend zu ziehen, lasse ich schnell alle guten Vorsätze fallen und steige mit einem Bein runter sobald ich meine, die Balance zu verlieren.

Der Wind ist nicht stark genug, um mich zu ziehen. „Nicht schade drum“, denke ich. Doch das sieht Tim anders. Er zieht mich noch einmal mit Kite und Board über die Wiese, um mir ein ungefähres Gefühl zu vermitteln. Doch schon der zweite Maulwurfshügel lässt mich absteigen. Dabei bediene ich alle Voraussetzungen für einen Kiteschüler: Ich wiege über 45 Kilo, und auch eine gewisse Grundfitness würde ich mir nicht absprechen. Offenbar ist jedoch auch ein bisschen Mut von Vorteil. „Vorerfahrung ist nicht nötig“, sagt zwar Tim. Wer sich aber schon halb auf einem Snow- oder Skateboard zu Hause fühlt, hat es leichter. „Mein ältester Schüler war ein 74-jähriger Windsurfer, der sich das schwere Segel sparen wollte“, erzählt Tim. Am Alter liegt es also auch nicht. Trotzdem muss ich ihm am Ende gestehen, dass ich lieber noch ein bisschen mit dem Drachen spielen würde, als mit dem Board wirklich mit Tempo über die Wiese zu rollen.

Berliner Kiteschule, www.berliner-kiteschule.de. Zweistündiger Grundkurs in Berlin 58 Euro, vierstündiger Tageskurs an der Ostsee 99 Euro.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema