Der Chef der deutschen Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, hat Russland im Falle eines Angriffs auf die Nato mit umfassenden Gegenschlägen gedroht. In einem Interview mit der Tageszeitung The Telegraph sagte er, die deutsche Luftwaffe sei sofort einsatzbereit. Sollte es zu einem Konflikt kommen, werde die Bundeswehr „jeden Zentimeter“ des Bündnisgebiets verteidigen. Das Gespräch fand am Sitz des Luftwaffenkommandos in Berlin-Spandau statt.
Eine besondere Botschaft richtete der 57-Jährige an die östlichen Nato-Partner. „Es muss klar sein, dass es keine Zonen unterschiedlicher Sicherheit gibt, dass die Nato bis zum letzten Zentimeter die Nato ist“, sagte Neumann. Ein Angriff auf Estland würde demnach dieselbe Reaktion auslösen wie ein Luftangriff auf London.
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Mögliche Ziele in Russland benannt
Neumann nannte konkrete Regionen, die im Verteidigungsfall ins Visier der Nato geraten könnten: die Kola-Halbinsel im Nordwesten Russlands, wo Moskau Atomwaffen stationiert hat, die russische Exklave Kaliningrad, St. Petersburg als Sitz wichtiger Marine-Einheiten sowie das Schwarze Meer mit der dort stationierten Schwarzmeerflotte. Eine Verteidigungsreaktion der Nato wäre nach seinen Worten überwältigend, da es sich um „32 gegen X“ handele – eine Anspielung auf die 32 Luftstreitkräfte des Bündnisses.
Aufrüstung und Unterstützung für Großbritannien
Neumann verwies auf das milliardenschwere Finanzierungspaket der Bundesregierung, mit dem die Bestände an Luftverteidigungssystemen wie Patriot, Iris-T und Arrow 3 ausgebaut würden. Der Luftwaffenchef ist Teil der von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angekündigten Aufrüstung zur „stärksten konventionellen Armee“ Europas.
Großbritannien sicherte Neumann im Bündnisfall Unterstützung durch deutsche Luftverteidigung zu. Ob London seine eigenen Fähigkeiten ausbauen müsse, sei eine Frage an den britischen Luftwaffenchef Sir Harv Smyth.
Warnung vor Unterschätzung Russlands
Vor einer Unterschätzung der russischen Luftwaffe warnte Neumann ausdrücklich. Russland habe in vier Jahren Krieg in der Ukraine eine hohe Anpassungsfähigkeit bewiesen und verfüge über leistungsfähige Systeme wie die Kampfflugzeuge Su-35, Su-57 und MiG-31. Hinzu kämen Marschflugkörper sowie ballistische und Hyperschallraketen.
Eine Abkehr von den USA lehnte Neumann ab. Er sei ein „großer Fan“ der Nato und der transatlantischen Bindung und wolle nicht von europäischer Autonomie sprechen.
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