Gegen die Leichenausstellung „Körperwelten“ des umstrittenen Plastinators Gunther von Hagens, die vom Herbst an dauerhaft am Fuße des Fernsehturms in Mitte gezeigt werden soll, formiert sich Widerstand im Abgeordnetenhaus. Die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken, Katrin Lompscher, warf dem Bezirk und dem Senat vor, nicht gegen die Vermietung interveniert zu haben. „Ein Menschenmuseum an diesem Ort zeugt von mangelnder Sensibilität“, sagte sie.
Auf Antrag der Linken debattierte das Parlament am Donnerstag in der Aktuellen Stunde über die Entwicklung am Alexanderplatz. Lompscher kritisierte zudem „die Ballermann-Atmosphäre, Verrummelung und Verramschung“.
Die Ausstellung zeige, dass der Senat keine Vision für den Alexanderplatz habe, sagte Antje Kapek, Fraktionschefin der Grünen. Sie kritisierte auch „die Zunahme von Ramschbuden“. Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der CDU, Stefan Evers, sprach sich für ein neues Platzmanagement aus. „Der Senat ist stärker gefordert, der Bezirk kann es wohl nicht allein bewältigen.“ Am Rande der Sitzung schlug er ein Regionalmanagement unter Einbeziehung des Senats vor – so wie in der City-West. „Die geschmacklose Leichenausstellung gehört nicht auf den Alexanderplatz. Senat, Bezirk und Anwohner müssen auf den Vermieter einwirken“, sagte der CDU-Abgeordnete.
„Es ist eine Schande, wie man mit diesem Ort umgeht“, sagte auch Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) und sprach von einem Rummelplatz. Der Bezirk müsse restriktiver mit Genehmigungen umgehen. „In neun von zwölf Monaten stehen hier Buden.“ Die Hochhauspläne verteidigte er. „Der Alexanderplatz ist kein Ort für Bungalows.“ Dagegen forderte die Opposition ein komplettes Umdenken.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de