Ein Video der Berliner Zeitung von der Aktion der Letzten Generation vor dem Bundeskanzleramt warf am Dienstag Fragen zu körperlichen Angriffen der Polizei auf Klimaaktivisten auf. Nun zeigt ein Video von einer anderen Aktion einen weiteren solchen Vorfall. Auf X, ehemals Twitter, kursiert ein Video, in dem ein Polizist – anscheinend ohne Provokation – eine Aktivistin kraftvoll zu Boden stößt.
Das 41 Sekunden lange Video wurde von Florian Flunk, einem Aktivisten der Letzten Generation, hochgeladen. Der abgebildete Vorfall scheint sich am Rande der Aktion der Gruppe am vergangenen Sonnabend auf der Straße des 17. Juni zugetragen zu haben. An dem Tag hatten sich zahlreiche Klimaaktivisten der Letzten Generation und von Extinction Rebellion aus den Niederlanden auf der Straße festgeklebt – als Teil einer „Massenblockade“ neben der Siegessäule.
Letzte Generation: Berliner Polizist greift Aktivisten vor Kanzleramt an (Video)
„Das Ankleben hat zu unterbleiben“ – dann schaut die Polizei beim Einbetonieren zu
Das nun aufgetauchte, neue Video zeigt eine Gruppe von Demonstranten auf dem Bürgersteig neben der Straße, die langsam den Versammlungsort verlassen. Im Hintergrund ist eine Reihe von Polizeiwagen zu sehen. Plötzlich stößt ein Polizist eine junge Demonstrantin, die im hinteren Teil der Gruppe steht, zu Boden. Die Aktivistin scheint mit dem Gesicht aufzuschlagen und bleibt mehrere Sekunden lang regungslos am Boden liegen, während andere Demonstranten ihr zu Hilfe eilen.
Zwei weitere Polizeibeamte helfen ihr dann auf die Beine, woraufhin sie von einer anderen Aktivistin gepackt wird. Man sieht, wie sie geschockt und verwirrt vor sich hin starrt. Im Hintergrund rufen Umstehende dem Beamten zu, der die Aktivistin zu Boden gestoßen hatte: „Was bedeutet das?“, „Warum?“.
In einer Stellungnahme hat die Polizei Berlin der Berliner Zeitung bestätigt, dass der Sachverhalt aus dem Video der Polizei bereits bekannt sei. Es handelt sich in dem Video um einen Polizeibeamten des Landes Berlin; eine Fachdienststelle des Landeskriminalamtes hat bereits Ermittlungen gegen ihn aufgenommen.
„Gegen den Beamten wurde ein Strafermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt eingeleitet“, heißt es in der Stellungnahme. „Die Prüfung eines möglichen Disziplinarverfahrens steht in Abhängigkeit zum Ausgang des Strafverfahrens.“ Die Frage, ob die Polizei Berlin das Verhalten des Beamten in dem Video für angemessen und verhältnismäßig halte, wurde in der Stellungnahme nicht beantwortet.
Die Farbe der Letzten Generation: Wie verhält sie sich auf Autolack?
Letzte Generation will bei „interreligiösem Protestmarsch“ durch Berlin ziehen
Auch am Dienstag hatten Reporter der Berliner Zeitung ein hartes Eingreifen von Polizeibeamten gegen Demonstranten der Letzten Generation beobachtet. Ein von unserem Reporter vor dem Bundeskanzleramt gefilmtes Video zeigt, wie ein Polizist in Zivil zwei Aktivistinnen gewaltsam zu Boden wirft und einer von ihnen das Gesicht mit einem Pinsel und oranger Farbe beschmiert. Die Farbe hatten die Aktivistinnen zuvor selbst bei ihrer Protestaktion verwendet.
Nach Einsatz vor Bundeskanzleramt: LKA ermittelt, Verdacht der Körperverletzung
In diesem Fall bestätigte eine Sprecherin der Berliner Polizei, dass das Landeskriminalamt (LKA) ein Strafermittlungsverfahren gegen den Beamten wegen des Verdachts der Körperverletzung eingeleitet hat. Ein mögliches Disziplinarverfahren innerhalb der Polizei sei unabhängig vom Ausgang dieses Strafverfahrens.
Auf Anfrage der Berliner Zeitung bestätigte die Polizeisprecherin auch, dass 200 Einsatzkräfte der Polizei bei der Aktion vor dem Bundeskanzleramt im Dienst waren. Wie viele von ihnen in Zivil eingesetzt wurden, konnte sie nicht sagen. Videoaufnahmen der Berliner Zeitung zeigen mindestens zehn vermeintliche Beamte in Zivil, die bei der Aktion der Letzten Generation eingriffen.
Polizeibeamte in Zivil würden im Rahmen von Polizeieinsätzen häufig mit dem Ziel der Aufklärung und Fahndung in der näheren Umgebung eingesetzt, so die Polizeisprecherin. Sie sollen schauen, „ob dort auch Straftaten von Bürgern begangen werden, die sich vor den abgelenkten und als solchen erkennbaren Polizeikräften sicher fühlen“, so die Sprecherin weiter. Sie gab keine Antwort darauf, ob Beamte in Zivil besonders häufig zu Protestaktionen der Letzten Generation entsandt werden.
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