London - Für den kleinen Prinzen waren die bedeutsamsten 35 Minuten in seinem erst dreimonatigen Leben. Den Platz im Zentrum seiner Familie und der königlichen Verwandtschaft hat der „kleine Frechdachs“, wie sein Vater ihn liebevoll nennt, schon seit seiner Geburt am 22. Juli inne. Am Mittwoch nun wurde George Alexander Louis vom Erzbischof von Canterbury getauft und damit in die christliche Gemeinschaft aufgenommen, in der ihm als künftigem weltlichen Oberhaupt der Church of England eine gewichtige Rolle vorbestimmt ist.
Vier Generationen des Hauses Windsor waren zugegen, als Erzbischof Justin Welby den Urenkel der Queen mit Wasser aus dem Jordan weihte: die 87-jährige Königin Elizabeth II. und ihr Ehemann Prinz Philip, Thronfolger Prinz Charles (64) und Gattin Camilla, Prinz William (31) und Kate sowie Baby George.
Die Taufe eines künftigen Monarchen verleiht der Nation nach den Worten des Erzbischofs ein Gefühl für die Bedeutung eines „Moments, der rückwärts- und vorwärtsgewandte Geschichte“ vereint. Zur rückwärtsgewandten Geschichte gehört die Tradition, dass die Nachkommen des britischen Königshauses ein Taufkleid tragen, das Königin Victoria 1841 für ihre erste Tochter in Auftrag gab. Alle Windsor-Babys, sechzig an der Zahl, wurden seitdem in diese Robe gehüllt, so dass Elizabeth II. 2008 bei ihrer Schneiderin Angela Kelly eine Replik für das brüchig gewordene Original in Auftrag geben musste.
Soweit die Tradition. Ansonsten hat das Herzogpaar von Cambridge die Feier in der Kapelle des Londoner St. James’s Palace so intim gehalten, wie das bei einem weltweit für Aufmerksamkeit sorgenden Ereignis möglich ist: Auf der Gästeliste standen nur 23 Geladene: Eltern, Großeltern, die Geschwister Prinz Harry sowie James und Pippa Middleton und die sieben Paten. Die Prominenteste ist die Weltklassereiterin Zara Philips, verheiratete Tindall, Williams Cousine. Ansonsten haben Kate und William die Paten allesamt in ihrem engen Freundes- und Bekanntenkreis gesucht. „Mit diesem kleinen Kreis haben der Herzog und die Herzogin den Ton gesetzt“, sagt die Historikerin Clarissa Campbell Orr: „Sie wollen das Ereignis als private, religiöse Feier verstanden wissen.“
Für die erweiterte Sippschaft gaben Kate und William nach der Taufe eine Teeparty nebenan in Clarence House. Serviert wurde der Taufkuchen, der mit einem Rest des Hochzeitskuchens zubereitet wurde, wie es hieß.
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